Zeig mir (dein Tattoo)

San Andreas Verwerfung, Kalifornien, 2009, by Leohotens, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Ich werde in eine Katze hinein schlüpfen, Mit Jammern und Seufzen und einer kleinen schwarzen Kugel; Ich gehe in des Teufels Namen; Ach, obwohl ich wieder nach Hause komme  (Isobel Gowdie, 1662 wegen Hexerei angeklagt, via Wikipedia) 

Zeig mir deine nackten
Arme; feines Netz aus weißen Linien;
das Verlangen, sie zu streicheln, als ob meine
Zärtlichkeit Narben zum Verschwinden bringt. Ich spüre
deine Körperspannung, sehe deine glatte Stirn, die aufgespritzten
Lippen und danke Gott, dass ich keine Tochter habe. Und sie (hab heut
Nacht geträumt von ihr) dankt mir. Draußen fällt, wie immer, Regen. Hindus
und Buddhisten glauben, dass den Regen Indra bringt, und du hast das auch
geglaubt, dabei warst du Moslem. Dein Tattoo auf meiner Haut ist fast verblasst.
Du warst fünfzehn Jahre älter. Der Boden unter unsren Füßen, driftend. War ja 
klar, dass ich dort stand und drüben, du. Was haben wir geprasst! Mit Kohle,
Koks und Whiskey. Dein Vater war ein Wertiger. Tagsüber, General.
Nachts, in Sumatra, ein Tiger. So brachial, dein Baseball-
schläger. Hast ihn nie zum Sport verwendet,
             Vajra, deinen Donnerkeil —

Heirate mich!
Hast du zu mir gesagt und meine
Mutter angerufen oder hat sie das erfunden
(wie so vieles andere)? Sie wären mich wohl beide gerne
losgeworden, so wie dich, dein Vater, Indra. Das Talent des Tigers
erbt nur der, der es (er)tragen kann. O Grausamkeit aus Vatermund! Zeig
mir deine nackten  Arme; feines Netz aus weißen Linien. Darf ich sie berühren?
Als ob meine Zärtlichkeit die Narben zum Verschwinden bringt. Kannst du auch
den Regen hören? Selbst wenn er seine Fäuste ballt und alles kurz und kleiner
haut, wir begrüßen ihn wie Freunde. Dein Tattoo auf meiner Haut ist mit den
Jahren blass geworden. Was wirklich bleibt, muss tiefer gehen. Hast du
mich verstanden? Ich stehe hier, auf meiner Seite der Verwerfung
und du stehst drüben auf deiner und weißt so gut wie ich:
Mut braucht keinen Baseballschläger. Irgendwo
             in Sumatra, dein Tiger —  

Zeig mir (dein Tattoo), 2024

Foto: Indra mit dem Donnerkeil auf seinem Elefanten Airavata, Relief, um 960, Banteay-Srei-Tempel, Kambodscha, CC BY-SA 3.0, via Wikipedia

Zu Wertiger oder Werkatzen Vgl. Wikipedia

San Andreas Verwerfung, Kalifornien, 2009, by Leohotens, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Ich werde in eine Katze hinein schlüpfen, Mit Jammern und Seufzen und einer kleinen schwarzen Kugel; Ich gehe in des Teufels Namen; Ach, obwohl ich wieder nach Hause komme (Isobel Gowdie, 1662 wegen Hexerei angeklagt, via Wikipedia) 

Zeig mir deine
nackten Arme; feines Netz
aus weißen Linien. Das Verlangen,
sie zu streicheln, als ob meine Zärtlichkeit Narben
zum Verschwinden bringt. Ich spüre deine Körperspannung,
sehe deine glatte Stirn, die aufgespritzten Lippen und danke Gott,
dass ich keine Tochter habe. Und sie (hab heut Nacht geträumt von
ihr) dankt mir. Draußen fällt, wie immer, Regen. Hindus und Buddhisten
glauben, dass den Regen Indra bringt und das hast du auch geglaubt, dabei
warst du Moslem. Dein Tattoo auf meiner Haut ist fast verblasst. Du warst fünfzehn Jahre älter. Der Boden unter unsren Füßen, driftend. War ja klar,
dass ich dort stand und drüben, du. Was haben wir geprasst! Mit Kohle,
Koks und Whiskey. Dein Vater war ein Wertiger. Tagsüber, General.
Nachts, in Sumatra, ein Tiger. So brachial, dein Baseball-
schläger. Hast ihn nie zum Sport verwendet,
             Vajra, deinen Donnerkeil —

 

Heirate mich!
Hast du zu mir gesagt und
meine Mutter angerufen oder hat sie das
erfunden (wie so vieles andere)? Sie wären mich wohl
beide gerne losgeworden, so wie dich, dein Vater, Indra. Das Talent
des Tigers erbt nur der, der es (er)tragen kann. O Grausamkeit aus Vater-
mund! Zeig mir deine nackten Arme; feines Netz aus weißen Linien. Darf ich
sie berühren? Als ob meine Zärtlichkeit Narben zum Verschwinden bringt…
Kannst du auch den Regen hören? Selbst wenn er seine Fäuste ballt und alles
kurz und kleiner haut, wir begrüßen ihn wie Freunde. Dein Tattoo auf meiner
Haut ist mit den Jahren blass geworden. Was wirklich bleibt, muss tiefer
gehen. Hast du mich verstanden? Ich stehe hier, auf meiner Seite der Verwerfung und du stehst drüben auf deiner und weißt so 
gut wie ich: Mut braucht keinen Baseballschläger.
               Irgendwo in Sumatra, dein Tiger — 

Zeig mir (dein Tattoo), 2024

Foto: Indra mit Donnerkeil auf dem Elefanten Airavata, Relief, um 960, Banteay-Srei-Tempel,  Kambodscha, CC BY-SA 3.0, via Wikipedia

Zu Wertiger oder Werkatzen, Vgl. Wikipedia

San Andreas Verwerfung, Kalifornien, 2009, by Leohotens, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Ich werde in eine Katze hinein schlüpfen, Mit Jammern und Seufzen und einer kleinen schwarzen Kugel; Ich gehe in des Teufels Namen; Ach, obwohl ich wieder nach Hause komme
(Isobel Gowdie, 1662 wegen Hexerei angeklagt, via 
Wikipedia)

Zeig mir deine nackten Arme; feines Netz aus weißen Linien. Das Verlangen, sie zu streicheln, als ob meine Zärtlichkeit die Narben zum Verschwinden bringt. Ich spüre deine Körperspannung, sehe deine glatte Stirn, die aufgespritzten Lippen und danke Gott, dass ich keine Tochter habe. Und sie (hab heut Nacht geträumt von ihr) dankt mir. Draußen fällt, wie immer, Regen. Hindus und Buddhisten glauben, dass den Regen Indra bringt und du hast das auch geglaubt, dabei warst du Moslem. Dein Tattoo auf meiner Haut ist fast verblasst. Du warst fünfzehn Jahre älter. Der Boden unter unsren Füßen, driftend. War ja klar, dass ich dort stand und drüben, du. Was haben wir geprasst! Mit Kohle, Koks und Whiskey. Dein Vater war ein Wertiger. Tagsüber, General. Nachts, in Sumatra, ein Tiger. So brachial, dein Baseballschläger. Hast ihn nie zum Sport verwendet, Vajra, deinen Donnerkeil —

Heirate mich! Hast du zu mir gesagt und meine Mutter angerufen oder hat sie das erfunden (wie so vieles andere)? Sie wären mich wohl beide gerne losgeworden, so wie dich, dein Vater, Indra. Das Talent des Tigers erbt nur der, der es (er)tragen kann. O Grausamkeit aus Vatermund! Zeig mir deine nackten Arme; feines Netz aus weißen Linien. Darf ich sie berühren? Als ob meine Zärtlichkeit Narben zum Verschwinden bringt. Kannst du auch den Regen hören? Selbst wenn er seine Fäuste ballt und alles kurz und kleiner haut, wir begrüßen ihn wie Freunde. Dein Tattoo auf meiner Haut ist mit den Jahren blass geworden. Was wirklich bleibt, muss tiefer gehen. Hast du mich verstanden? Ich stehe hier, auf meiner Seite der Verwerfung und du stehst drüben auf deiner und weißt so gut wie ich: Mut braucht keinen Baseballschläger. Irgendwo, in Sumatra, dein Tiger — 

Zeig mir (dein Tattoo), 2024

Foto: Indra mit dem Donnerkeil auf seinem Elefanten Airavata, Relief, um 960, Banteay-Srei-Tempel, Kambodscha, CC BY-SA 3.0, via Wikipedia

Zu Wertiger oder Werkatzen, Vgl. Wikipedia