
Ich vergesse sie erst am Rücken meines Kamels. Tag und Nacht, nie wird es müde und es ist so sicher wie die Bare Dir aus Holz. Es hat einen festen Tritt und ich jage es über die Mejbed der Berge, Pfade wie vom Stoff gerissene Streifen. Flanke an Flanke nimmt sie das Rennen mit jedem auf und gewinnt. Den Frühling über lief sie in den Hügeln frei, sie graste mit zwei Milchkamelen die Weiden ab, dort wo es regnet, und kommt doch auf einen Ruf zurück.
(Aus dem Diwan des Tarafah)
Das ist für Malak.
Ihr Vater ist in Port Said. Sie sagt,
er nimmt sie niemals mit ans Meer. Nicht sie,
nicht ihren kranken Bruder, nicht die Mutter, niemanden.
Weil die Familie ihn, den Master, nicht zufriedenstellt? Malak sagt
„he runs away“ und schickt mir drei lachende Smileys. Ich schicke drei
lachende Smileys zurück, obwohl sich irgendwas in mir verläuft wie herrenlose
Hunde. Harmlos, wenn es einer ist; im Rudel nicht zu unterschätzen, wenn du
nachts, ein wenig angetrunken, zurück taumelst ins Hotel. Wir sind doch nur
Touristen! Fix und fertig vom Geglotze und Gerenne durch Karnak, wo dreißig
Hektar bestes Land dem Dreigestirn gewidmet sind. Drei Götter: Vater, Mutter,
Kind. Klingt wie ein Märchen? Ist auch eins. Wir setzen über mit der Fähre.
Erster Gruß der Macht: zwei Kolossalstatuen von Pharaonen. An ihre
Beine angelehnt und knapp vor ihren Knien endend, ihre
Königinnen. Scheinbar singen sie bei Regen. Mich
haben sie nur angeschwiegen —
السلام عليكم Wer spricht ?
Ich bin’s, Hatshepsut, die erste
aller Damen, die Amun umarmt. Große Worte…
Klein geredet! Alle Statuen, zerschlagen! Die Kartuschen,
zerstört. Mein Andenken, ausgelöscht! Na, und? Ein Herrscher geht,
ein anderer kommt. Was soll das Gejammer, Schwester und du, Bruder,
scherst dich einen Dreck um die Geschichte(n). Sie bedeuten dir rein gar nichts,
überhaupt war alles anders, nämlich so-und-so, sagst du und auch, dass du die
Mehrheit hast. Auf deiner Seite. Was soll das hier werden, Bruder? Krieg!? Höre
leise Sistren rasseln. Auftritt Hathor, angesäuert. Kennst du sie, die blöde Kuh?
Hat zwei Hörner auf dem Scheitel und dazwischen eine Sonne, Herrscherin
der wahren Träume. Später Isis, dann Maria. Sichelmond zu ihren Füßen
und der hat ja auch zwei Hörner. Blöde, blöde, blöde Kuh! Unterm
Strich, Säugetiere, ganz genau wie ich und du.
Sag bloß, die kennst du nicht —
Ja, ist es denn ein Wunder?
Haben Kühe ohne Hörner, trinken Milch,
hocherhitzt, alle Keime abgetötet, oder gleich, Hafermilch.
Nur nichts tierisches, Herrgott! Inzwischen fährt der Master stundenlang
durch die Wüste, um Kamelmilch einzukaufen. Wirkt angeblich Wunder. Wunder
braucht sein kranker Sohn. Und Malak? Voll bis obenhin mit Träumen. Will die
ganze Welt bereisen und so gut Koshari kochen, dass jeder Bissen, den du
kostest, eine neue Welt enthält. Ich gebe sie verlässlich weiter. An den
Master von Malak, von seiner (so innig geliebten) Tochter.
Sag bloß, die kennst du nicht —
Das ist (für Malak), 2024
Foto: Dromedar (Camelus dromedarus) by Mostafameraji, CC BY-SA 4.0, via Wikipedia
Das Eingangszitat (aus dem Diwan des Tarafah) ist der „Erfindung der Poesie. Gedichte aus den ersten viertausend Jahren“, von Raoul Schrott entnommen.
Karnak ist die größte Tempelanlage Ägyptens (bei Luxor) und besteht aus mehreren kleineren (später angebauten) Tempeln und drei großen Bezirken, die den einzelnen Vertretern der göttlichen Familie (Amun-Re, Mut, Month) geweiht sind.
السلام عليكم As-salamu-Alaikum = Hallo (arabisch)
Koshari ist ein traditionelles ägyptisches Gericht, das zwar wie ein wilder Eintopf daherkommt, aber von vorne bis hinten komponiert sein will (siehe Rezept) . Wohl bekomm’s:)

Ich vergesse sie erst am Rücken meines Kamels. Tag und Nacht, nie wird es müde und es ist so sicher wie die Bare Dir aus Holz. Es hat einen festen Tritt und ich jage es über die Mejbed der Berge, Pfade wie vom Stoff gerissene Streifen. Flanke an Flanke nimmt sie das Rennen mit jedem auf und gewinnt. Den Frühling über lief sie in den Hügeln frei, sie graste mit zwei Milchkamelen die Weiden ab, dort wo es regnet, und kommt doch auf einen Ruf zurück.
(Aus dem Diwan des Tarafah)
Das ist für Malak.
Ihr Vater ist in Port Said. Sie sagt,
er nimmt sie niemals mit ans Meer. Nicht sie,
nicht ihren kranken Bruder, nicht die Mutter, niemanden.
Weil die Familie ihn, den Master, nicht zufriedenstellt? Malak sagt
„he runs away“ und schickt mir drei lachende Smileys. Ich schicke drei
lachende Smileys zurück, obwohl sich irgendwas in mir verläuft wie herren-
lose Hunde. Harmlos, wenn es einer ist; im Rudel nicht zu unterschätzen, wenn du nachts, ein wenig angetrunken, zurück taumelst ins Hotel. Wir sind doch nur Touristen! Fix und fertig vom Geglotze und Gerenne durch Karnak, wo dreißig Hektar bestes Land dem Dreigestirn gewidmet sind. Drei Götter: Vater, Mutter, Kind. Klingt wie ein Märchen? Ist auch eins. Wir setzen über mit der Fähre.
Erster Gruß der Macht: zwei Kolossalstatuen von Pharaonen. An ihre
Beine angelehnt und knapp vor ihren Knien endend, ihre
Königinnen. Scheinbar singen sie bei Regen. Mich
haben sie nur angeschwiegen —
السلام عليكم Wer spricht ?
Ich bin’s, Hatshepsut, die erste aller
Damen, die Amun umarmt. Große Worte…
Klein geredet! Alle Statuen, zerschlagen. Die Kartuschen,
zerstört. Mein Andenken, ausgelöscht! Na, und? Ein Herrscher geht,
ein anderer kommt. Was soll das Gejammer, Schwester und du, Bruder,
scherst dich einen Dreck um die Geschichte(n). Sie bedeuten dir rein gar
nichts, überhaupt war alles anders, nämlich so-und-so, sagst du und auch,
dass du die Mehrheit hast. Auf deiner Seite. Was soll das hier werden, Bruder, Krieg?! Höre leise Sistren rasseln. Auftritt Hathor, angesäuert. Kennst du sie,
die blöde Kuh? Hat zwei Hörner auf dem Scheitel und dazwischen eine Sonne, Herrscherin der wahren Träume. Später Isis, dann Maria. Sichelmond zu
ihren Füßen und der hat ja auch zwei Hörner. Blöde, blöde, blöde Kuh!
Unterm Strich, Säugetiere, ganz genau wie ich und du.
Sag bloß, die kennst du nicht —
Ja, ist es denn ein Wunder?
Haben Kühe ohne Hörner, trinken Milch,
hocherhitzt (alle Keime abgetötet) oder gleich, Hafermilch.Nur nichts tierisches, Herrgott! Inzwischen fährt der Master stundenlang
durch die Wüste, um Kamelmilch einzukaufen. Wirkt angeblich Wunder.
Wunder braucht sein kranker Sohn. Und Malak? Voll bis obenhin mit Träumen. Will die ganze Welt bereisen und so gut Koshari kochen, dass jeder Bissen,
den du kostest, eine neue Welt enthält. Ich gebe sie verlässlich weiter.
An den Master von Malak, von seiner (so innig geliebten) Tochter.
Sag bloß, die kennst du nicht —
Das ist (für Malak), 2024
Foto: Dromedar (Camelus dromedarius) by Mostafameraji, CC BY-SA 4.0, via Wikipedia
Das Eingangszitat (aus dem Diwan des Tarafah) ist der „Erfindung der Poesie. Gedichte aus den ersten viertausend Jahren“, von Raoul Schrott entnommen.
Karnak ist die größte Tempelanlage Ägyptens (bei Luxor) und besteht aus mehreren kleineren (später angebauten) Tempeln und drei großen Tempelbezirken, die den einzelnen Vertretern der göttlichen Familie (Amun-Re, Mut, Month) geweiht sind.
السلام عليكم As-salamu-Alaikum = Hallo (arabisch)
Koshari ist ein traditionelles ägyptisches Gericht, das wie ein wilder Eintopf daherkommt, aber von vorne bis hinten komponiert sein will (siehe Rezept). Wohl bekomm’s:)

Ich vergesse sie erst am Rücken meines Kamels. Tag und Nacht, nie wird es müde und es ist so sicher wie die Bare Dir aus Holz. Es hat einen festen Tritt und ich jage es über die Mejbed der Berge, Pfade wie vom Stoff gerissene Streifen. Flanke an Flanke nimmt sie das Rennen mit jedem auf und gewinnt. Den Frühling über lief sie in den Hügeln frei, sie graste mit zwei Milchkamelen die Weiden ab, dort wo es regnet, und kommt doch auf einen Ruf zurück. (Aus dem Diwan des Tarafah)
Das ist für Malak.
Ihr Vater ist in Port Said. Sie sagt, er nimmt sie niemals mit ans Meer. Nicht sie, nicht ihren kranken Bruder, nicht die Mutter, niemanden. Weil die Familie ihn, den Master, nicht zufriedenstellt? Malak sagt „he runs away“ und schickt mir drei lachende Smileys. Ich schicke drei lachende Smileys zurück, obwohl sich irgendwas in mir verläuft wie herrenlose Hunde. Harmlos, wenn es einer ist; im Rudel nicht zu unterschätzen, wenn du nachts, ein wenig angetrunken, zurück taumelst ins Hotel. Wir sind doch nur Touristen! Fix und fertig vom Geglotze und Gerenne durch Karnak, wo dreißig Hektar bestes Land dem Dreigestirn gewidmet sind. Drei Götter: Vater, Mutter, Kind. Klingt wie ein Märchen? Ist auch eins. Wir setzen über mit der Fähre. Erster Gruß der Macht: zwei Kolossalstatuen von Pharaonen. An ihre Beine angelehnt und knapp vor ihren Knien endend, ihre Königinnen. Scheinbar singen sie bei Regen. Mich haben sie nur angeschwiegen —السلام عليكم Wer spricht ?
Ich bin’s, Hatshepsut, die erste aller Damen, die Amun umarmt. Große Worte, klein geredet! Alle Statuen, zerschlagen. Die Kartuschen, zerstört. Mein Andenken, ausgelöscht! Na, und? Ein Herrscher geht, ein anderer kommt. Was soll das Gejammer, Schwester und du, Bruder, scherst dich einen Dreck um die Geschichte(n). Sie bedeuten dir rein gar nichts, überhaupt war alles anders, nämlich so-und-so, sagst du und auch, dass du die Mehrheit hast. Auf deiner Seite. Was soll das hier werden, Bruder? Krieg?! Höre leise Sistren rasseln. Auftritt Hathor, angesäuert. Kennst du sie, die blöde Kuh? Hat zwei Hörner auf dem Scheitel und dazwischen eine Sonne, Herrscherin der wahren Träume. Später Isis, dann Maria, Sichelmond zu ihren Füßen und der hat ja auch zwei Hörner. Blöde, blöde, blöde Kuh! Unterm Strich, Säugetiere, ganz genau wie ich und du. Sag bloß, die kennst du nicht —
Ja, ist es denn ein Wunder?
Haben Kühe ohne Hörner, trinken Milch, hocherhitzt (alle Keime abgetötet) oder gleich,
Hafermilch. Nur nichts tierisches, Herrgott! Inzwischen fährt der Master stundenlang durch die Wüste, um Kamelmilch einzukaufen. Wirkt angeblich Wunder. Wunder braucht sein kranker Sohn. Und Malak? Voll bis obenhin mit Träumen. Will die ganze Welt bereisen und so gut Koshari kochen, dass jeder Bissen, den du kostest, eine neue Welt enthält. Ich gebe sie verlässlich weiter. An den Master von Malak, von seiner (so innig geliebten) Tochter. Sag bloß, die kennst du nicht —
Das ist (für Malak), 2024
Foto: Dromedar (Camelus dromedarius) by Mostafameraji,
CC-BY SA 4.0, via Wikipedia
Das Eingangszitat (aus dem Diwan des Tarafah) ist der „Erfindung der Poesie. Gedichte aus den ersten viertausend Jahren“ von Raoul Schrott entnommen.
Karnak ist die größte Tempelanlage Ägyptens (bei Luxor) und besteht aus mehreren kleineren (später angebauten) und drei großen Tempelbezirken, die den Vertretern der göttlichen Familie (Amun-Re, Mut, Month) geweiht sind.
السلام ع ليكم As-salamu-Alaikum = Hallo (arabisch)
Koshari ist ein traditionelles ägyptisches Gericht, das wie ein wilder Eintopf daherkommt, aber von vorne bis hinten komponiert sein will (siehe Rezept). Wohl bekomm’s:)
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