Du warst

Scheherazade und der Sultan, 1880, by Ferdinand Keller, (gemeinfrei) via Wikimedia Commons

Du warst ein Rudel
wilder Hunde. Mit langer Zunge, ungeküsst,
den Schwanz zwischen den Beinen (und meinen) hast du
gesagt, wir spielen nie. Wir spielen nie, hast du gesagt! Du warst
immer fest am Boden: das ist die Wahrheit und gelogen. Dein Kuss war
eine Warnung. Ich hab’s gespürt und ignoriert; in der Wüste aus Beton mit
Abgasen und Autolärm und viel zu hellem Licht am Matzleinsdorferplatz in Wien,
hast du mich geküsst. Viel später hat die New York Times den Platz gekürt; zum
hässlichsten der Welt. Schnappen wir nach Luft? Zu Recht. Direkt dahinter, auf
Platz 2, eine Müllkippe in der Hauptstadt Indiens; auf Platz 3, ein Kohlekraftwerk
in Peking. Praktisch, Orte zu verdammen,  wo wir uns doch (immer) ganz genau
dort wiederfinden, wo alles zu uns spricht, wie kein bester Freund das kann:
ungeschönt und ohne Worte.  Ach, Matzleinsdorf! Wiederhole dieses
Wort solange, bis es seinen Sinn verliert und du, die Orientierung.
Und wozu? Einfach so, aus Spaß am Spiel! 
             Ach, Matzleinsdorf —

 

Ob es tausend Nächte waren?
Oder tausend und die eine, spielt natürlich
keine Rolle. Was zählt, sind die Geschichten. Und zum Glück
kennt Scheherazade ganz schön viele. Schau dir mal den Sultan an,
der an ihren Lippen hängt, weil er einfach wissen muss, wie’s weitergeht!
Sind wir wirklich solche Trickster, die sich hier, vom Netz gefesselt (keinem
Sultan) schier um Kopf und Kragen reden? Ich weiß nicht, wer du bist. Du warst
ein Rudel wilder Hunde. Mit langer Zunge, ungeküsst, den Schwanz zwischen den
Beinen (und meinen) hast du gesagt, wir spielen nie. Wir spielen nie, hast du
gesagt! Du warst immer fest am Boden: das ist die Wahrheit und gelogen. Was
haben wir gespielt, wir zwei! Jetzt rufst du an und lädst mich ein. Nach XY.
Und ich? Obwohl ich zu gern wüsste, wie sie ausgeht, die Geschichte,
sage ab. Nimm dafür dieses Gedicht und wiederhole es solange,
bis es seinen Sinn verliert und wir, die Orientierung.
Einfach so, aus Spaß am Spiel? Nein, danke. 
             Du warst — 

Du warst, 2024

Foto: Straydogs by Matvii Mosiahin, via istockphoto.com

Zu Scheherazade, vgl. Wikipedia.

Scheherazade und der Sultan, 1880, by Ferdinand Keller, (gemeinfrei) via Wikimedia Commons

Du warst ein Rudel
wilder Hunde. Mit langer Zunge, ungeküsst,
den Schwanz zwischen den Beinen (und meinen)
hast du gesagt, wir spielen nie. Wir spielen nie, hast du gesagt!
Du warst immer fest am Boden: das ist die Wahrheit und gelogen. Dein
Kuss war eine Warnung. Ich hab’s gespürt und ignoriert; in der Wüste aus
Beton mit Abgasen und Autolärm und viel zu hellem Licht am Matzleinsdorfer-platz in Wien, hast du mich geküsst. Viel später hat die New York Times den Platz gekürt; zum hässlichsten der Welt. Schnappen wir nach Luft? Zu Recht. Direkt dahinter, auf Platz 2, eine Müllkippe in der Hauptstadt Indiens; auf Platz 3, ein Kohlekraftwerk in Peking. Praktisch, Orte zu verdammen,  wo wir uns doch (immer) ganz genau dort wiederfinden, wo alles zu uns spricht, wie kein bester Freund das kann: ungeschönt und ohne Worte.  Ach, Matzleinsdorf! Wiederhole dieses Wort solange, bis es seinen Sinn verliert und du, 
die Orientierung. Einfach so, aus Spaß am Spiel! 
             Ach, Matzleinsdorf —

Ob es tausend Nächte waren?
Oder tausend und die eine, spielt natürlich
keine Rolle. Was zählt, sind die Geschichten und zum
Glück kennt Scheherazade ganz schön viele! Schau dir mal den
Sultan an, der an ihren Lippen hängt, weil er einfach wissen muss, wie’s weitergeht. Sind wir alle solche Trickster, die sich hier, vom Netz gefesselt (keinem Sultan) schier um Kopf und Kragen reden? Ich weiß nicht, wer du bist. 
Du warst ein Rudel wilder Hunde, mit langer Zunge, ungeküsst, den Schwanz zwischen den Beinen (und meinen) hast du gesagt, wir spielen nie. Wir spielen nie, hast du gesagt. Du warst immer fest am Boden: das ist die Wahrheit und gelogen. Was haben wir gespielt, wir zwei! Jetzt rufst du an und lädst mich ein. Nach XY. Und ich? Obwohl ich zu gern wüsste, wie sie ausgeht, die Geschichte, sage ab. Nimm dafür dieses Gedicht und wiederhole es solange,
bis es seinen Sinn verliert und wir, die Orientierung.
Einfach so, aus Spaß am Spiel? Nein, danke.
             Du warst — 

Du warst, 2024

Foto: Straydogs by Matvii Mosiahin, via istockphoto.com

Zu Scheherazade, vgl. Wikipedia.

Scheherazade und der Sultan, 1880, by Ferdinand Keller, (gemeinfrei) via Wikimedia Commons

Du warst ein Rudel wilder Hunde, mit langer Zunge, ungeküsst. Den Schwanz zwischen den Beinen (und meinen) hast du gesagt, wir spielen nie. Wir spielen nie, hast du gesagt! Du warst immer fest am Boden: das ist die Wahrheit und gelogen. Dein Kuss war eine Warnung. Ich hab’s gespürt und ignoriert; in der Wüste aus Beton mit Abgasen und Autolärm und viel zu hellem Licht am Matzleinsdorferplatz in Wien,
hast du mich geküsst. Viel später hat die New York Times den Platz gekürt; zum hässlichsten der Welt. Schnappen wir nach Luft? Zu Recht. Direkt dahinter, auf Platz 2, eine Müllkippe in der Hauptstadt Indiens; auf Platz 3, ein Kohlekraftwerk in Peking.  Praktisch, Orte zu verdammen,  wo wir uns doch (immer) ganz genau
dort wiederfinden, wo alles zu uns spricht, wie kein bester Freund das kann: ungeschönt und ohne Worte. Ach, Matzleinsdorf! Wiederhole dieses Wort solange, bis es seinen Sinn verliert und du, die Orientierung. Einfach so, aus Spaß am Spiel!  Ach, Matzleinsdorf —

Ob es tausend Nächte waren? Oder tausend und die eine, spielt natürlich keine Rolle. Was zählt, sind die Geschichten. Und zum Glück kennt Scheherazade ganz schön viele! Schau dir mal den Sultan an, der an ihren Lippen hängt, weil er einfach wissen muss, wie’s weitergeht. Sind wir wirklich alle Trickster, die sich hier, vom Netz gefesselt (keinem Sultan) schier um Kopf und Kragen reden? Ich weiß nicht, wer du bist. Du warst ein Rudel wilder Hunde. Mit langer Zunge, ungeküsst, den Schwanz zwischen den Beinen (und meinen) hast du gesagt, wir spielen nie. Wir spielen nie, hast du gesagt! Du warst immer fest am Boden: das ist die Wahrheit und gelogen. Was haben wir gespielt, wir zwei! Jetzt rufst du an und lädst mich ein. Nach XY. Und ich? Obwohl ich zu gern wüsste, wie sie ausgeht, die Geschichte, sage ab. Nimm dafür dieses Gedicht und wiederhole es solange, bis es seinen Sinn verliert und wir, die Orientierung. Einfach so, aus Spaß am Spiel? Nein, danke. Du warst — 

Du warst, 2024

Foto: Straydogs by Matvii Mosiahin, via istockphoto.com

Zu Scheherazade, vgl. Wikipedia.