Sie sagen, wir sind

Henrietta Swan Leavitt (1868 – 1921), gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Sie sagen, wir sind Sternenstaub,
aus sterbenden Sonnen herausgeschleudert,
in einen Raum, der sich bis heute vor Schmerzen krümmt.
Und stimmt es nicht, dass da von Anfang an ein Feuer war? Im Krieg,
am Kind- , am Totenbett? Entzündet es nicht Zigaretten, letzte, und auch
die danach? Hilft es nicht beim Frieden schließen? Und beim Kartieren, bis
dahin unendlich vieler Sterne? Wir zählen sie, ungelogen, für fünfundzwanzig
Cent 
pro Stunde und wir lieben es. Magellansche Wolken? Mehl, verstreut auf
Arbeitsflächen, schwarz auf weiß, nur umgekehrt. Die Cepheiden? Veränderlich,
wie Frauen vor der Monatsblutung. Standardkerzen? Sicher! Nicht nur auf Geburtstagstorten. Damals, fern wie Sterne, ein Teleskop für Miss Leavitt.
Lieber gleich dorthin verreisen, wo große Teleskope stehen. Immerhin
verreisen Sterne, tausendfach gebannt (auf Glas), überall dorthin,
wo Arbeitskräfte billig und vorhanden sind. Miss Leavitt steht
schon bereit, den Kopf (typisch) schräg geneigt, weil sie
so schlecht hören kann. Aber Sterne sprechen Licht,
             da und dort, pulsierend —


Unser Blick zurück sei
niemals ohne Nachsicht, besser nur
nach vorn gerichtet. Siehst du, diese Lichterschlangen?
Sie kriechen in die letzte Talschaft, wo sie sich zusammenballen und
(spiralig rotierend) wieder verlieren, ins immer dichter gesprenkelte Land.
Schwarz 
sind nur Wälder und Meere, wo Frachter kometengleich Spuren ziehen, durch leuchtende Planktonwolken. Sie sagen, wir sind Sternenstaub.
             Was weiß ich? Wir leuchten —

Sie sagen, wir sind, 2017/23

foto: Tarantula Nebel in der großen Magellanschen Wolke, NASA, via www.nasa.gov

Der Text bezieht sich auf die US-amerikanische Astronomin Henrietta Swan Leavitt (1868-1921), die als eine von mehreren weiblichen „Computern“ am Harvard College Observatory beschäftigt war, um Fotoplatten von Sternen auszuwerten. Als Entdeckerin der Perioden-Leuchtkraft Beziehung (beim Sterntypus der Cepheiden) hat Leavitt die Grundlagen für die Vermessung des Universums gelegt. Vgl. George Johnson, Miss Leavitt’s Stars, W.W.Norton & Company, 2006

Henrietta Swan Leavitt (1868 – 1921), gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Sie sagen, wir sind Sternenstaub,
aus sterbenden Sonnen herausgeschleudert 
in einen Raum, der sich bis heute vor Schmerzen krümmt.
Und stimmt es nicht, dass da von Anfang an ein Feuer war? Im Krieg,
am Kind- , am Totenbett? Entzündet es nicht Zigaretten, letzte, und auch
die danach? Hilft es nicht beim Frieden schließen? Beim Kartieren bis
dahin unendlich vieler Sterne? Wir zählen sie für fünfundzwanzig Cent
pro Stunde und wir lieben es. Magellansche Wolken? Mehl, verstreut
auf Arbeitsflächen, schwarz auf weiß, nur umgekehrt. Die Cepheiden? Veränderlich, wie Frauen vor der Monatsblutung. Standardkerzen?
Sicher! Nicht nur auf Geburtstagstorten. Aber damals, fern wie Sterne,
ein Teleskop für Miss Leavitt. Lieber gleich dorthin verreisen, wo große Teleskope stehen. Immerhin verreisen Sterne, tausendfach gebannt (auf Glas), überall dorthin, wo Arbeitskräfte billig und vorhanden sind. Miss Leavitt steht schon bereit, den Kopf (typisch) schräg geneigt,
weil sie so schlecht hören kann. Aber Sterne sprechen
             sprechen Licht, da und dort pulsierend —

 

Unser Blick zurück sei
niemals ohne Nachsicht, besser nur nach vorn
gerichtet. Siehst du, diese Lichterschlangen? Sie kriechen in
die letzte Talschaft, wo sie sich zusammenballen und (spiralig rotierend) wieder verlieren, ins immer dichter gesprenkelte Land. Schwarz sind nur Wälder und Meere, wo Frachter kometengleich Spuren ziehen, durch leuchtende 
Planktonwolken. Sie sagen, wir sind Sternenstaub.
             Was weiß denn ich? Wir leuchten —

Sie sagen, wir sind, 2017/23

foto: Tarantula Nebel in der großen Magellanschen Wolke, NASA, via www.nasa.gov

Der Text bezieht sich auf die US-amerikanische Astronomin Henrietta Swan Leavitt (1868-1921), die als eine von mehreren weiblichen „Computern“ am Harvard College Observatory beschäftigt war, um Fotoplatten von Sternen auszuwerten. Als Entdeckerin der Perioden-Leuchtkraft Beziehung (beim Sterntypus der Cepheiden) hat Leavitt die Grundlagen für die Vermessung des Universums gelegt. Vgl. George Johnson, Miss Leavitt’s Stars, W.W.Norton & Company, 2006

Henrietta Swan Leavitt (1868 – 1921), gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Sie sagen, wir sind Sternenstaub, aus sterbenden Sonnen herausgeschleudert, in einen Raum, der sich bis heute vor Schmerzen krümmt. Und stimmt es nicht, dass da von Anfang an ein Feuer war? Im Krieg, am Kind-, am Totenbett? Entzündet es nicht Zigaretten, letzte, und auch die danach? Hilft es nicht beim Frieden schließen? Beim Kartieren, bis dahin unendlich vieler Sterne? Wir zählen sie, ungelogen, für fünfundzwanzig Cent pro

Stunde und wir lieben es. Magellansche Wolken? Mehl, verstreut auf Arbeitsflächen, schwarz auf weiß, nur umgekehrt. Die Cepheiden? Veränderlich, wie Frauen vor der Monatsblutung. Standardkerzen? Sicher! Nicht nur auf Geburtstagstorten. Aber damals, fern wie Sterne, ein Teleskop für Miss Leavitt. Lieber gleich dorthin verreisen, wo große Teleskope stehen. Immerhin verreisen Sterne, tausendfach gebannt (auf Glas), überall dorthin, wo Arbeitskräfte billig und vorhanden sind. Miss Leavitt steht schon bereit, den Kopf (typisch) schräg geneigt, weil sie so schlecht hören kann. Aber Sterne sprechen Licht, da und dort, pulsierend —

 

Unser Blick zurück sei niemals ohne Nachsicht, besser nur nach vorn gerichtet. Siehst du, diese Lichterschlangen? Sie kriechen in die letzte Talschaft, wo sie sich zusammenballen und (spiralig rotierend) wieder verlieren, ins immer dichter gesprenkelte Land. Schwarz sind nur Wälder und Meere, wo Frachter kometengleich Spuren ziehen, durch leuchtende Planktonwolken. Sie sagen, wir sind Sternenstaub. Was weiß denn ich? Wir leuchten —

Sie sagen, wir sind, 2017/23

foto: Tarantula Nebel in der großen Magellanschen Wolke am südlichen Sternenhimmel, NASA, via www.nasa.gov

Der Text bezieht sich auf die US-amerikanische Astronomin Henrietta Swan Leavitt (1868-1921), die als eine von mehreren weiblichen „Computern“ am Harvard College Observatory beschäftigt war, um Fotoplatten von Sternen auszuwerten. Als Entdeckerin der Perioden-Leuchtkraft Beziehung (beim Sterntypus der Cepheiden) hat Leavitt die Grundlagen für die Vermessung des Universums gelegt. Vgl. George Johnson, Miss Leavitt’s Stars, W.W.Norton & Company, 2006