Oskar (zwei-drei-null)

Waldrapp Oskar (Geronticus eremita) auf Kurzbesuch in Dornbirn, am 8. Mai 2022, eigenes Bild

Im freien Fall durch Zeit und Raum
und wider die Wahrscheinlichkeit nach Europa
heimgeholt, der sagenhafte Waldrapp. Nach seiner ersten
Alpenquerung landet Oskar (zwei-drei-null) im Rheintal, klopft mit
seinem langen Schnabel freundlich gegen Fensterscheiben, als ob er
einen Artgenossen nach Waldrapp-Art begrüßen will. Eine Waldrapp-Rettungs-
kette wird sofort in Gang gesetzt. Zwei-drei-null wird abholt, uns wird erklärt, er
habe dieses (grau verschalte) Haus als Felswand angesehen, wo Waldrappe
schon immer brüten, wenn sie nicht ausgestorben wären. Zwei-drei-null wird in
die Kolonie gebr
acht, ein Weibchen wird ihm zugeführt. Ob es die große Liebe
war? Im November taucht der Vogel ganz allein am Rheindamm auf, flankiert
von einem Krähen-Paar,
das den geschopften Neuankömmling ganz genau
ins Auge fasst. Sein Sender informiert, dass Zwei-
drei-null die Kolonie
gerade erst verlassen hat. Er sollte bald zu seinen Artgenossen in
der Schweiz aufschließen und die Alpen überqueren, so wie
er und seinesgleichen das gezeigt bekommen,
            von Zieheltern
im Leichtflugzeug  —


Zwei-drei-null hat keine Eile.
Er sitzt auf einer Straßenlampe, beide Flügel
ausgespannt
zum Sonnenbad. Was gehen ihn unsere Pläne an?
Was, unsere Sehnsucht nach
dem Urzustand (was immer das auch ist) ?
Dass z
u den zahlreichen Sponsoren, die das alles möglich machen, die deutsche Lotterie gehört, darf durchaus als Geniestreich gelten.
             (
Göttliche Ironie.)

Oskar (zwei-drei-null), 2022

foto: Projekt LIFE Northern Bald Ibis, Waldrapp Team Conservation & Research, via www.waldrapp.eu

Seit ca. 20 Jahren laufen Projekte zur Wiederansiedlung des Waldrapps in den Alpen als eigenständige Migrationspopulation. Die Waldrappe stammen aus verschiedenen Zoos und gehen ihrerseits auf die letzten stationär lebenden Wildbestände in Marokko zurück. (Quelle: Anita Albus, Von seltenen Vögeln, Frankfurt am Main 2005).

Über die Animal Tracker App der Max Planck Gesellschaft kann jede(r) den Standort besenderter Tiere mitverfolgen und durch eigene Beobachtungen oder Bildbelege zur Interpretation der Bewegungsdaten beitragen.

Waldrapp Oskar (Geronticus eremita) auf Kurzbesuch in Dornbirn, am 8. Mai 2022, eigenes Bild

Im freien Fall durch
Zeit und Raum und wider die
Wahrscheinlichkeit nach Europa heimgeholt,
der sagenhafte Waldrapp. Nach seiner ersten Alpenquerung
landet Oskar (zwei-drei-null) im Rheintal, klopft mit seinem langen
Schnabel freundlich gegen Fensterscheiben, als ob er einen Artgenossen nach Waldrapp-Art begrüßen will. Eine Waldrapp-Rettungskette wird
sofort in Gang gesetzt. Zwei-drei-null wird abholt, uns wird erklärt,
er habe dieses (grau verschalte) Haus als Felswand angesehen,
wo Waldrappe schon immer brüten, wenn sie
             nicht ausgestorben wären —

Zwei-drei-null wird
in die Kolonie gebr
acht, ein Weibchen
wird ihm zugeführt. Ob es die große Liebe war?
Im November taucht der Vogel ganz allein am Rheindamm auf,
flankiert von einem Krähen-Paar,
das den geschopften Neu-Ankömmling ganz genau ins Auge fasst. Sein Sender informiert, dass Zwei-drei-null die Kolonie gerade erst verlassen hat. Er sollte bald zu seinen Artgenossen
in der Schweiz aufschließen und die Alpen überqueren, so wie er
und seinesgleichen das gezeigt bekommen, von
            Zieheltern
im Leichtflugzeug  —


Zwei-drei-null hat
keine Eile. Er sitzt auf einer Straßenlampe,
beide Flügel ausgespannt zum Sonnenbad. Was gehen ihn
unsere Pläne an? Was, unsere Sehnsucht nach dem Urzustand (was
immer das auch ist)? Dass z
u den zahlreichen Sponsoren, die
das alles möglich machen, 
die deutsche Lotterie gehört,
kann durchaus als Geniestreich gelten.            
             (
Göttliche Ironie.)

Oskar (zwei-drei-null), 2022

foto: Projekt LIFE Northern Bald Ibis, Waldrapp Team Conservation & Research, via www.waldrapp.eu

Seit ca. 20 Jahren laufen Projekte zur Wiederansiedlung des Waldrapps in den Alpen als eigenständige Migrationspopulation. Die Waldrappe stammen aus verschiedenen Zoos und gehen auf die letzten stationär lebenden Wildbestände Marokkos zurück. (Quelle: Anita Albus, Von seltenen Vögeln, Frankfurt am Main 2005)

Über die Animal Tracker App der Max Planck Gesellschaft kann jede(r) den Standort besenderter Tiere mitverfolgen und durch eigene Beobachtungen oder Bildbelege zur Interpretation der Bewegungsdaten beitragen.

Waldrapp Oskar (Geronticus eremita) auf Kurzbesuch in Dornbirn, am 8. Mai 2022, eigenes Bild

Im freien Fall durch Zeit und Raum und wider die Wahrscheinlichkeit nach Europa heimgeholt, der sagenhafte Waldrapp. Nach seiner ersten Alpen-Querung landet Oskar (zwei-drei-null) im Rheintal, klopft mit seinem langen Schnabel freundlich gegen Fensterscheiben, als ob er einen Artgenossen nach Waldrapp-Art
begrüßen will. Eine Waldrapp-Rettungskette wird sofort in Gang gesetzt. Zwei-drei-null wird abholt, uns wird erklärt, er habe dieses (grau verschalte) Haus als Felswand angesehen, wo Waldrappe schon immer brüten, wenn sie nicht ausgestorben wären. Zwei-drei-null wird in die Kolonie gebr
acht, ein Weibchen wird ihm zugeführt. Ob es die große Liebe war? Im November taucht der Vogel ganz allein am Rheindamm auf, flankiert von einem Krähen-Paar, das den geschopften Neuankömmling ganz genau ins Auge fasst. Sein Sender informiert, dass Zwei-drei-null die Kolonie gerade erst verlassen hat. Er sollte bald zu seinen Artgenossen in der Schweiz aufschließen und die Alpen überqueren, so wie er und seinesgleichen das gezeigt bekommen, von Zieheltern im Leichtflugzeug  —


Zwei-drei-null hat keine Eile.
Er sitzt auf einer Straßenlampe, beide Flügel ausgespannt zum Sonnenbad. Was gehen ihn unsere Pläne an? Was, unsere Sehnsucht nach dem Urzustand (was immer das auch ist) ? Dass z
u den zahlreichen Sponsoren, die das alles möglich machen, die deutsche Lotterie gehört, darf durchaus als Geniestreich gelten. (Göttliche Ironie.)

Oskar (zwei-drei-null), 2022

foto: Projekt LIFE Northern Bald Ibis, Waldrapp Team Conservation & Research, via www.waldrapp.eu

Seit ca. 20 Jahren laufen Projekte zur Wiederansiedlung des Waldrapps in den Alpen als eigenständige Migrationspopulation. Die Waldrappe stammen aus verschiedenen Zoos und gehen auf die letzten stationär lebenden Wildbestände Marokkos zurück. (Quelle: Anita Albus, Von seltenen Vögeln, Frankfurt am Main 2005)

Über die Animal Tracker App der Max Planck Gesellschaft kann jede(r) den Standort besenderter Tiere mitverfolgen und durch eigene Beobachtungen oder Bildbelege zur Interpretation der Bewegungsdaten beitragen.