JMWT (kann sein)

Bregenz from the Gebhardsberg, 1840 Joseph Mallord William Turner, via Tate Gallery

Kann sein, dass Joseph Mallord
William Turner mit Stock und Hut und Regenschirm
am Gebhardsberg gestanden hat und dort oben nichts vermisst hat. 
Erst recht nicht Bäume, die den Blick verstellen, den der Maler immer wieder
in sein Reiseheft skizziert (mit der Burg am Felsvorsprung). Der Meister schwitzt (es
war ja Sommer), es beliebt ihm auszuruhen, im Dämmerschatten einer
Buche, die ihm jenes Licht verschafft,  das er über alles liebt,
             weil tausendfach gebrochen und gestreut —

 

Heute sind dort nur mehr Stümpfe;
eine Horde Elefanten, bis auf die Füße abgesägt, mit dunklen

Strömen auf der Haut (als ob Elefanten weinten). In der Sonne ausgesetzt,
die Buchen-Brut; von einem auf den andern Tag vom großen Stoffstrom abgetrennt,
als hätte man von jetzt auf gleich die Rheintalautobahn gesprengt und mit ihr gleich
alle Waren, die wir brauchen oder mehr zu brauchen glauben so wie Holz,
            
das langsam wächst und schnell verbrennt* —

 

Kann sein, dass wir irgendwann,
irgendwo eine zweite Buche
finden, die ein Meister

einfach so und zur Erinnerung an jenes ungreifbare Licht signiert, als wäre es
             das eigentliche Meisterwerk, kann sein —

JMWT (kann sein), 2022                          foto: Buchenstumpf, Gebhardsberg, April 2022

Auf dem Weg nach Venedig hat der berühmte englische Maler William Turner auch am Bodensee Station gemacht und den Gebhardsberg besucht. Sollte er dort, wie so viele Wanderer vor und nach ihm, keine Spuren hinterlassen haben? Kein Baum wäre dafür besser geeignet wie die Buche. Beim jüngsten Kahlschlag am Gebhardsberg wurden (neben vielen kranken Eschen) auch zahlreiche gesunde Buchen gefällt, weil sie angeblich überaltert waren.

*Wie klimaneutral kann der Rohstoff Holz sein, wenn wir lebenstüchtige Bäume regelrecht verheizen? 500 Wissenschafter haben 2021 einen offenen Brief zum Thema „Bioenergie“ an die Regierungen der Welt verfasst. Hier die deutsche Übersetzung.

Bregenz from the Gebhardsberg, 1840 Joseph Mallord William Turner, via Tate Gallery

Kann sein, dass Joseph Mallord
William Turner mit Stock und Hut und Regenschirm
am Gebhardsberg gestanden hat und dort oben nichts vermisst hat.  
Erst recht nicht Bäume, die den Blick verstellen, den der Maler immer wieder
in sein Reiseheft skizziert (mit der Burg am Felsvorsprung). Der Meister schwitzt (es war ja Sommer), es beliebt ihm auszuruhen, im Dämmerschatten einer
Buche, die ihm jenes Licht verschafft,  das er über alles liebt,
             weil tausendfach gebrochen und gestreut —

 

Heute sind dort nur mehr Stümpfe;
eine Horde Elefanten, bis auf die Füße abgesägt,
mit dunklen
Strömen auf der Haut (als ob Elefanten weinten).
In der Sonne ausgesetzt,
die Buchen-Brut; von einem auf den andern
Tag vom großen Stoffstrom abgetrennt, als hätte man von jetzt auf gleich
die Rheintalautobahn gesprengt und mit ihr gleich alle Waren, die
wir brauchen oder mehr zu brauchen glauben so wie Holz,
             das langsam
wächst und schnell verbrennt* —

 

Kann sein, dass wir irgendwann,
irgendwo eine zweite Buche
finden, die ein Meister
einfach so und
zur Erinnerung an jenes ungreifbare Licht signiert, als wäre es
             das eigentliche Meisterwerk, kann sein —

JMWT (kann sein), 2022                         

foto: Buchenstumpf, Gebhardsberg, April 2022

Auf dem Weg nach Venedig hat der berühmte englische Maler William Turner auch am Bodensee Station gemacht und den Gebhardsberg besucht. Sollte er dort, wie so viele Wanderer vor und nach ihm, keine Spuren hinterlassen haben? Kein Baum wäre dafür besser geeignet wie die Buche. Beim jüngsten Kahlschlag am Gebhardsberg wurden (neben vielen kranken Eschen) auch zahlreiche gesunde Buchen gefällt, weil sie angeblich überaltert waren.

*Wie klimaneutral kann der Rohstoff Holz sein, wenn wir lebenstüchtige Bäume regelrecht verheizen? 500 Wissenschafter haben 2021 einen offenen Brief zum Thema „Bioenergie“ an die Regierungen der Welt verfasst. Hier die deutsche Übersetzung.

Bregenz from the Gebhardsberg, 1840 Joseph Mallord William Turner, via Tate Gallery

Kann sein, dass Joseph Mallord
William Turner mit Stock und Hut und Regenschirm am Gebhardsberg gestanden hat und dort oben nichts vermisst hat. Erst recht nicht Bäume, die den Blick verstellen, den der Maler immer wieder in sein Reiseheft skizziert (mit der Burg am Felsvorsprung). Der Meister schwitzt (es war ja Sommer); es beliebt ihm auszuruhen, im Dämmerschatten einer Buche, die ihm jenes Licht verschafft,  das er über alles liebt, weil tausendfach gebrochen und gestreut —

 

Heute sind dort nur mehr Stümpfe;
eine Horde Elefanten, bis auf die Füße abgesägt, mit dunklen

Strömen auf der Haut (als ob Elefanten weinten). In der Sonne ausgesetzt, die Buchen-Brut; von einem auf den andern Tag vom großen Stoffstrom abgetrennt,
als hätte man von jetzt auf gleich die Rheintalautobahn gesprengt und mit ihr gleich alle Waren, die wir brauchen oder mehr zu brauchen glauben so wie Holz,
das langsam wächst und schnell verbrennt* —

 

Kann sein, dass wir irgendwann,
irgendwo eine zweite Buche
finden, die ein Meister einfach so und zur Erinnerung an jenes ungreifbare Licht signiert, als wäre es das eigentliche Meisterwerk, kann sein —

JMWT (kann sein), 2022                         

foto: Buchenstumpf, Gebhardsberg, April 2022

Auf dem Weg nach Venedig hat der berühmte englische Maler William Turner auch am Bodensee Station gemacht und den Gebhardsberg besucht. Sollte er dort, wie so viele Wanderer vor und nach ihm, keine Spuren hinterlassen haben? Kein Baum wäre dafür besser geeignet wie die Buche. Beim jüngsten Kahlschlag am Gebhardsberg wurden (neben vielen kranken Eschen) auch zahlreiche gesunde Buchen gefällt, weil sie angeblich überaltert waren.

*Wie klimaneutral kann der Rohstoff Holz sein, wenn wir lebenstüchtige Bäume regelrecht verheizen? 500 Wissenschafter haben 2021 zum Thema „Bioenergie“ einen offenen Brief an die Regierungen der Welt verfasst. Hier die deutsche Übersetzung.