
Ich verstehe Bilderstürmer
und ich verstehe sie nicht. Immer wieder
sind es Bilder, flüchtig oder tief verwurzelt, wie die mächtige
Platane im gebuckelten Asphalt. Kein Schatten ist uns so willkommen,
sprach vor langer Zeit ein König (auf dem Weg in einen Krieg) und beschenkte
einen Baum überreich mit Gold.* Den Krieg verlor er doch. Und seine Königin?
War inzwischen alt geworden. Nicht zu verbergendes Zittern beim Sichten der Münzen an der Supermarkt-Kasse. Wir riskieren einen Blick in ihr Gesicht: uraltes Vogelei, behutsam in ein Kopftuch gebunden. Vorsichtig, nicht drängeln! Geduldig
in der Schlange stehen. Sie reicht unendlich weit zurück. Bilder, brechend schwer behangen; kiloweise Schmuck zum Dank oder als Vorauszahlung. Traumverloren
in der Schlange; sehen (mit geschlossenen Augen) Menschen auf die Knie
gehen. Vor dem Bild, Hand zum Mund, Hand zum Bild, Hand zum Herzen,
immer wieder, bis wir selber vorne stehen, Schwerkraft uns
herunterzieht (auf die samtbespannte Bank) und
der klare Blick verschwimmt —
Nichts wie weg!
Dagegenstemmen (gegen viel zu schwere
Türen, wachsende Ohnmachtsgefühle). Draußen reichlich Sauerstoff
beim Anblick alter Platanen. Ich verstehe Bilderstürmer
und ich verstehe sie nicht —
Bilderstürmer, 2021/22
Foto: Ikonostase, St. Nikolaus Kathedrale, Wien, by Bwag, via Wikimedia Commons
*vom persischen Großkönig Xerxes berichtet Herodot, dass er auf seinem Feldzug gegen die Griechen eine besonders stattliche Platane ehrt, indem er sie reich mit Gold beschenkt und Soldaten eigens zu ihrem Schutz abstellt. Die Legende lebt in der Anfangsarie der Oper „Xerxes“ von Georg Friedrich Händel weiter, in der Xerxes den Schatten einer Platane besingt (Ombra mai fù).

Ich verstehe Bilderstürmer
und ich verstehe sie nicht. Immer wieder
sind es Bilder; flüchtig oder tief verwurzelt wie die
mächtige Platane im gebuckelten Asphalt. Kein Schatten
ist uns so willkommen, sprach vor langer Zeit ein König (auf dem
Weg in einen Krieg) und beschenkte einen Baum überreich mit Gold.
Den Krieg verlor er doch. Und seine Königin? War inzwischen alt
geworden. Nicht zu verbergendes Zittern beim Sichten der Münzen
an der Supermarkt-Kasse. Wir riskieren einen Blick in ihr Gesicht:
uraltes Vogelei, behutsam in ein Kopftuch gebunden. Vorsichtig,
nicht drängeln! Geduldig in der Schlange stehen.
Sie reicht unendlich weit zurück —
Bilder, brechend schwer
behangen; kiloweise Schmuck zum Dank
oder als Vorauszahlung. Traumverloren in der Schlange;
sehen (mit geschlossenen Augen) Menschen auf die Knie gehen;
Vor dem Bild, Hand zum Mund, Hand zum Bild, Hand zum Herzen,
immer wieder, bis wir selber vorne stehen; Schwerkraft uns
herunterzieht (auf die samtbespannte Bank) und
der klare Blick verschwimmt —
Nichts wie weg!
Dagegenstemmen (gegen viel zu schwere
Türen, Schwindel). Draußen reichlich Sauerstoff beim Anblick
alter Platanen! Ich verstehe Bilderstürmer und
ich verstehe sie nicht —
Bilderstürmer, 2021/22
Foto: Ikonostase, St. Nikolaus Kathedrale, Wien, by Bwag, via Wikimedia Commons
* vom persischen Großkönig Xerxes berichtet Herodot, dass er auf seinem Feldzug gegen die Griechen eine besonders stattliche Platane ehrt, indem er sie reich mit Gold beschenkt und einen Unsterblichen/Soldaten eigens zu ihrem Schutz abstellt. Die Legende lebt in der berühmten Anfangsarie der Oper „Xerxes“ von Georg Friedrich Händel weiter, in der Xerxes den Schatten einer Platane besingt (Ombra mai fù).

Ich verstehe Bilderstürmer und ich verstehe sie nicht. Immer wieder sind es Bilder; flüchtig oder tief verwurzelt wie die mächtige Platane im gebuckelten Asphalt. Kein Schatten ist uns so willkommen, sprach vor langer Zeit ein König (auf dem Weg in einen Krieg) und beschenkte einen Baum überreich mit Gold.* Den Krieg verlor er doch. Und seine Königin? War inzwischen alt geworden. Nicht zu verbergendes Zittern beim Sichten der Münzen an der Supermarkt-Kasse. Wir riskieren einen Blick in ihr Gesicht: uraltes Vogelei, behutsam in ein
Kopftuch gebunden. Vorsichtig, nicht drängeln! Geduldig in der Schlange stehen; sie reicht unendlich weit zurück —
Bilder, brechend schwer behangen; kiloweise Schmuck zum Dank oder als Vorauszahlung. Traumverloren in der Schlange; sehen (mit geschlossenen Augen) Menschen auf die Knie gehen; Vor dem Bild, Hand zum Mund, Hand zum Bild, Hand zum Herzen, immer wieder, bis wir selber vorne stehen, Schwerkraft uns herunterzieht (auf die samtbespannte Bank) und der klare Blick verschwimmt —Nichts wie weg! Dagegenstemmen (gegen viel zu schwere Türen, wachsende Ohnmachtsgefühle). Draußen reichlich Sauerstoff beim Anblick
alter Platanen! Ich verstehe Bilderstürmer und ich verstehe sie nicht —
Bilderstürmer, 2021/22
Foto: Ikonostase, St. Nikolaus Kathedrale, Wien, by Bwag, via Wikimedia Commons
* vom persischen Großkönig Xerxes berichtet Herodot, dass er auf seinem Feldzug gegen die Griechen eine besonders stattliche Platane ehrt, indem er sie reich mit Gold beschenkt und einen Unsterblichen/Soldaten eigens zu ihrem Schutz abstellt. Die Legende lebt in der berühmten Anfangsarie der Oper „Xerxes“ von Georg Friedrich Händel weiter, in der Xerxes den Schatten einer Platane besingt (Ombra mai fù).
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