Wiedergänger

Jerusalem (Leaning against the pillars…), Plate 32, William Blake, 1804, Public Domain, via Wikimedia Commons

Zugegeben, diese lange Winterzeit
macht mir (und ihm) zu schaffen. Nicht, dass wir frieren,
tragen wir doch beide Pelz (er, Kanin-, ich, mein Katzenfell), aber mehr
und mehr Gespenster lösen sich heraus wie Motten. Zum Licht, zum Licht! (solange
Mr. Blake sich Kerzen oder Walfischöl noch leisten kann) O mieser, fieser Fischgeruch! Verzückt verziehen wir die Nasen, Augen zu, zusammenrollen (wir sind meisterliche Träumer), dann klart die Iris wieder auf, ein leuchtender Gedanke, ein genialer
Einfall, Ausfall mit gesträubtem Fell, zum Fenster hin, darin —
             die schwarze Geisterkatze!

 

Haben wir sie eingeladen?
Sie fordert ihren Teil von allem, Milch und Mäuse
und ein Stück vom wärmsten Schoß der kinderlosen Mrs. Blake.
Wir buckeln, fauchen, drohen (höllisch). Sie zieht uns beide sanft zu sich, krault
unser Allerheiligstes, bis wir alle beide schnurren. Später drehn wir eine Runde um das rußgeschwärzte Haus. Der Feind zeigt sich natürlich nicht. Als Rauch verzieht er sich
in Ritzen, als Ratte zu den Skinners. In Felpham hat er sich erfrecht, ein rosiges Gesicht
zu tragen (das, von Hayley, dem Mäzen), aber der kann uns nichts. Wie dicht
die Geister auch zusammenstehen, wir gehen durch sie hindurch,
             Blake flüstert, nach Jerusalem — 

 

Kein Ort, kein Land, ein Umsturz,
aber wen kümmert das? Die Mäuse sind kaputt
gespielt und vor Zeiten aufgefressen. Nur Galle bleibt am Teppich liegen.
Mister Blake bückt sich (ächzend). Es fehlt ihm an Geschmeidigkeit. Trotzdem will er
bald verreisen. Sein Ziel steht fest. Sollen wir ihn gehen lassen? Er ist Blake!
Er könnte als Gott-weiß-was wiederkommen. 
             Immer wieder und wieder —

Wiedergänger (another tribute to William Blake), 2023

foto: Johnny Depp als William Blake (in: Dead Man by Jim Jarmusch, 1995), Screenshot mit Katze, eigenes Bild, 2023

William Blake’s Gedicht Jerusalem (aus: Milton, A Poem) wurde später vertont und gilt heute als inoffizielle Nationalhymne Englands, obwohl Blake’s Jerusalem (The Emanation of the Giant Albion) auf nichts weniger abzielt, als auf eine Neuausrichtung der Gesellschaft durch Revolution. Vgl. John Higgs, Blake vs the World, W&N 2021

An der Stelle ein herzliches Dankeschön an Grinsekatz für die passende Musik zum Blake-Text („velvet moths will keep us warm…“) Eine Katze grüßt die andere!

Jerusalem (Leaning against the pillars…), Plate 32, William Blake, 1804, Public Domain, via Wikimedia Commons

Zugegeben, diese lange Winterzeit
macht mir (und ihm) zu schaffen. Nicht, dass wir
frieren, tragen wir doch beide Pelz (er, Kanin-, ich, mein Katzenfell),
aber mehr und mehr Gespenster lösen sich heraus wie Motten. Zum Licht,
zum Licht! (solange Mr. Blake sich Kerzen oder Walfischöl noch leisten kann)
O mieser, fieser Fischgeruch! Verzückt verziehen wir die Nasen, Augen zu,

zusammenrollen (wir sind meisterliche Träumer), dann klart die Iris
wieder auf, ein leuchtender Gedanke, ein genialer Einfall, Ausfall

mit gesträubtem Fell, zum Fenster hin, darin —
             die schwarze Geisterkatze!

 

Haben wir sie eingeladen? Sie fordert
ihren Teil von allem, Milch und Mäuse und ein Stück
vom wärmsten Schoß der kinderlosen Mrs. Blake. Wir buckeln,
fauchen, drohen (höllisch). Sie zieht uns beide sanft zu sich, krault unser Allerheiligstes, bis wir alle beide schnurren. Später drehn wir eine Runde um
das rußgeschwärzte Haus. Der Feind zeigt sich natürlich nicht. Als Rauch verzieht er sich in Ritzen, als Ratte zu den Skinners. In Felpham hat er sich erfrecht, ein rosiges Gesicht zu tragen (das, von Hayley, dem Mäzen), aber der kann uns nichts! Wie dicht die Geister auch zusammenstehen, wir gehen durch sie hindurch,
              Blake flüstert, nach Jerusalem — 

 

Kein Ort, kein Land, ein Umsturz,
aber wen kümmert das? Die Mäuse sind kaputt
gespielt und vor Zeiten aufgefressen. Nur Galle bleibt am Teppich liegen.
Mister Blake bückt sich (ächzend). Es fehlt ihm an Geschmeidigkeit. Trotzdem
will er bald verreisen. Sein Ziel steht fest. Sollen wir ihn gehen lassen?
Er ist Blake! Er könnte als Gott-weiß-was wiederkommen.
             Immer wieder und wieder —

Wiedergänger (another tribute to William Blake), 2023

foto: Johnny Depp als William Blake (in: Dead Man by Jim Jarmusch, 1995), Screenshot mit Katze, eigenes Bild, 2023

William Blake’s Gedicht Jerusalem (aus: Milton, A Poem) wurde später vertont und gilt heute als inoffizielle Nationalhymne Englands, obwohl Blake’s neues Jerusalem (The Emanation of the Giant Albion) auf nichts weniger abzielt, als auf eine Neuausrichtung der Gesellschaft durch Revolution. Vgl. John Higgs, Blake vs the World, W&N 2021

An der Stelle ein herzliches Dankeschön an Grinsekatz für die passende Musik („velvet moths will keep us warm“) zum Blake-Text. Eine Katze grüßt die andere!

Jerusalem (Leaning against the pillars…), Plate 32, William Blake, 1804, Public Domain, via Wikimedia Commons

Zugegeben, diese lange Winterzeit
macht mir (und ihm) zu schaffen. Nicht, dass wir frieren, tragen wir doch beide Pelz (er, Kanin-, ich, mein Katzenfell), aber mehr und mehr Gespenster lösen sich heraus wie Motten. Zum Licht, zum Licht! (solange Mr. Blake sich Kerzen oder Walfischöl noch leisten kann) O mieser, fieser Fischgeruch! Verzückt verziehen wir die Nasen, Augen zu, zusammenrollen (wir sind meisterliche Träumer), dann klart die Iris wieder auf, ein leuchtender Gedanke, ein genialer Einfall, Ausfall mit gesträubtem Fell, zum Fenster hin, darin, die schwarze Geisterkatze —

Haben wir sie eingeladen? Sie fordert ihren Teil von allem, Milch und Mäuse und ein Stück vom wärmsten Schoß der kinderlosen Mrs. Blake! Wir buckeln, fauchen, drohen (höllisch). Sie zieht uns beide sanft zu sich, krault unser Allerheiligstes, bis wir alle beide schnurren. Später drehn wir eine Runde um das rußgeschwärzte Haus. Der Feind zeigt sich natürlich nicht. Als Rauch verzieht er sich in Ritzen, als Ratte zu den Skinners. In Felpham hat er sich erfrecht, ein rosiges Gesicht zu tragen (das, von Hayley, dem Mäzen), aber der kann uns nichts. Wie dicht die Geister auch zusammenstehen, wir gehen durch sie hindurch, Blake flüstert, nach Jerusalem — 

 

Kein Ort, kein Land, ein Umsturz,
aber wen kümmert das? Die Mäuse sind kaputt gespielt und vor Zeiten aufgefressen. Nur Galle bleibt am Teppich liegen. Mister Blake bückt sich ächzend. Es fehlt ihm an Geschmeidigkeit. Trotzdem will er bald verreisen. Sein Ziel steht fest. Sollen wir ihn gehen lassen? Er ist Blake! Er könnte als Gott-weiß-was wiederkommen. Immer wieder und wieder —

Wiedergänger (another tribute to William Blake), 2023

foto: Johnny Depp als William Blake (in: Dead Man by Jim Jarmusch, 1995), Screenshot mit Katze, eigenes Bild, 2023

William Blake’s Gedicht Jerusalem (aus: Milton, A Poem) wurde später vertont und gilt heute als inoffizielle Nationalhymne Englands, obwohl Blake’s neues Jerusalem (The Emanation of the Giant Albion) auf nichts weniger abzielt, als auf eine Neuausrichtung der Gesellschaft durch Revolution. Vgl. John Higgs, Blake vs the World, W&N 2021

An der Stelle ein herzliches Dankeschön an Grinsekatz für die passende Musik („velvet moths will keep us warm…“) zum Blake-Text. Eine Katze grüßt die andere!