Letztes Abendmahl

Der Narr, by Pamela Coleman Smith, 1910, Rider–Waite Tarot

„Die Sache von der in der Seele hervorgerufenen Heiterkeit durch die Aufnahme von Safran ist bei Medizinern und Botanikern sehr bekannt, bei denen im Versuch bewiesen wurde, dass circa drei Drachmen Safran (~ 13,5 bis 18 g) mit Wein vermischt getrunken die Menschen mit so großer Fröhlichkeit erfüllen, dass es diesen geschieht, dass sie in exzessives Gelächter ausbrechen, sie Betrunkenen gleich werden, oft sogar ihren Verstand verlieren und unter Gelächter entweder sterben oder in große Gefahr geraten“.
             Peter Lauremberg, Apparatus Plantarius, 1632, via Wikipedia 

„Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles!“
             J.W. Goethe, Faust, 1790

Hast du gelacht?
Hast du geweint? Hast du auf einem
Sack geträumt? Ein Sack mit Safran? Mitten unter
Pferden!!? Schaust dich um: ein Speisesaal in einem Kloster, wo
statt Mönchen, Gäule stehen. Eines wiehert. Wird noch von sich reden
machen, weil im ärgsten Schlachtgetümmel, stets versammelt, konzentriert.
Und du? Schaust dich dumm/weiter um. Was siehst du hier? Na, was wohl,
Pferde! Und dort drüben an der Wand? Ein Bild vom letzten Abendmahl?
So wird es uns erzählt. Was du hier siehst, sind Männer; Männer
unter sich. Kein Verräter weit und breit, nur Brüder
und  Soldaten. Und jetzt sag mir, was
             machst du hier?

 

Ich…? Hab zu tun,
Löffel schwingen! Heute wird
groß aufgekocht, wie es sich gehört, für Sieger.
Mailand in der Hand des Korsen und schon bald, ganz Europa! 
Wieso weinst du? Sind nur Zwiebeln, Zwiebel brennen. Pass bloß auf,
sonst brennt dir das Risotto an! Rühren, rühren, weiterrühren und am Ende
kommt das Gold. Mit Safran geht die Sonne auf: Im Gesicht und im Gericht.
Könnte es das letzte sein? Was weiß denn ich? Ein Narr braucht keinen
Safran mehr. Ein toter Narr schon dreimal nicht. Und jetzt hör
schon zu flennen auf! Zu viel Salz auf deinen Lippen.
             Komm her, lass dich küssen!

 

Willst du einen Nachschlag?
Ja? Obwohl du weißt, wie die Geschichte endet? 
Also gut, mein Schatz, zu Tisch! Es gibt Risotto, goldgelb und —
versalzen! Hab viel gelacht, hab viel geweint, hab auf einem
Sack geträumt, wir wären friedlich miteinander 
             eingeschlafen…!

Letztes Abendmahl, 2026

Der Text bezieht sich auf Leonardo da Vincis Letztes Abendmahl im Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand, wo Napoleon mit Teilen seiner Armee genächtigt hat, bevor er das übermächtige österreichische Heer bei Marengo (im Piemont) schlug.

Safran: den Sack mach ich nicht auf. Nur soviel: 1,5 g Safran/Tag oral gelten als unbedenklich. Vgl. Sigrun Chrubasik-Hausmann, Safran – Das pflanzliche Gold ist vielseitig nutzbar, zkm 2020; via Wikipedia

Foto: Adi Nes, Untitled (Last Supper), 1999, CC BY-SA 3.0, Israel Museum, Jerusalem, via Wikipedia

Der Narr, by Pamela Coleman Smith, 1910, Rider–Waite Tarot

„Die Sache von der in der Seele hervorgerufenen Heiterkeit durch die Aufnahme von Safran ist bei Medizinern und Botanikern sehr bekannt, bei denen im Versuch bewiesen wurde, dass circa drei Drachmen Safran (~ 13,5 bis 18 g) mit Wein vermischt getrunken die Menschen mit so großer Fröhlichkeit erfüllen, dass es diesen geschieht, dass sie in exzessives Gelächter ausbrechen, sie Betrunkenen gleich werden, oft sogar ihren Verstand verlieren und unter Gelächter entweder sterben oder in große Gefahr geraten“.
             Peter Lauremberg, Apparatus Plantarius, 1632, via Wikipedia 

„Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles!“
             J.W. Goethe, Faust, 1790

Hast du gelacht?
Hast du geweint? Hast du auf einem
Sack geträumt? Ein Sack mit Safran? Mitten unter
Pferden!!? Schaust dich um: ein Speisesaal in einem Kloster, wo
statt Mönchen, Gäule stehen. Eines wiehert. Wird noch von sich reden 

machen, weil im ärgsten Schlachtgetümmel, stets versammelt, konzentriert.
Und du? Schaust dich dumm/weiter um. Was siehst du hier? Na, was wohl,
Pferde! Und dort drüben an der Wand? Ein Bild vom letzten Abendmahl?
So wird es uns erzählt. Was du hier siehst, sind Männer; Männer
unter sich. Und kein Verräter weit und breit, nur Brüder
und Soldaten. Und jetzt sag mir, was                 
             machst du hier?

Ich…? Hab zu tun, 
Löffel schwingen! Heute wird
groß aufgekocht, wie es sich gehört, für Sieger.
Mailand in der Hand des Korsen und schon bald, ganz Europa! 
Wieso weinst du? Sind nur Zwiebeln, Zwiebel brennen. Pass bloß auf,
sonst brennt dir das Risotto an! Rühren, rühren, weiterrühren und am Ende
kommt das Gold. Mit Safran geht die Sonne auf! Im Gesicht und im Gericht.
Könnte es das letzte sein? Was weiß ich? Ein Narr braucht keinen
Safran mehr. Ein toter Narr schon dreimal nicht. Und jetzt hör
schon zu flennen auf! Zu viel Salz auf deinen Lippen.
             Komm her, lass dich küssen!

Willst du einen Nachschlag?
Ja? Obwohl du weißt, wie die Geschichte endet? 
Also gut, mein Schatz, zu Tisch! Es gibt Risotto, goldgelb und —
versalzen! Hab viel gelacht, hab viel geweint, hab auf einem
Sack geträumt, wir wären friedlich miteinander
             eingeschlafen…!

Letztes Abendmahl, 2026

Der Text bezieht sich auf Leonardo da Vincis Letztes Abendmahl im Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand, wo Napoleon mit Teilen seiner Armee genächtigt hat , bevor er das übermächtige österreichische Heer bei Marengo (im Piemont) schlug.

Safran: den Sack mach ich nicht auf. Nur soviel: 1,5 g Safran/Tag oral gelten als unbedenklich. Vgl. Sigrun Chrubasik-Hausmann, Safran – Das pflanzliche Gold ist vielseitig nutzbar, zkm 2020; via Wikipedia

Foto: Adi Nes, Untitled (Last Supper), 1999, CC BY-SA 3.0, Israel Museum, Jerusalem, via Wikipedia

Der Narr, by Pamela Coleman Smith, 1910, Rider–Waite Tarot

„Die Sache von der in der Seele hervorgerufenen Heiterkeit durch die Aufnahme von Safran ist bei Medizinern und Botanikern sehr bekannt, bei denen im Versuch bewiesen wurde, dass circa drei Drachmen Safran (~ 13,5 bis 18 g) mit Wein vermischt getrunken die Menschen mit so großer Fröhlichkeit erfüllen, dass es diesen geschieht, dass sie in exzessives Gelächter ausbrechen, sie Betrunkenen gleich werden, oft sogar ihren Verstand verlieren und unter Gelächter entweder sterben oder in große Gefahr geraten“.
Peter Lauremberg, Apparatus Plantarius, 1632, via Wikipedia 

„Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles!“ J.W. Goethe, Faust, 1790

Hast du gelacht? Hast du geweint? Hast du auf einem Sack geträumt? Ein Sack mit Safran! Mitten unter
Pferden!!? Schaust dich um: ein Speisesaal in einem Kloster, wo
statt Mönchen, Gäule stehen. Eines wiehert. Wird noch von sich reden 

machen, weil im ärgsten Schlachtgetümmel, stets versammelt, konzentriert. Und du? Schaust dich dumm/weiter um. Was siehst du hier? Na, was wohl,
Pferde! Und dort drüben an der Wand? Ein Bild vom letzten Abendmahl? So wird es uns erzählt. Was du hier siehst, sind Männer; Männer unter sich. Und kein Verräter weit und breit, nur Brüder und Soldaten. Und jetzt sag mir, was machst du hier? 

 

Ich…? Hab zu tun, Löffel schwingen! Heute wird groß aufgekocht, wie es sich gehört, für Sieger. Mailand in der Hand des Korsen und schon bald, ganz Europa! Wieso weinst du? Sind nur Zwiebeln, Zwiebel brennen. Pass bloß auf, sonst brennt dir das Risotto an! Rühren, rühren, weiterrühren und am Ende kommt das Gold. Mit Safran geht die Sonne auf! Im Gesicht und im Gericht. Könnte es das letzte sein? Was weiß ich! Ein Narr braucht keinen Safran mehr. Ein toter Narr schon dreimal nicht. Und jetzt hör schon zu flennen auf! Zu viel Salz auf deinen Lippen. Komm her, lass dich küssen!

 

Willst du einen Nachschlag? Ja? Obwohl du weißt, wie die Geschichte endet? Also gut, mein Schatz, zu Tisch! Es gibt Risotto, goldgelb und — versalzen! Hab viel gelacht, hab viel geweint, hab auf einem Sack geträumt, wir  wären friedlich miteinander eingeschlafen!

Letztes Abendmahl, 2026

Der Text bezieht sich auf Leonardo da Vincis Letztes Abendmahl im Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand, wo Napoleon mit seiner Armee Station machte, bevor er das übermächtige österreichische Heer bei Marengo schlug.

Safran: den Sack mach ich nicht auf. Nur soviel: 1,5 g Safran/Tag oral gelten als unbedenklich. Vgl. Sigrun Chrubasik-Hausmann, Safran – Das pflanzliche Gold ist vielseitig nutzbar, zkm 2020; via Wikipedia

Foto: Adi Nes, Untitled (Last Supper), 1999, CC BY-SA 3.0, Israel Museum, Jerusalem, via Wikipedia