Hungerkünstler (Capiche?)

Aschenputtel, Alexander Zick (1845 – 1907) aus: Märchen, Grot’scher Verlag, Berlin 1975, via Wikimedia Commons

Versuche, jemandem die Hungerkunst zu erklären! Wer es nicht fühlt, dem kann man es nicht begreiflich machen.
             Franz Kafka, Ein Hungerkünstler

Du sagst, das zwischen
uns sei eine dünne Suppe und dann
bringst du mir den Kürbis und der ist so f***ing
klein, dass ich die Suppe mit Rüben und Kartoffeln strecken
muss, damit sie für uns beide reicht. Dazu Reste vom Risotto von
vorgestern, nein, zwei Würstel, Senf, das war’s. Jetzt sind wir also an-
gekommen: im Land der Hungerkünstler und der Rübengeister. Vor den
Fenstern, die Parade seltsamer Gestalten: Vorne weg, Jack O‘ Lantern,
der mit seinem Geiz sogar den Teufel austrickst. Und das gleich zweimal.
Hintendrein, die Gefährten; in Gefährten, die sich keiner leisten kann.
Schau, was willst du mir erzählen? Du, in deiner Kürbiskutsche? Ohne
Schuhe, halt, mit einem Schuh aus Glas!? Klappe halten, Cinderella,
hast genug angerichtet. Jetzt wird alles klar gemacht
oder du bist aus und raus,            
              Capiche?

Aschenputtel sagt kein
Wort. Oder hat sie was gesagt? Ab
sofort wird nachgezählt: die guten ins Töpfchen,
die schlechten ins Kröpfchen. Wie das geht? Mit Vögeln.
Aschenputtel gluckst vor Lachen. Sieh an, die Kleine hat Humor.
Sonst noch was? Statt Bildern, Teppichen und Ruhm sammeln wir jetzt
kleine Marken. Kleben sie auf Zettel drauf: für den nächsten Großeinkauf
im/Supermarkt. Ein Sonderangebot? Gekauft! Nein, halt. So geht das nicht.
Jeden Euro zweimal umdrehen und die Typen gleich dazu? Pass bloß auf,
Jack O‘ Lantern! Und halt dich besser ran, sonst kommst du, Schatzi,
auch noch dran. Das sagt uns doch der Hausverstand. Haha,
welcher Hausverstand? Deiner und meiner?         
             Capiche!

Und das Ende?
So wie immer. Wenn sie nicht gestorben sind,
dann leben sie noch heute. Und Vögel/n unterm Sternenhimmel.
Von wegen Hausverstand. 
             Capiche?

 

Hungerkünstler (Capiche?), 2025                         

Foto: Halloween, eigenes Bild, 2019

Aschenputtel, Alexander Zick (1845 – 1907) aus: Märchen, Grot’scher Verlag, Berlin 1975, via Wikimedia Commons

Versuche, jemandem die Hungerkunst zu erklären! Wer es nicht fühlt, dem kann man es nicht begreiflich machen.
             Franz Kafka, Ein Hungerkünstler

Du sagst, das zwischen
uns sei eine dünne Suppe und dann
bringst du mir den Kürbis und der ist so f***ing
klein, dass ich die Suppe mit Rüben und Kartoffeln strecken
muss,  damit sie für uns beide reicht. Dazu Reste vom Risotto von
vorgestern, nein, zwei Würstel, Senf, das war’s. Jetzt sind wir also an-
gekommen: im Land der Hungerkünstler und der Rübengeister. Vor den
Fenstern, die Parade seltsamer Gestalten: Vorne weg, Jack O‘ Lantern,
der mit seinem Geiz sogar den Teufel austrickst. Und das gleich zweimal. Hintendrein, die Gefährten; in Gefährten, die sich keiner leisten kann.
Schau, was willst du mir erzählen!? Du, in deiner Kürbiskutsche? 
Ohne Schuhe, halt, mit einem Schuh aus Glas!? Klappe halten,
Cinderella, hast genug angerichtet. Jetzt wird alles klar
gemacht oder du bist aus und raus,            
              Capiche?

Aschenputtel sagt
kein Wort. Oder hat sie was gesagt?
Ab sofort wird nachgezählt: die guten ins Töpfchen,
die schlechten ins Kröpfchen. Wie das geht? Mit Vögeln.
Aschenputtel gluckst vor Lachen. Sieh an, die Kleine hat Humor.
Sonst noch was? Statt Bildern, Teppichen und Ruhm sammeln wir jetzt
kleine Marken. Kleben sie auf Zettel drauf: für den nächsten Großeinkauf
im/Supermarkt. Ein Sonderangebot? Gekauft! Nein, halt. So geht das nicht.
Jeden Euro zweimal umdrehen und die Typen gleich dazu? Pass bloß auf,
Jack O‘ Lantern! Und halt dich besser ran, sonst kommst du, Schatzi,
auch noch dran. Das sagt uns doch der Hausverstand. Haha,
welcher Hausverstand? Deiner und meiner?         
             Capiche!

Und das Ende?
So wie immer. Wenn sie nicht gestorben sind,
dann leben sie noch heute. Und Vögel/n unterm Sternenhimmel.
Von wegen Hausverstand. 
             Capiche?

Hungerkünstler (Capiche?), 2025         

 Foto: Halloween, eigenes Bild, 2019

Aschenputtel, Alexander Zick (1845 – 1907) aus: Märchen, Grot’scher Verlag, Berlin 1975, via Wikimedia Commons

Versuche, jemandem die Hungerkunst zu erklären! Wer es nicht fühlt, dem kann man es nicht begreiflich machen. Franz Kafka, Ein Hungerkünstler

Du sagst, das zwischen uns sei eine dünne Suppe und dann bringst du mir den Kürbis und der ist so f***ing klein, dass ich die Suppe mit Rüben und Kartoffeln strecken
muss, damit sie für uns beide reicht. Dazu Reste vom Risotto von
vorgestern, nein, zwei Würstel, Senf, das war’s. Jetzt sind wir also angekommen: im Land der Hungerkünstler und der Rübengeister. Vor den Fenstern, die Parade seltsamer Gestalten: Vorne weg, Jack O‘ Lantern, der mit seinem Geiz sogar den Teufel 
austrickst. Und das gleich zweimal. Hintendrein, die Gefährten; in Gefährten, die sich keiner leisten 
kann. Schau, was willst du mir erzählen? Du, in deiner Kürbiskutsche? Ohne Schuhe, halt, mit einem Schuh aus Glas!? Klappe halten, Cinderella, hast genug 
angerichtet. Jetzt wird alles klar gemacht oder du bist aus und raus, Capiche?

 

Aschenputtel sagt kein Wort. Oder hat sie was gesagt? Ab sofort wird nachgezählt: die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Wie das geht? Mit Vögeln! Aschenputtel gluckst vor Lachen. Sieh an, die Kleine hat Humor. Sonst noch was? Statt Bildern, Teppichen und Ruhm sammeln wir jetzt kleine Marken. Kleben sie auf Zettel drauf: für den nächsten Großeinkauf im Supermarkt. Ein Sonderangebot?  Gekauft! Nein, halt. So geht das nicht. Jeden Euro zweimal umdrehen und die Typen gleich dazu. Pass bloß auf, Jack O‘ Lantern! Und halt dich besser ran, sonst kommst du, Schatzi, auch noch dran. Das sagt uns doch der Hausverstand. Haha, welcher 
Hausverstand? Deiner und meiner? Capiche!

Und das Ende? So wie immer. Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Und Vögel/n unterm Sternenhimmel. Von wegen Hausverstand.  Capiche?

Hungerkünstler (Capiche?), 2025

Foto: Halloween, eigenes Bild, 2019