
Bist du gut
zu Fuß, erreichen wir den
Pass noch vor dem nächsten Wintereinbruch.
Hier trennen sich die Wege. Wasser, wenn es nicht gefroren
ist, fließt hier zum Rhein und dort zur Donau, hier zur Nordsee, dort
ins Schwarze Meer. Die Schritte federn auf den Schwingrasen und Mooren.
Unsicher, das Terrain, unstillbar groß die Sehnsucht nach dem festen Grund im
Angesicht der Berge. Sehen nicht, die Schlucklöcher, Versickerungen, das, was
aus der Tiefe kommt. Überraschend, wie die schöne Lau und ihre Schwestern,
diese hübschen Donauweibchen, die den Glaspalast verlassen, bei den
Menschen tanzen gehen. Wehe, eine kommt zu spät nach Hause!
Wasser wird sich rot verfärben. Nein, nein, es versinkt
im Untergrund —
Dunkelheit.
Es bremst, es sickert. Wo
sind wir hier? Da bremst es wieder, sickert
weiter. Wie, ein ganzer Fluss verschwindet? Wohin wollt
ihr, Donauweibchen!? Immer wieder tanzen gehen? Suchen ihren
Weg durch Höhlen, schmeicheln Schmerlen, treten da und dort zu Tage,
wo man sie nicht fassen kann, wie in einem Topf bei Aach. Von dort geht
die Reise weiter in die Ach bei Radolfszell, weiter in den See hinein,
durch ihn hindurch in den Rhein/mit ihm mit ins andere, nicht
ins Schwarze Meer. Die Donau im Atlantik? Ja!
Wer kann es ihr verdenken?
Bist du gut zu Fuß,
erreichen wir den Pass noch vor dem
nächsten Wintereinbruch. Hier trennen sich die Wege. Wohin du gehst,
ein Schritt, zwei Welten. Eins und zwei und drei und vier:
Alles hier, Europa!
Bist du (Europa), 2025
Foto: Blick vom Flexenpass (Vorarlberg, Österreich) Richtung Albona, by Arsurnipal, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Der Text bezieht sich auf die europäische Hauptwasserscheide, die von Gibraltar bis Moskau quer durch Europa verläuft, sowie auf die Donauversinkung im Naturpark „Obere Donau“ in Süddeutschland, wo die Donau an rund 150 Tagen im Jahr versickert, in Unterströmen und Karsthöhlen die europäische Hauptwasserscheide unterwandert, im Aachtopf wieder auftaucht und über Radolfszeller Ach, Bodensee und Rhein, im Atlantik landet. Vgl. SRF 2 Kultur, Kontext vom 11.4.2021, Ein Fluss verschwindet.

Bist du gut
zu Fuß, erreichen wir den
Pass noch vor dem nächsten Wintereinbruch.
Hier trennen sich die Wege. Wasser, wenn es nicht gefroren
ist, fließt hier zum Rhein und dort zur Donau, hier zur Nordsee, dort
ins Schwarze Meer. Die Schritte federn auf den Schwingrasen und Mooren.
Unsicher, das Terrain, unstillbar groß die Sehnsucht nach dem festen Grund im
Angesicht der Berge. Sehen nicht, die Schlucklöcher, Versickerungen, das, was
aus der Tiefe kommt. Überraschend, wie die schöne Lau und ihre Schwestern,
diese hübschen Donauweibchen, die den Glaspalast verlassen, bei den
Menschen tanzen gehen. Wehe, eine kommt zu spät nach Hause!
Wasser wird sich rot verfärben. Nein, nein, es versinkt
im Untergrund —
Dunkelheit.
Es bremst, es sickert. Wo
sind wir hier? Da bremst es wieder, sickert
weiter. Wie, ein ganzer Fluss verschwindet? Wohin wollt
ihr, Donauweibchen!? Immer wieder tanzen gehen? Suchen ihren
Weg durch Höhlen, schmeicheln Schmerlen, treten da und dort zu Tage,
wo man sie nicht fassen kann, wie in einem Topf bei Aach. Von dort geht
die Reise weiter in die Ach bei Radolfszell, weiter in den See hinein,
durch ihn hindurch in den Rhein/mit ihm mit ins andere, nicht
ins Schwarze Meer. Die Donau im Atlantik? Ja!
Wer kann es ihr verdenken?
Bist du gut zu Fuß,
erreichen wir den Pass noch vor dem
nächsten Wintereinbruch. Hier trennen sich die Wege. Wohin du gehst,
ein Schritt, zwei Welten. Eins und zwei und drei und vier:
Alles hier, Europa!
Bist du (Europa), 2025
Foto: Blick vom Flexenpass (Vorarlberg, Österreich) Richtung Albona, by Arsurnipal, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Der Text bezieht sich auf die europäische Hauptwasserscheide, die von Gibraltar bis Moskau quer durch Europa verläuft, sowie auf die Donauversinkung im Naturpark „Obere Donau“ in Süddeutschland, wo die Donau an rund 150 Tagen im Jahr versickert, in Unterströmen und Karsthöhlen die europäische Hauptwasserscheide unterwandert, im Aachtopf wieder auftaucht und über Radolfszeller Ach, Bodensee und Rhein, tatsächlich im Atlantik landet. Vgl. SRF 2 Kultur, Kontext vom 11.4.2021, Ein Fluss verschwindet.

Bist du gut zu Fuß, erreichen wir den Pass noch vor dem nächsten Wintereinbruch. Hier trennen sich die Wege. Wasser, wenn es nicht gefroren ist, fließt hier zum Rhein und dort zur Donau, hier zur Nordsee, dort ins Schwarze Meer. Die Schritte federn auf den Schwingrasen und Mooren. Unsicher, das Terrain, unstillbar groß die Sehnsucht nach dem festen Grund im Angesicht der Berge. Sehen nicht, die Schlucklöcher, Versickerungen, das, was aus der Tiefe kommt. Überraschend, wie die schöne Lau und ihre Schwestern, diese hübschen Donauweibchen, die den Glaspalast verlassen, bei den Menschen tanzen gehen. Wehe, eine kommt zu spät nach Hause! Wasser wird sich rot verfärben. Nein, nein, es versinkt im Untergrund —
Dunkelheit. Es bremst, es sickert. Wo sind wir hier? Da bremst es wieder, sickert weiter. Wie, ein ganzer Fluss verschwindet? Wohin wollt ihr, Donauweibchen!? Immer wieder tanzen gehen? Suchen ihren Weg durch Höhlen, schmeicheln Schmerlen, treten da und dort zu Tage, wo man sie nicht
fassen kann, wie in einem Topf bei Aach. Von dort geht die Reiseweiter in die Ach bei Radolfszell und weiter in den See hinein, durch ihn hindurch in den Rhein und mit ihm mit ins andere, nicht
ins Schwarze Meer. Die Donau im Atlantik? Ja! Wer kann es ihr verdenken?Bist du gut zu Fuß, erreichen wir den Pass noch vor dem nächsten Wintereinbruch. Hier trennen sich die Wege. Wohin du gehst, ein Schritt, zwei Welten. Eins und zwei und drei und vier:
Alles hier, Europa!
Bist du (Europa), 2025
Foto: Blick vom Flexenpass (Vorarlberg, Österreich) Richtung Albona, by Arsurnipal, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Der Text bezieht sich auf die europäische Hauptwasserscheide, die von Gibraltar bis Moskau quer durch Europa verläuft, sowie auf die
Donauversinkung im Naturpark „Obere Donau“ in Süddeutschland, wo die Donau an rund 150 Tagen im Jahr versickert, in Unterströmen und Karsthöhlen die europäische Hauptwasserscheide unterwandert, im Aachtopf wieder auftaucht und über Radolfszeller Ach, Bodensee und Rhein, tatsächlich im Atlantik landet. Vgl. SRF 2 Kultur, Kontext vom 11.4.2021, Ein Fluss verschwindet.
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