Gipfeltreffen

Berberin im Schaufenster von Nanis Shop, Feldkirch, eigenes Bild, 2025

Wo auch nur Mohammed heute Abend spät/im Dunkel auf die Wege geht.
Um ein paar Ränke einen Zaun/tut einen Pfiff man hört es kaum.
Schon steht die (Frauenname) da/das hätte ja gut geklappt hurra!
             (Spottgedicht aus der Besatzungszeit)

Also doch, ein
Gipfeltreffen. Wer denkt dabei an
einen Berg? An Dominanz und Schartenhöhe,
die den Gipfel definieren, als das, was er ist: ein Steingebilde,
eigenständig, wenn auch Teil der Berglandschaft. Einmal im Leben,
sagen sie, sollst du den Piz Buin besteigen, weil er hier der Höchste ist, und 
du von oben weiter in die Ferne siehst, wie zuhause vor der Glotze, früher Fern- 
sehen (sehr poetisch), heute (Prosa) Bildschirmzeit. So wie jetzt, in diesem Augen- 
blick. Was machst du hier? Du schmeichelst mir. Hier geht’s nur um mich, mein 
kleines Weiberleben, nicht um große Politik und durchgeknallte Potentaten, die 
der Gier erlegen sind, obwohl… mir grad zum Lachen ist! Dabei ist die Lage ernst. 
Die Welt geht unter (noch mehr Lachen) Wäre es zu viel verlangt, vor dem 
Ende (unausweichlich) noch ein wenig Spaß zu haben? Wie wärs 
mit einem Gipfeltreffen? Ich und du, ein 
             Rendezvous, unter Sternen…?

 

Ein Stern, der hat 
fünf Zacken und er ist in Stein 
gehauen. Da ist auch ein Alpenfluss, der sich 
durch die Felsen zwängt. Ihre Enge, ideal für Ritter, Räuber, 
Zollstationen. Feldkirch, alte Mühlenstadt! Dein gutes Geld zieht 
viele an, wie nach dem großen Krieg, die Nazis. Nicht schon wieder! Wäre es 
nicht an der Zeit, das alles endlich zu vergessen? An der Ill, die Brückenpfeiler, 
amputierte Stümpfe ohne Sinn. Da ist nichts. Und schmerzt noch immer? Die 
Wehrmacht hat die Brücke weggesprengt, um den Einmarsch der Befreier zu 
verzögern. Der Befreier? (Schiefes Lächeln) Afrikaner? Hühnerdiebe? Bauen 
eine Brücke, hinterlassen ihren Stern und — Negerpuppen? Hier bei uns? 
Hatte selber eine/Kleine. Schreit sich ihre Lungen wund. Mutter 
quält sich und kein Vater weit und breit. Sein Stern  
             wird ihr nach Hause leuchten —

Wohin es führt?
Zum Gipfeltreffen. Vorausgesetzt,
du hast kapiert, welcher Gipfel hier gemeint ist. Aus Hefeteig, 
die dünne Hülle, legt sich weich um massig Fülle: Nüsse, Zucker, Semmelbrösel. 
Fette Ladung! Damit jemals abzuheben? Ausgeschlossen. Lass uns lieber 
hier verweilen, einen süßen Gipfel teilen, und dann
             folge deinem Stern —  

Gipfeltreffen, 2025

Foto: Marokkanerstern in der Illschlucht, Feldkirch, eigenes Bild, 2025

Der Text bezieht sich auf die vielfach vergessenen Marokkanischen Besatzungskinder nach 1945. Ein Relikt aus dieser Zeit ist der „Marokkanerstern“ in der Feldkircher Illschlucht. Erstaunlicherweise hat er heuer keinen frischen Anstrich bekommen, obwohl die Stadt das 100-jährige Jubiläum ihrer Befreiung feiert und dieser Stern genau dafür steht: Am 3. Mai 1945 erreichen französische Panzer das Gemeindegebiet von Feldkirch (österr. Stadt an der Grenze zur Schweiz und zu Liechtenstein). Um das Vorrücken der Franzosen, darunter 7.000 meist zwangsrekrutierte Marokkaner, ins Landesinnere zu blockieren, sprengt die Wehrmacht eine Brücke in der Felsenau. Die Pioniere der 4. marokkanischen Gebirgsdivision errichten eine Notbrücke und hinterlassen, als Bannzeichen gegen das Böse, ein Pentagramm in der Felswand. Heute befindet sich dort ein Klettergarten.

Berberin im Schaufenster von Nanis Shop, Feldkirch, eigenes Bild, 2025

Wo auch nur Mohammed heute Abend spät/im Dunkel auf die Wege geht.
Um ein paar Ränke einen Zaun/tut einen Pfiff man hört es kaum.
Schon steht die (Frauenname) da/das hätte ja gut geklappt hurra!
             (Spottgedicht aus der Besatzungszeit)

Also doch, ein
Gipfeltreffen! Wer denkt dabei an
einen Berg? An Dominanz und Schartenhöhe,
die den Gipfel definieren, als das was er ist: Steingebilde,
eigenständig, wenn auch Teil der Berglandschaft. Einmal im Leben,
sagen sie, sollst du den Piz Buin besteigen, weil er hier der Höchste ist,
und du von ganz weit oben weiter in die Ferne siehst, wie zuhause vor der
Glotze, früher Fernsehen (sehr poetisch), heute (Prosa) Bildschirmzeit. So
wie jetzt, in diesem Augenblick. Was machst du hier? Du schmeichelst mir.
Hier geht’s doch nur um mich, mein kleines Weiberleben, nicht um große 
Politik und durchgeknallte Potentaten, die der Gier erlegen sind, obwohl…
mir grad zum Lachen ist! Dabei ist die Lage ernst. Die Welt geht unter 
(noch mehr Lachen) Wäre es zu viel verlangt, vor dem Ende (un- 
ausweichlich) noch ein wenig Spaß zu haben? Wie wärs mit 
einem Gipfeltreffen? Ich und du, ein Rendezvous,
             unter Sternen…?

 

Ein Stern, der hat fünf
Zacken und er ist in Stein gehauen. Da ist
auch ein Alpenfluss, der sich durch die Felsen zwängt.
Die Enge, ideal für Ritter, Räuber, Zollstationen. Feldkirch, alte
Mühlenstadt! Dein gutes Geld zieht viele an, nach dem großen Krieg,
die Nazis. Nicht schon wieder. Wäre es nicht an der Zeit, das alles endlich
zu vergessen! An der Ill, die Brückenpfeiler. Amputierte Stümpfe ohne Sinn.
Da ist nichts. Und schmerzt noch immer? Die Wehrmacht hat die Brücke
weggesprengt, um den Einmarsch der Befreier zu verzögern. Der Befreier? (Schiefes Lächeln) Afrikaner? Hühnerdiebe?! Bauen eine Brücke, hinter-
lassen ihren Stern und — Negerpuppen? Hier bei uns!? Hatte selber
eine/Kleine. Schreit sich ihre Lungen wund. Mutter quält
sich und kein Vater weit und breit. Sein Stern
             wird ihr nach Hause leuchten —

Wohin es führt?
Zum Gipfeltreffen. Vorausgesetzt,
du hast kapiert, welcher Gipfel hier gemeint ist. Aus Hefeteig, 
die dünne Hülle, legt sich weich um massig Fülle: Nüsse, Zucker, Semmel- 
brösel. Fette Ladung! Damit jemals abzuheben?Ausgeschlossen! Lass 
uns lieber hier verweilen, einen süßen Gipfel teilen, 
             und dann folge deinem Stern —  

Gipfeltreffen, 2025

Foto: Marokkanerstern in der Illschlucht, Feldkirch, eigenes Bild, 2025

Der Text bezieht sich auf die Marokkanischen Besatzungskinder nach 1945. Ein Relikt aus dieser Zeit ist der „Marokkanerstern“ in der Feldkircher Illschlucht. Erstaunlicherweise hat er heuer keinen frischen Anstrich bekommen, obwohl die Stadt das 100-jährige Jubiläum ihrer Befreiung feiert und dieser Stern genau dafür steht: Am 3. Mai 1945 erreichen französische Panzer das Gemeindegebiet von Feldkirch (Österreichische Stadt an der Grenze zur Schweiz und zu Liechtenstein). Um das Vorrücken der Franzosen, darunter 7.000 meist zwangsrekrutierte Marokkaner, ins Landesinnere zu blockieren, sprengt die Wehrmacht eine Brücke in der Felsenau. Die Pioniere der 4. marokkanischen Gebirgsdivision errichten eine Notbrücke und hinterlassen, als Bannzeichen gegen das Böse, in der Felswand ein Pentagramm. Heute befindet sich dort ein Klettergarten.

Berberin im Schaufenster von Nanis Shop, Feldkirch, eigenes Bild, 2025

Wo auch nur Mohammed heute Abend spät/im Dunkel auf die Wege geht. Um ein paar Ränke einen Zaun/tut einen Pfiff man hört es kaum. Schon steht die (Frauenname) da/das hätte ja gut geklappt hurra! (Spottgedicht aus der Besatzungszeit)

Also doch, ein Gipfeltreffen! Wer denkt dabei an einen Berg? An Dominanz und Schartenhöhe, die  den Gipfel definieren, als das was er ist: Steingebilde, eigenständig, wenn auch Teil der Berglandschaft. Einmal im Leben, sagen sie, sollst du den Piz Buin besteigen, weil er hier der Höchste ist, und du von oben weiter in die Ferne siehst, wie zuhause vor der Glotze, früher Fernsehen (sehr poetisch), heute (Prosa) Bildschirmzeit. So wie jetzt, in diesem Augenblick. Was machst du hier? Du schmeichelst mir! Hier geht’s um mich, mein kleines Weiberleben, nicht um große Politik und durchgeknallte Potentaten, die der Gier erlegen sind, obwohl… mir grad zum
Lachen ist! Dabei ist die Lage ernst. Die Welt geht unter (noch mehr Lachen). Wäre es zu viel verlangt, vor dem Ende (unausweichlich) noch ein wenig Spaß zu haben? Wie wärs mit einem Gipfeltreffen? Ich und du, ein Rendezvous unter Sternen…?

Ein Stern, der hat fünf Zacken und er ist in Stein gehauen. Da ist auch ein Alpenfluss, der sich durch die Felsen zwängt. Diese Enge, ideal für Ritter, Räuber, Zollstationen. Feldkirch, alte Mühlenstadt! Dein gutes Geld zieht viele an, wie nach dem großen Krieg, die Nazis. Nicht schon wieder! Wäre es nicht an der Zeit, das alles endlich zu vergessen? 
An der Ill, die Brückenpfeiler, amputierte Stümpfe ohne Sinn. Da ist nichts. Und schmerzt noch immer? Die Wehrmacht hat die Brücke weggesprengt, um den Einmarsch der Befreier zu verzögern. Der Befreier? (Schiefes Lächeln) Afrikaner? Hühnerdiebe?! Bauen eine Brücke, hinterlassen ihren Stern und — Negerpuppen!? Hier bei uns? Hatte selber eine/Kleine. Schreit sich ihre Lungen wund.  Mutter quält sich und kein Vater weit und breit. Sein Stern wird ihr nach Hause leuchten —

Wohin es führt? Zum Gipfeltreffen. Vorausgesetzt, du hast kapiert, welcher Gipfel hier gemeint ist.
Aus Hefeteig, die dünne Hülle, legt sich weich um massig Fülle: Nüsse, Zucker, Semmelbrösel. Fette Ladung! Damit jemals abzuheben? Ausgeschlossen. Lass uns lieber hier verweilen, einen süßen Gipfel teilen, und dann folge deinem Stern —  

Gipfeltreffen, 2025

Foto: Marokkanerstern, Illschlucht, Feldkirch, eigenes Bild, 2025

Der Text bezieht sich auf die  vielfach vergessenen
Marokkanischen Besatzungskinder nach 1945. Ein Relikt aus dieser Zeit ist der „Marokkanerstern“ in der Feldkircher Illschlucht (siehe Bild oben). Erstaunlicherweise hat er heuer keinen frischen Anstrich bekommen, obwohl die Stadt das 100-jährige Jubiläum ihrer 
Befreiung feiert und dieser Stern genau dafür steht: Am 3. Mai 1945 erreichen französische Panzer das Gemeindegebiet von Feldkirch (Österreichische Stadt an der Grenze zur Schweiz und zu Liechtenstein). Um das Vorrücken der Franzosen, darunter 7.000 meist zwangsrekrutierte Marokkaner, ins Landesinnere zu blockieren, sprengt die Wehrmacht eine Brücke in der Felsenau. Die Pioniere der 4. marokkanischen Gebirgsdivision errichten eine Notbrücke und hinterlassen, als Bannzeichen gegen das Böse, in der Felswand ein Pentagramm. Heute befindet sich dort ein Klettergarten.