Wieder mal (rot gesehen)

Plejaden im Sternbild Stier, by Olivier Brinkman, via pexels.com

Wieder mal (rot gesehen),
ein Geschoß aus Flüchen in den leeren Raum 
geschleudert, keiner hat’s gesehen? Ach, Herr Winter, Sie
schon wieder, und Herr Winter (gar nicht frostig): endlich mal ein bisschen
Farbe! Das verrückte Rotkehlchen ist natürlich auch noch da, verjagt ein halbes
Dutzend Spatzen, singt allerliebst: Alles meins! Meint Sämereien, Nüsse, Früchte
wie die Hagebutte, vollgestopft mit Vitaminen und mit fein behaarten Samen. Getrocknet und verpulvert bringen sie die Haut zum Brennen, wie ein Bad im
kalten See. Schrei so laut du kannst! Bald sind deine Nerven taub. Dann wird
alles still. Du atmest ein, du atmest aus. Blut strömt in dein Herz. Vertrautes 
Klirren deiner Ketten, sind nur Bruchstücke aus Eis. Die kleinen Freuden der
Provinz: dunkle Nächte, helle Sterne. Nur den Hundsstern, meide lieber,
auch wenn der am Hellsten strahlt. Ich war dort; es war im Traum.
Geschiebe aus Materiebrocken, Konvektion in Feuerströmen, 
übermächtiger Gestank nach Teufel, da bin ich
             wieder abgehauen —

Selbst wenn dein rotes Auge,
Stier, seit Jahrmillionen auf mir ruht, selbst
wenn dein Sprühregen aus Blut (dort, wo man Kampfstieren,
um sie zu reizen, eine Pike setzt) mich anzieht wie ein Feuerwerk, kein
Stern bringt mich weg von hier. Das Ende kommt ja sowieso. Nur später. Wie
in unsrer Milchwirtschaft. All die süßen Kälber? Kebab. Zunächst frierend, halb erstickt in Blut und Schleim; dann sauber-trocken-warm geleckt; aufgestanden;
dem herrlichen Geruch gefolgt, ins pralle Euter eingetaucht und aufgewacht:
allein! In einer Plastikbox?  Auf einer Handvoll Stroh? Jämmerliches Tiergebrüll. Augen rot, Falten steil. Da helfen keine Botox-Spritzen. Was hilft, sind Fernrohre
und Karten, das Ende aller/Geldwirtschaft. Ein Blick auf die Plejaden und
du erkennst, im Sprühnebel aus Blut, Juwelen auf dem Grund der
Nacht: eine Handvoll teurer Steine! Unmöglich, unsre Augen
             jemals wieder abzuwenden —

 

Und wie läuft’s bei euch zur Zeit?
Wieder mal (rot gesehen), ein Geschoß aus Flüchen 
in den leeren Raum geschleudert, keiner hat’s gesehen? (Glaube nicht,
             dass mich die Echos davon nicht erreichen) — 

Wieder mal (rot gesehen), 2024

Foto: Wild rosehips, by Øyvind Holmstad, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Text bezieht sich auf verschiedene Winteraktivitäten (entlang der Farbe rot), wie Vögel füttern (Rotkehlen), Eisbaden (gerötete Haut) oder Sterne beobachten (rote Riesen); der im Text erwähnte „Hundsstern“ Sirius ist der hellste Stern am Nachthimmel und erscheint für Beobachter auf der Erde je nach Standort und Beobachtungszeit (durch die Lichtbrechung an der Atmosphäre) mehrfarbig (auch rot!) funkelnd. Mit dem roten Auge des Stiers ist der rote Riese Aldebaran gemeint, der (wie Sirius) zum Wintersechseck gehört, sowie zum Sternbild Stier: die Hyaden mit Aldebaran bilden sein V-förmiges Gesicht, der Sternhaufen der Plejaden markiert die Flanke. Ihre Schönheit ist unvergleichlich. Zur Beobachtung reicht ein normales Fernglas. 

Immer wieder hilfreich, Meine kleinen Sternenkarten. Danke, seecho!

Plejaden im Sternbild Stier, by Olivier Brinkman, via pexels.com

Wieder mal (rot gesehen),
ein Geschoß aus Flüchen in den leeren
Raum geschleudert, keiner hat’s gesehen? Ach,
Herr Winter, Sie schon wieder, und Herr Winter, gar nicht
frostig: endlich mal ein bisschen Farbe! Das verrückte Rotkehlchen
ist natürlich auch noch da, verjagt ein halbes Dutzend Spatzen, singt
allerliebst: Alles meins! Meint Sämereien, Nüsse, Früchte wie die
Hagebutte, vollgestopft mit Vitaminen und mit fein behaarten Samen.
Getrocknet und verpulvert bringen sie die Haut zum Brennen, wie ein Bad im kalten See. Schrei so laut du kannst! Bald sind deine Nerven taub.
Dann wird alles still. Du atmest ein, du atmest aus. Blut strömt in dein
Herz. Vertrautes Klirren deiner Ketten, sind nur Bruchstücke aus Eis. Die kleinen Freuden der Provinz: dunkle Nächte, helle Sterne. Nur den Hundsstern, meide lieber, auch wenn der am Hellsten strahlt. Ich war
dort; es war im Traum. Geschiebe aus Materiebrocken, Konvektion
in Feuerströmen, übermächtiger Gestank nach Teufel. 
             Da bin ich wieder abgehauen —

 

Selbst wenn dein rotes Auge,
Stier, seit Jahrmillionen auf mir ruht, selbst
wenn dein Sprühregen aus Blut (dort, wo man Kampfstieren,
um sie zu reizen, eine Pike setzt) mich anzieht wie ein Feuerwerk,
kein Stern bringt mich weg von hier. Das Ende kommt ja sowieso.
Nur später. Wie in unsrer Milchwirtschaft. All die süßen Kälber? Kebab.
Zunächst frierend, halb erstickt in Blut und Schleim; dann sauber, trocken, warm geleckt; aufgestanden; dem herrlichem Geruch gefolgt, ins pralle Euter eingetaucht und aufgewacht: allein! In einer Plastikbox? Auf einer Handvoll Stroh! Jämmerliches Tiergebrüll. Augen rot, Falten steil. Da
helfen keine Botox-Spritzen. Was hilft, sind Fernrohre und Karten, das
Ende aller/Geldwirtschaft. Ein Blick auf die Plejaden und du erkennst im Sprühnebel aus Blut, Juwelen auf dem Grund der Nacht:
eine Handvoll teurer Steine! Unmöglich, unsre Augen
             jemals wieder abzuwenden —

 

Und wie läuft’s bei euch zur Zeit?
Wieder mal (rot gesehen), ein Geschoß aus Flüchen 
in den leeren Raum geschleudert, keiner hat’s gesehen? (Glaube nicht,
             dass mich die Echos davon nicht erreichen) —

Wieder mal (rot gesehen), 2024

Foto: Wild rosehips, by Øyvind Holmstad, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Text bezieht sich auf verschiedene Winteraktivitäten (entlang der Farbe rot), wie Vögel füttern (Rotkehlen), Eisbaden (gerötete Haut) oder Sterne beobachten (rote Riesen); der im Text erwähnte „Hundsstern“ Sirius ist der hellste Stern am Nachthimmel und erscheint für Beobachter auf der Erde je nach Standort und Beobachtungszeit (durch die Lichtbrechung an der Atmosphäre) oft mehrfarbig funkelnd. Mit dem roten Auge des Stiers ist der rote Riese Aldebaran gemeint, der (wie Sirius) zum Wintersechseck gehört, sowie zum Sternbild Stier: die Hyaden mit Aldebaran bilden sein V-förmiges Gesicht, der Sternhaufen der Plejaden markiert die Flanke. Ihre Schönheit ist unvergleichlich. Zur Beobachtung reicht ein normales Fernglas. 

Immer wieder hilfreich, Meine kleinen Sternenkarten. Danke, seecho!

Plejaden im Sternbild Stier, by Olivier Brinkman, via pexels.com

Wieder mal (rot gesehen), ein Geschoß aus Flüchen in den leeren Raum geschleudert, keiner hat’s gesehen? Ach, Herr Winter, Sie schon wieder, und Herr Winter, gar nicht frostig: 
endlich mal ein bisschen Farbe! Das verrückte Rotkehlchen ist natürlich auch noch da, verjagt ein halbes Dutzend Spatzen, singt allerliebst, alles meins! Meint Sämereien, Nüsse, Früchte wie die Hagebutte, vollgestopft mit Vitaminen und mit fein behaarten Samen. Getrocknet und verpulvert bringen sie die Haut zum Brennen, wie ein Bad im kalten See. Schrei so laut du kannst! Bald sind deine Nerven taub. Dann wird alles still. Du atmest ein, du atmest aus. Blut strömt in dein Herz. Vertrautes Klirren deiner Ketten, sind nur 
Bruchstücke aus Eis. Die kleinen Freuden der Provinz: dunkle Nächte, helle Sterne. Nur den Hundsstern, meide lieber, auch wenn der am Hellsten strahlt. Ich war dort; es war im Traum. Geschiebe aus Materiebrocken, Konvektion in Feuerströmen, übermächtiger Gestank nach Teufel. Da bin ich wieder abgehauen —

 

Selbst wenn dein rotes Auge, Stier, seit Jahrmillionen auf mir ruht, selbst wenn dein Sprühregen aus Blut (dort, wo man Kampfstieren, um sie zu reizen, eine Pike setzt) mich anzieht wie ein Feuerwerk, kein Stern bringt mich weg von hier. Das Ende kommt ja sowieso. Nur später. Wie in unsrer  Milchwirtschaft. All die süßen Kälber? Kebab. Zunächst frierend, halb erstickt in Blut und Schleim; dann sauber, trocken, warm geleckt, aufgestanden; dem herrlichen Geruch gefolgt, ins pralle Euter eingetaucht und aufgewacht: allein! In einer Plastikbox? Auf einer Handvoll Stroh? Jämmerliches Tiergebrüll. Augen rot, Falten steil. Da helfen keine Botox-Spritzen. Was hilft, sind Fernrohre und Karten, das Ende aller/Geldwirtschaft. Ein Blick auf die Plejaden und du erkennst im Sprühnebel aus Blut, Juwelen auf dem Grund der Nacht: eine  Handvoll teurer Steine! Unmöglich, unsre Augen jemals wieder abzuwenden —

 

Und wie läuft’s bei euch zur Zeit? Wieder mal (rot gesehen), ein Geschoß aus Flüchen in den leeren Raum geschleudert, keiner hat’s gesehen? (Glaube nicht, dass mich die Echos 
davon nicht erreichen) —

Wieder mal (rot gesehen), 2024

Foto: Wild rosehips, by Øyvind Holmstad, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Text bezieht sich auf verschiedene Winteraktivitäten (entlang der Farbe rot), wie Vögel füttern (Rotkehlen), Eisbaden (gerötete Haut) oder Sterne beobachten (rote Riesen); der im Text erwähnte „Hundsstern“ Sirius ist der hellste Stern am Nachthimmel und erscheint für Beobachter auf der Erde je nach Standort und Beobachtungszeit (durch die Lichtbrechung an der Atmosphäre) mehrfarbig funkelnd. Mit dem roten Auge des Stiers ist der rote Riese Aldebaran gemeint, der (wie Sirius) zum Wintersechseck gehört, sowie zum Sternbild Stier: die Hyaden mit Aldebaran bilden sein V-förmiges Gesicht, der Sternhaufen der Plejaden markiert die Flanke. Ihre Schönheit ist unvergleichlich. Zur Beobachtung reicht ein normales Fernglas.

Immer wieder hilfreich, Meine kleinen Sternenkarten. Danke, seecho!