
Ars adeo latet arte sua. So sehr verbirgt er seine Kunst in der Kunst.
Pygmalion, Ovid, Metamorphosen
Bist du oder bist du
nicht? Dumm wie Brot? Überschätzt
wie weißes Mehl? Kein Nährwert, nichts, nur
Stärke, die, anstatt uns stark zu machen, fetter macht
und fauler macht? Zum Vögeln viel zu müde, aber nie zu faul,
um ein paar Weiber vor dir herzutreiben? Bist du vielleicht ein Weiber-
feind? Der Künstler schmollt. Zieht sich ins Atelier zurück, um die perfekte
Frau zu schaffen, schön wie Venus, kalt wie Stein. Ihr Name: Galatea. Seiner
ist: Pygmalion. Die Geschichte kennt wohl jeder! Sie führt in die Vogelwelt,
weil Zeit dort keine Rolle spielt. Wir schweigen, wenn der Pirol singt. Wie
fremd er klingt, wirst du später zu mir sagen, anders, wie im letzten
Jahr. Stimmt genau! Weil wir uns einfach alles sagen, wenn
wir über Vögel sprechen? Na, Pygmalion,
fehlt dir was?
Vielleicht das Salz?
Brauchst du, statt ach-so-feinem
Mehl, vielleicht was Gröberes? Wie Gries?
Dann wird vielleicht ein Riebel draus und der geht so:
Mit Salz und Butter Milch aufkochen, Gries einrühren, warten,
bis die Masse dickt. Dann den Topf vom Feuer nehmen, quellen lassen.
In der alten Eisenpfanne Butter schmelzen, Gries anrösten, was bedeutet:
wenden, stoßen, wenden, stoßen, wieder stoßen, wieder wenden, jetzt von
vorne, dann von hinten und noch einmal, bis der Gries so goldbraun wird wie
deine Haut! Mit Zucker, Zimt und Apfelmus ein Hochgenuss wie dein Kuss, der
den kühlsten Stein erweicht, bis der sich nach und nach erwärmt: Galatea!?
Der Künstler tritt zurück, betrachtet seine Schöpfung, die sich regt und,
kann es wahr sein, lebt — ? (wenn auch ein wenig ungeschickt,
das unterkühlte Marmorweib) Na, Galatea,
sag doch was!Bist du oder bist du
nicht? Dumm wie Brot? Überschätzt
wie weißes Mehl? Schmeckst du Salz auf deiner Haut?
Oder ist es meine Haut? Wer spürt wen? Und wer weiß, was Liebe ist?
Wer weiß denn schon, was Liebe ist —
Weiberfeind, 2025
Foto: Pirol (Oriolus oriolus), by Kookaburra 81, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Rieb(e)l = traditionelles Arme-Leute-Gericht aus dem Vorarlberger und St. Galler Rheintal
Der Text bezieht sich auf den antiken Pygmalion-Stoff. Bei Ovid gehört er zu mehreren Gesängen des Orpheus über „auf Irrwege geratene Liebesleidenschaften“ (Vgl. Ulrich Schmitzer, Pygmalions Traum oder Ovid schafft einen neuen Mythos, via: Propylaeum-DOK 2024), aber der Kern der Handlung ist schnell erzählt: Aufgrund schlechter Erfahrungen wird der zypriotische Bildhauer Pygmalion ein Frauenfeind, der nur mehr für seine Kunst lebt. Als er eine Frauenstatue aus Elfenbein erschafft, verliebt er sich in seine eigene Schöpfung, und sie erwacht zum Leben (Vgl. Pygmalion, Ovid, Metamorphosen, via Gutenberg).

Ars adeo latet arte sua. So sehr verbirgt er seine Kunst in der Kunst.
Pygmalion, Ovid, Metamorphosen
Bist du oder bist du
nicht? Dumm wie Brot? Über-
schätzt wie weißes Mehl? Kein Nährwert,
nichts, nur Stärke, die, anstatt uns stark zu machen,
fetter macht und fauler macht? Zum Vögeln viel zu müde, aber
nie zu faul, um ein paar Weiber vor dir herzutreiben? Bist du vielleicht
ein Weiberfeind? Der Künstler schmollt. Zieht sich ins Atelier zurück, um
die perfekte Frau zu schaffen, schön wie Venus, kalt wie Stein. Ihr Name:
Galatea. Seiner ist: Pygmalion. Die Geschichte kennt wohl jeder! Sie führt
in die Vogelwelt, weil Zeit dort keine Rolle spielt. Wir schweigen, wenn der
Pirol singt. Wie fremd er klingt, wirst du später zu mir sagen, anders,
wie im letzten Jahr. Stimmt genau! Weil wir uns einfach alles
sagen, wenn wir über Vögel sprechen? Na,
Pygmalion, fehlt dir was?
Vielleicht das Salz?
Brauchst du, statt ach-so-feinem
Mehl, was Griffiges? Z.B. Gries? Dann wird
vielleicht ein Riebel draus und der geht so: Mit Salz und
Butter Milch aufkochen, Gries einrühren, warten, bis die Masse
dickt. Dann den Topf vom Feuer nehmen, quellen lassen. In der alten
Eisenpfanne Butter schmelzen, Gries anrösten, was bedeutet: wenden,
stoßen, wenden, stoßen, wieder stoßen, wieder wenden, jetzt von vorne,
dann von hinten und noch einmal, bis der Gries so goldbraun wird wie deine Haut! Mit Zucker, Zimt und Apfelmus ein Hochgenuss wie dein Kuss, der den kühlsten Stein erweicht, bis er sich nach und nach erwärmt: Galatea!? Der Künstler tritt zurück, betrachtet seine Schöpfung, die sich regt und,
kann es wahr sein, lebt — ? (wenn auch ein wenig ungeschickt,
das unterkühlte Marmorweib) Na, Galatea,
sag doch was!Bist du oder bist du
nicht? Dumm wie Brot? Überschätzt
wie weißes Mehl? Schmeckst du Salz auf deiner Haut?
Oder ist es meine Haut? Wer spürt wen? Und wer weiß, was Liebe ist?
Wer weiß denn schon, was Liebe ist —
Weiberfeind, 2025
Foto: Pirol (Oriolus oriolus), by Kookaburra 81, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Rieb(e)l = traditionelles Arme-Leute-Essen aus dem Vorarlberger und St. Galler Rheintal
Der Text bezieht sich auf den antiken Pygmalion-Stoff. Bei Ovid gehört er zu mehreren Gesängen des Orpheus über „auf Irrwege geratene Liebesleidenschaften“ (Vgl. Ulrich Schmitzer, Pygmalions Traum oder Ovid schafft einen neuen Mythos, via: Propylaeum-DOK 2024), aber der Kern der Handlung ist schnell erzählt: Aufgrund schlechter Erfahrungen wird der zypriotische Bildhauer Pygmalion ein Frauenfeind, der nur mehr für seine Kunst lebt. Als er eine Frauenstatue aus Elfenbein erschafft, verliebt sich der Künstler in seine eigene Schöpfung und sie erwacht zum Leben (Vgl. Pygmalion, Ovid, Metamorphosen, via Gutenberg).

Ars adeo latet arte sua. So sehr verbirgt er seine Kunst in der Kunst. (Pygmalion, Ovid, Metamorphosen)
Bist du oder bist du nicht? Dumm wie Brot? Überschätzt wie weißes Mehl? Kein Nährwert, nichts, nur Stärke, die, anstatt uns stark zu machen, fetter macht und fauler macht? Zum Vögeln viel zu müde, aber nie zu faul, um ein paar Weiber vor dir herzutreiben? Bist du vielleicht ein Weiberfeind? Der Künstler schmollt. Zieht sich ins Atelier zurück, um die perfekte Frau zu schaffen, schön wie Venus, kalt wie Stein. Ihr Name: Galatea. Seiner ist: Pygmalion. Die Geschichte kennt wohl jeder! Sie führt in die Vogelwelt, weil Zeit dort keine Rolle spielt. Wir schweigen, wenn der Pirol singt. Wie fremd er klingt, wirst du später zu mir sagen, anders, wie im letzten Jahr. Stimmt genau! Weil wir uns einfach alles sagen, wenn wir über Vögel sprechen? Na, Pygmalion, fehlt dir was?
Vielleicht das Salz? Brauchst du statt ach-so-feinem Mehl was Gröberes? Z.B. Gries? Dann wird vielleicht ein Riebel draus und der geht so: Mit Salz und Butter Milch aufkochen, Gries einrühren, warten, bis die Masse dickt. Dann den Topf vom Feuer nehmen, quellen lassen. In der alten Eisenpfanne Butter schmelzen, Gries anrösten, was bedeutet: wenden, stoßen, wenden, stoßen, wieder stoßen, wieder wenden, jetzt von vorne, dann von hinten und noch einmal, bis der Gries so goldbraun wird wie deine Haut! Mit Zucker, Zimt und Apfelmus ein Hochgenuss wie dein Kuss, der den kühlsten Stein erweicht, bis er sich nach und nach erwärmt: Galatea!? Der Künstler tritt zurück, betrachtet seine Schöpfung, die sich regt und, kann es wahr sein, lebt — ? (wenn auch ein wenig ungeschickt, das unterkühlte Marmorweib) Na, Galatea, sag doch was!
Bist du oder bist du nicht? Dumm wie Brot? Überschätzt wie weißes Mehl? Schmeckst du Salz auf deiner Haut? Oder ist es meine Haut? Wer spürt wen? Und wer weiß, was Liebe ist? Wer weiß denn schon, was Liebe ist —
Weiberfeind, 2025
Foto: Pirol (Oriolus oriolus), by Kookaburra 81, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Rieb(e)l = traditionelles Arme-Leute-Gericht aus dem Vorarlberger und St. Galler Rheintal
Der Text bezieht sich auf den antiken Pygmalion-Stoff. Bei Ovid gehört er zu mehreren Gesängen des Orpheus über „auf Irrwege geratene Liebesleidenschaften“ (Vgl. Ulrich Schmitzer, Pygmalions Traum oder Ovid schafft einen neuen Mythos, via: Propylaeum-DOK 2024), aber der Kern der Handlung ist schnell erzählt: Aufgrund schlechter Erfahrungen wird der zypriotische Bildhauer Pygmalion ein Frauenfeind, der nur mehr für seine Kunst lebt. Als er eine Frauenstatue aus Elfenbein erschafft, verliebt er sich in seine eigene Schöpfung und sie erwacht zum Leben (Vgl. Pygmalion, Ovid, Metamorphosen, via Gutenberg).
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