Traumdeutung für Anfänger

Zoobesucher, by Kevin Bidwell, via pexels

Natürlich ist da
diese Angst. Natürlich ist sie weiblich,
so wie der Mut männlich ist. Der Somalier lacht. Zähne blitzen.
Wovor hast du Angst? — Vor Löwen. Wieso Löwen? Sie sind draußen.
             Nicht im Dorf.  

 
Afrika 1898. Hinter uns,
lang und glänzend, Schienenstränge.
Vor uns, der Tsavo, aufgewühlt und rot. Gibt es eine
schönere 
Aufgabe, als eine Brücke zu bauen? Über dem Wasser
einen Weg 
zu errichten und damit Welten zu verbinden?*  Wären da nicht
Löwen, zwei, die Menschen fressen. Brüllen, Chaos, Schleifen, Stille. Sattes
Schnurren nach der Mahlzeit. In den Nächten, wiederkehrend, Löwenträume.
Und alles, was wir haben, ist eine Notbrücke aus Holz. Sie wird so sicher
fortgerissen, wie Ungan Singh aus seinem Zelt. Was wir hier brauchen:
Stahl und Steine. Und Arbeiter, die arbeiten, statt sich
dauernd anzuscheißen. Sterben wie das
             Vieh, an Fliegen!

Dicke Luft im Lazarett.
Noch mehr Opium, Laudanum. Gegen
Löwen hilft das nicht. Genauso wenig wie die Wälle
aus Gestrüpp und Dornen. Versteckst du dich in einem der Waggons,
wirst du herausgezerrt wie Dosenfleisch. Allzu leichte Beute, Menschen!
Kennen ihren Gegner kaum. Mähnenlose Riesenlöwen aus dem — was?
Pleistozän? Wohl dem, der Waffen hat und Söhne! Wachen über deinen
Schlaf, stellen deine Brücke fertig oder ist das nur ein Traum?
Dein Stöhnen unter vielen Stimmen. Betten knarren,
          Löwenknurren —

 

Fällt ein Schuss!?
Repetieren, wieder schießen. Vom Feuer
und vom großen Fest wirst du nichts mehr mitbekommen. Und
deine Brücke? Kann ich sehen, genauso klar wie dich.
             Und Winken von der anderen Seite —

Traumdeutung für Anfänger, 2026

* Das kursiv gesetzte Zitat stammt aus dem US-amerikanischen Actionfilm „The Ghost and the Darkness“ von Stephen Hopkins, 1996

Herzlichen Dank, Manfred Helmer!

Foto: Alte Eisenbahnbrücke „Man-Eaters-Bridge“ über den Tsavo, Manfred Helmer, Kenia 2014

Zoobesucher, by Kevin Bidwell, via pexels

Natürlich ist da
diese Angst. Natürlich ist sie weiblich,
so wie der Mut männlich ist. Der Somalier lacht. Zähne blitzen.
Wovor hast du Angst? — Vor Löwen. Wieso Löwen? Sie sind draußen.
             Nicht im Dorf.  

 
Afrika 1898. Hinter uns,
lang und glänzend, Schienenstränge.
Vor uns, der Tsavo, aufgewühlt und rot. Gibt es eine
schönere 
Aufgabe, als eine Brücke zu bauen? Über dem Wasser
einen Weg 
zu errichten und damit Welten zu verbinden?*  Wären da nicht
Löwen, zwei, die Menschen fressen. Brüllen, Chaos, Schleifen, Stille. Sattes
Schnurren nach der Mahlzeit. In den Nächten, wiederkehrend, Löwenträume.
Und alles, was wir haben, ist eine Notbrücke aus Holz. Sie wird so sicher
fortgerissen, wie Ungan Singh aus seinem Zelt. Was wir hier brauchen:
Stahl und Steine. Und Arbeiter, die arbeiten, statt sich
dauernd anzuscheißen. Sterben wie das
             Vieh, an Fliegen!

Dicke Luft im Lazarett.
Noch mehr Opium, Laudanum. Gegen
Löwen hilft das nicht. Genauso wenig wie die Wälle
aus Gestrüpp und Dornen. Versteckst du dich in einem der Waggons,
wirst du herausgezerrt wie Dosenfleisch. Allzu leichte Beute, Menschen!
Kennen ihren Gegner kaum. Mähnenlose Riesenlöwen aus dem — was?
Pleistozän? Wohl dem, der Waffen hat und Söhne! Wachen über deinen
Schlaf, stellen deine Brücke fertig oder ist das nur ein Traum?
Dein Stöhnen unter vielen Stimmen. Betten knarren,
          Löwenknurren —

 

Fällt ein Schuss!?
Repetieren, wieder schießen. Vom Feuer
und vom großen Fest wirst du nichts mehr mitbekommen. Und
deine Brücke? Kann ich sehen, genauso klar wie dich.
             Und Winken von der anderen Seite —

Traumdeutung für Anfänger, 2026

* Das kursiv gesetzte Zitat stammt aus dem US-amerikanischen Actionfilm „The Ghost and the Darkness“ von Stephen Hopkins, 1996

Herzlichen Dank, Manfred Helmer!

Foto: Alte Eisenbahnbrücke „Man-Eaters-Bridge“ über den Tsavo, Manfred Helmer, Kenia 2014

Zoobesucher, by Kevin Bidwell, via pexels

Natürlich ist da diese Angst. Natürlich ist sie weiblich, so wie der Mut männlich ist. Der Somalier lacht. Zähne blitzen. Wovor hast du Angst? — Vor Löwen. Wieso Löwen? Sie sind draußen. Nicht im Dorf.  

 
Afrika 1898. Hinter uns, lang und glänzend, Schienenstränge. Vor uns, der Tsavo, aufgewühlt und rot. Gibt es eine schönere Aufgabe, als eine Brücke zu bauen? Über dem Wasser einen Weg zu errichten und damit Welten zu verbinden?*  Wären da nicht Löwen, zwei, die Menschen fressen. Brüllen, Chaos, Schleifen, Stille. Sattes Schnurren nach der Mahlzeit. In den Nächten, wiederkehrend, Löwenträume. Und alles, was wir haben, ist eine Notbrücke aus Holz. Sie wird so sicher fortgerissen, wie Ungan Singh aus seinem Zelt. Was wir hier brauchen: Stahl und Steine. Und Arbeiter, die arbeiten, statt sich dauernd anzuscheißen. Sterben wie das Vieh. An Fliegen!

Dicke Luft im Lazarett. Noch mehr Opium, Laudanum. Gegen Löwen hilft das nicht. Genauso wenig wie die Wälle aus Gestrüpp und Dornen. Versteckst du dich in einem der Waggons, wirst du herausgezerrt wie Dosenfleisch. Allzu leichte Beute, Menschen!
Kennen ihren Gegner kaum. Mähnenlose Riesenlöwen aus dem — was? Pleistozän? Wohl dem, der Waffen hat und Söhne! Wachen über deinen Schlaf, stellen deine Brücke fertig oder ist das nur ein Traum? Dein Stöhnen unter vielen Stimmen. Betten knarren, Löwenknurren —

Fällt ein Schuss!? Repetieren, wieder schießen. Vom Feuer und vom großen Fest wirst du nichts mehr mitbekommen. Und deine Brücke? Kann ich sehen, genauso klar wie dich. Und Winken von der anderen Seite —

Traumdeutung für Anfänger, 2026

* Das kursiv gesetzte Zitat stammt aus dem US-amerikanischen Actionfilm „The Ghost and the Darkness“ von Stephen Hopkins, 1996

Herzlichen Dank, Manfred Helmer!

Foto: Alte Eisenbahnbrücke „Man-Eaters-Bridge“ über den Tsavo, Manfred Helmer, Kenia 2014