Sonne, Mond

Total Lunar Eclipse, by Alfredo Garcia, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Sonne, Mond und
wir dazwischen. Unbestritten,
Himmelsmacht, die ein Dutzend fremder
Menschen für die Spanne einer Zeit zusammenbringt,
die im Leben nichts bedeutet, aber unvergessen bleibt. So wie
eine Finsternis. Ist das schon alles? Nichts Größeres passiert dort draußen
oder hier? Hat kein Gewicht, das Gedicht! Wegwerfend, deine Handbewegung.
Schau dich doch um! Was siehst du? Einen Platz in einem Dorf auf, sagen wir,
eintausend Metern. Auf dem Platz, ein paar Bänke, allesamt besetzt. Jung und
Alt. Einer sagt, er habe alle Berge, bis auf einen, hier bestiegen, aber heute
braucht er (achtundsechzig) dreimal länger bis zum Gipfel; Klagt, er habe
Zucker. Zucker? Was steht noch im Textbuch drin? Da steht nichts,
nur: Sonne (ab), Mond (geht auf). Und vom Zucker?
             Nichts, kein Wort! 

Wie wär’s mit einem
reifen Pfirsich? Blassrosa wie der
Mond, wenn er sich endlich zeigt. Alle warten.
Miteinander. Höre Rufe, laut: Er kommt! Köpfe, ostwärts.
Augen auf den Mond gerichtet, der errötend, Blutmond heißt.
Unter Schmerzen was bewegt, wie Meere/Heere nur bei Neumond,
wenn es zappenduster ist. Dabei bescheiden, stets im Hintergrund, ganz
ohne großes Leuchten, dieser bleiche Klumpen Erde, grob aus ihr heraus-
gehauen, so wie Eva aus dem Brustkorb Adams, eine Rippe, seine Rippe,
verbogen und verkauft. Sag, wird das hier ein Klagelied? Steht das
so im Textbuch drin? Da steht doch nur: Sonne (ab) und
Mond (geht auf). Vom Weiberleid, 
             kein Sterbenswort.

Und jetzt,
Schweigen oder was?
Was, wenn die beiden (Sonne, Mond),
von der Erde aus betrachtet, fast dieselbe Größe haben?
Dann macht der Mond die Sonne weg. Und du? Lachst dazu! Streckst
die Hand Richtung Himmel und bedeckst mit deinem Daumen jeden noch so 
fernen Stern. Für die Spanne einer Zeit, die im Leben nichts bedeutet,
aber unvergessen bleibt, lachen alle. Miteinander.
             Keiner sagt ein Wort.

Sonne, Mond, 2025

Foto: Sonnenkorona, by Luc Viatour,  CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Der Text bezieht sich auf die Totale Mondfinsternis vom 7. September 2025 und die demnächst stattfindende (partielle) Sonnenfinsternis am 21.9.2025 , die ihren maximalen Bedeckungsgrad im Seegebiet südlich von Neuseeland erreicht. Am 22.9.2025 sind Tag und Nacht annähernd gleich lang.

Total Lunar Eclipse, by Alfredo Garcia, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Sonne, Mond und
wir dazwischen. Unbestritten,
Himmelsmacht, die ein Dutzend fremder
Menschen für die Spanne einer Zeit zusammenbringt,
die im Leben nichts bedeutet, aber unvergessen bleibt. So wie
eine Finsternis. Ist das schon alles? Nichts Größeres passiert dort
draußen oder hier? Hat kein Gewicht, das Gedicht! Wegwerfend, deine Handbewegung. Schau dich um! Was siehst du? Einen Platz in einem Dorf
auf, sagen wir, eintausend Metern. Auf dem Platz, ein paar Bänke, allesamt besetzt. Jung und Alt. Einer sagt, er habe alle Berge, bis auf einen, hier
bestiegen, aber heute braucht er (achtundsechzig) dreimal länger bis
zum Gipfel; Klagt, er habe Zucker. Zucker? Was steht noch im
Textbuch drin? Da steht nichts, nur: Sonne (ab), Mond
(geht auf). Und vom Zucker? Nichts,
             kein Wort. 

 

Wie wär’s mit einem
reifen Pfirsich? Blassrosa wie der
Mond, wenn er sich endlich zeigt. Alle warten.
Miteinander. Höre Rufe, laut: Er kommt! Köpfe, ostwärts.
Augen auf den Mond gerichtet, der errötend, Blutmond heißt.
Unter Schmerzen was bewegt, wie Meere/Heere nur bei Neumond,
wenn es zappenduster ist. Dabei bescheiden, stets im Hintergrund,
ganz ohne großes Leuchten, dieser bleiche Klumpen Erde, grob aus ihr
herausgehauen, wie einst Eva aus dem Brustkorb Adams, eine Rippe,
seine Rippe, verbogen und verkauft. Sag, wird das hier ein Klagelied?
Steht das so im Textbuch drin? Da steht doch nur: Sonne
(ab) und 
Mond (geht auf). Vom Weiberleid,
             kein Sterbenswort. 

 

Und jetzt, Schweigen
oder was? Was, wenn die beiden
(Sonne, Mond), von der Erde aus betrachtet,
fast 
dieselbe Größe haben? Dann macht der Mond die Sonne
weg. 
Und jetzt du! Du lachst dazu? Streckst die Hand Richtung Himmel
und bedeckst  mit deinem Daumen 
jeden noch so fernen Stern. Für
die Spanne einer Zeit, die im Leben
nichts bedeutet, aber
unvergessen bleibt, lachen alle.
Miteinander. 

            Keiner sagt ein Wort.

Sonne, Mond, 2025

Foto: Sonnenkorona, by Luc Viatour,  CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Der Text bezieht sich auf die Totale Mondfinsternis vom 7. September 2025 und die demnächst stattfindende (partielle) Sonnenfinsternis am 21.9.2025 , die ihren maximalen Bedeckungsgrad im Seegebiet südlich von Neuseeland erreicht. Am 22.9.2025 sind Tag und Nacht annähernd gleich lang.

Total Lunar Eclipse, by Alfredo Garcia, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Sonne, Mond und wir dazwischen. Unbestritten, Himmelsmacht, die ein Dutzend fremder Menschen für die Spanne einer Zeit zusammenbringt, die im Leben nichts bedeutet, aber unvergessen bleibt. So wie eine Finsternis. Ist das alles? Nichts Größeres passiert dort draußen oder hier? Hat kein Gewicht, das Gedicht! Wegwerfend, deine Handbewegung. Schaust dich um. Was siehst du? Einen Platz in einem Dorf auf, sagen wir, eintausend Metern. Auf dem Platz, ein paar Bänke, allesamt besetzt. Jung und Alt. Einer sagt, er habe alle Berge, bis auf einen, hier bestiegen, aber heute braucht er (achtundsechzig) dreimal länger bis zum Gipfel; Klagt, er habe Zucker. Zucker? Was steht noch im Textbuch drin? Da steht nichts, nur: Sonne (ab), Mond (geht auf). Und vom Zucker? Nichts, kein Wort! 

 

Wie wär’s mit einem reifen Pfirsich? Blassrosa wie der Mond, wenn er sich endlich zeigt. Alle warten.
Miteinander. Höre Rufe, laut: Er kommt! Köpfe, ostwärts. Augen auf den Mond gerichtet, der errötend, Blutmond heißt. Unter Schmerzen was bewegt, wie Meere/Heere nur bei Neumond, wenn es zappenduster ist. Dabei bescheiden, stets im Hintergrund, ganz ohne großes Leuchten, dieser bleiche Klumpen Erde, grob aus ihr herausgehauen, wie einst Eva aus dem Brustkorb Adams, eine Rippe, seine Rippe, verbogen und verkauft. Wird das hier ein Klagelied? Steht das so im Textbuch drin? Da steht doch nur: Sonne (ab) und Mond (geht auf). Vom Weiberleid, kein Sterbenswort. 

Und jetzt Schweigen, oder was? Was, wenn die beiden (Sonne, Mond), von der Erde aus betrachtet, fast dieselbe Größe haben? Dann macht der Mond die Sonne weg. Was sagst du? Du lachst dazu? Streckst die Hand Richtung Himmel und bedeckst mit deinem Daumen jeden noch so fernen Stern. Und für die Spanne einer Zeit, die im Leben nichts bedeutet, aber unvergessen bleibt, lachen alle. Miteinander.  Keiner sagt ein Wort.

Sonne, Mond, 2025

Foto: Sonnenkorona, by Luc Viatour,  CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Der Text bezieht sich auf die Totale Mondfinsternis vom 7. September 2025 und die demnächst stattfindende (partielle) Sonnenfinsternis am 21.9.2025 , die ihren maximalen Bedeckungsgrad im Seegebiet südlich von Neuseeland erreicht.
Am 22.9.2025 sind Tag und Nacht dann annähernd gleich lang.