Heimatmuseum

Dieser vielfach verwitterte
Stockzahn der Berge über dem Dach des
Heimatmuseums und darunter, gut geschützt, sein Zwilling
hinter Glas: ein Backenzahn, groß wie zwei geballte Fäuste. Kaum
abgekaut die Buckel scheinen sie fast unberührt vom harten Überlebenskampf,
den das Tier verloren hat. Abgerutscht am Wasserloch, abgesunken auf den
Grund und weiter zog die Herde. Im Rücken, sich mühsam erhebend, die Alpen. Unbeleckt von Gletscherzungen und gerade groß genug, um den Blick
zu verstellen: auf Europas Inselwelt und bis weit nach Norden hin,
wo das Meer nicht friert, die Arktis. Was haben wir gelacht,                  
             viel später bei Vanilleeis — 

Heimatmuseum, 2019

Foto: Miozän, Ghedoghedo, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

2018 wurden am Pfänder bei Bregenz (A) die Backenzähne eines Urzeit-Elefanten gefunden, der vor ca. 15 Millionen Jahren das Grasland einer Welt durchstreifte, in der die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ähnlich hoch war, wie heute.

Dieser vielfach
verwitterte Stockzahn der Berge
über dem Dach des Heimatmuseums und darunter,
gut geschützt, sein Zwilling hinter Glas: ein Backenzahn,
groß wie zwei geballte Fäuste. Kaum abgekaut die Buckel scheinen
sie fast unberührt vom harten Überlebenskampf, den ein Tier verloren hat. Abgerutscht am Wasserloch, abgesunken auf den Grund und weiter zog
die Herde. Im Rücken, sich mühsam erhebend, die Alpen. Unbeleckt von Gletscherzungen und grade groß genug, um den Blick zu verstellen:
auf Europas Inselwelt und bis weit nach Norden hin, wo das
Meer nicht friert, die Arktis. Was haben wir gelacht, 
             viel später bei Vanilleeis — 

Heimatmuseum, 2019       

Foto: Miozän, Ghedoghedo, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons         

2018 wurden am Pfänder bei Bregenz (A) die Backenzähne eines Urzeit-Elefanten gefunden, der vor ca. 15 Mio Jahren das Grasland einer Welt durchstreifte, in der die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ähnlich
hoch war wie heute.

Dieser vielfach verwitterte
Stockzahn der Berge über dem Dach des Heimatmuseums und darunter, gut geschützt, sein Zwilling hinter Glas: ein Backenzahn,  groß wie zwei geballte Fäuste. Kaum abgekaut die Buckel scheinen sie fast unberührt vom harten Überlebenskampf, den das Tier verloren hat. Abgerutscht am Wasserloch, abgesunken auf den Grund und weiter zog die Herde. Im Rücken, sich mühsam erhebend, die Alpen. Unbeleckt von Gletscherzungen und grade groß genug, um den Blick zu verstellen: auf Europas Inselwelt
und bis weit nach Norden hin, wo das Meer nicht friert, die Arktis. Was haben wir gelacht, viel später bei Vanilleeis — 

Heimatmuseum, 2019       

Foto: Miozän, Ghedoghedo, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons         

2018 wurden am Pfänder bei Bregenz (A) die Backenzähne eines Urzeit-Elefanten gefunden, der vor ca. 15 Millionen Jahren das Grasland einer Welt durchstreifte, in der die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ähnlich hoch war wie heute.