Geben Götter

Corona borealis (nördliche Krone), Johannes Hevelius, 1687, Public Domain, via Wikmedia Commons

                 Kommt ein neuer Gott gegangen, hingegeben sind wir stumm.
                                    (Ariadne auf Naxos, Hugo v. Hofmannsthal)

 

Geben Götter Rätsel auf? 
Bist allein im Labyrinth und kein roter
Faden mehr? Die Hand, die sich dir entgegenstreckt, 
berührt dich nicht. Schwebt frei im Raum, als wäre sie ein ferner
Gott, statt Teil von irgendjemandem (ganz nah bei dir)? Du lachst? Nein, 
mein alter Nachbar lacht, der schon lange nicht mehr lebt. War ein alter Eisen-
bahner. Hat  viel Woll-Ziest angepflanzt, viele Meter weichen Woll-Ziest; gut für
ruhelose Hände.  Wem gehören diese Hände? Seiner Frau, die zwischen Woll-Ziest
Unkraut jätet. Beine, dick und blau geschwollen vom Geäst kranker Venen. Der Eisenbahner sieht darin Schienenstränge. Hilft mit Vaseline nach (für den guten Zugverkehr). Bei schlecht gestellten Weichen und verzögerten Signalen helfen
Bauer, Bock und Stöcke und ein Gläschen Schnaps. Dabei andauernd
Zugverkehr! Kinder, Enkel und Verwandte, die sofort beleidigt sind, 
             wenn man sie vergisst —- 

 

Hattest du denn keine Kinder?
Weiß nicht. Hab’s vergessen. Bacchus lacht,
nimmt Ariadne ihre (viel zu schwere) Krone ab und wirft sie
in den Himmel, wo sie gleich zum Sternbild wird. So halten es die Götter.
Uns bleibt die Erde, mit allem, was drauf wächst. Wie Woll-Ziest oder
Unkraut? Weg damit! Hinaus! Sich vorstellen,  
             da wäre der Himmel — 

Geben Götter (zur Erinnerung an Rudl und Edith Flatz), 2024

Foto: Labyrinth von Chartres, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Corona borealis (nördliche Krone), Johannes Hevelius, 1687, Public Domain, via Wikmedia Commons

                 Kommt ein neuer Gott gegangen, hingegeben sind wir stumm.
                                    (Ariadne auf Naxos, Hugo v. Hofmannsthal)

Geben Götter Rätsel auf?

Bist allein im Labyrinth und kein roter 
Faden mehr? Die Hand, die sich dir entgegenstreckt, 
berührt dich nicht? Schwebt frei im Raum, als wäre sie ein 
ferner Gott und nicht Teil von irgendjemandem (ganz nah bei dir)? 
Du lachst? Nein, mein alter Nachbar lacht, der schon lange nicht mehr lebt. 
War ein alter Eisenbahner. Hat viel Woll-Ziest angebaut; viele Meter weichen
Woll-Ziest; gut für ruhelose Hände. Wem gehören diese Hände? Seiner Frau,
die zwischen Woll-Ziest Unkraut jätet. Beine, dick und blau geschwollen, vom Geäst kranker Venen. Der Eisenbahner sieht darin Schienenstränge. Hilft mit Vaseline nach (für den guten Zugverkehr). Bei schlecht gestellten Weichen
und verzögerten Signalen helfen Bauer, Bock und Stöcke und ein
Gläschen Schnaps. Dabei andauernd Zugverkehr! Kinder,
Enkel und Verwandte, die sofort beleidigt sind, 

              wenn man sie vergisst —- 

Hattest du denn keine Kinder?
Weiß nicht. Hab’s vergessen. Bacchus lacht,
nimmt Ariadne ihre (viel zu schwere) Krone ab und wirft sie
in den Himmel, wo sie gleich zum Sternbild wird. So halten es die
Götter. Uns bleibt die Erde, mit allem, was drauf wächst. Wie Woll-Ziest
oder Unkraut? Weg damit! Hinaus! Sich vorstellen,
             da wäre der Himmel — 

Geben Götter (zur Erinnerung an Rudl und Edith Flatz), 2024

Foto: Labyrinth von Chartres, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Corona borealis (nördliche Krone), Johannes Hevelius, 1687, Public Domain, via Wikmedia Commons

Kommt ein neuer Gott gegangen, hingegeben sind wir stumm. (Ariadne auf Naxos, Hugo v. Hofmannsthal) 

Geben Götter Rätsel auf? Bist allein im Labyrinth und kein roter Raden mehr? Die Hand, die sich dir entgegenstreckt, berührt dich nicht? Schwebt frei im Raum, als wäre sie ein fernen Gott, statt Teil von irgendjemandem (ganz nah bei dir)? Du lachst? Nein, mein alter Nachbar lacht, der schon lange nicht mehr lebt. War ein alter Eisenbahner, hat viel Woll-Ziest angepflanzt. Viele Meter weichen Woll-Ziest, gut für ruhelose Hände. Wem gehören diese Hände? Seine Frau, die zwischen Woll-Ziest Unkraut jätet. Beine, dick und blau geschwollen vom Geäst der kranken Venen. Der Eisenbahner sieht darin Schienenstränge. Hilft mit Vaseline nach (für den guten Zugverkehr). Bei schlecht gestellten Weichen und verzögerten Signalen helfen Bauer, Bock und Stöcke und ein Gläschen Schnaps. Dabei andauernd Zugverkehr! Kinder, Enkel und Verwandte, die sofort beleidigt sind, wenn man sie vergisst —


Hattest du denn keine Kinder?
Weiß nicht. Hab’s vergessen. Bacchus lacht, nimmt Ariadne ihre (viel zu schwere) Krone ab und wirft sie in den Himmel, wo sie gleich zum Sternbild wird. So halten es die Götter. Uns bleibt die Erde, mit allem, was drauf wächst. Wie Woll-Ziest oder Unkraut? Weg damit! Hinaus! Sich vorstellen, da wäre der Himmel — 

Geben Götter (zur Erinnerung an Rudl und Edith Flatz), 2024

Foto: Labyrinth von Chartres, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons