Franziskus schläft

Vogelpredigt, Giotto di Bondone, um 1295, San Francesco Assisi

Er muss hundemüde sein.
Als Schutzpatron einer Schöpfung,
die so laut
um Hilfe schreit, dass Kinder weltweit
Schule schwänzen,
Wale taub geworden stranden, millionenfach vergaste
Nerze nackt aus ihren
Gruben steigen, die lächerlich kleinen Ohren
mit Kalk und Erde zugestopft. In China werden Marderhunde angeblich lebendig gehäutet; Virologen beklagen
             die potentielle Virenlast ihrer Todesschreie.

Franziskus schläft. Im Dunkel
meiner
Erinnerung leuchtet Gold um seinen Kopf, während er
mit Spatzen
spricht und selten gewordenen Lerchen predigt, als ob die das
nötig hätten.
Weder seine Vogelpredigt, noch die Kirchenburg aus Stein berühren mich
wie jener stacheldrahtgesäumte
Weg zu den versteckten Carceri*, wo so viel Kaugummi
von Pilgern klebt, dass keine
um ihr Kalb gebrachte Kuh ein Haar läßt.
             Am
Monte Subasio finden Neuntöter andere Dornen.

Franziskus schläft, 2021                    foto: Mauricio Acosta via istockphoto.com

*oberhalb von Assisi gelegene Einsiedelei am Monte Subasio in Umbrien, Italien

Vogelpredigt, Giotto di Bondone, um 1295, San Francesco Assisi

Er muss hundemüde sein;

Als Schutzpatron einer Schöpfung, die so laut
um Hilfe schreit, dass Kinder weltweit Schule schwänzen,
Wale taub geworden stranden, millionenfach vergaste Nerze nackt aus ihren Gruben steigen, die lächerlich kleinen Ohren mit Kalk und Erde
zugestopft.
In China werden Marderhunde angeblich lebendig gehäutet; Virologen
             beklagen die potentielle Virenlast ihrer Todesschreie.
 

Franziskus schläft. Im Dunkel
meiner Erinnerung leuchtet Gold um seinen Kopf,
während er mit Spatzen spricht und selten gewordenen Lerchen predigt,
als ob die das nötig hätten. Weder seine Vogelpredigt, noch seine
Kirchenburg aus Stein berühren mich wie jener stacheldrahtgesäumte Weg zu den
versteckten Carceri*, wo so viel Kaugummi von Pilgern klebt, dass keine
um ihr Kalb
gebrachte Kuh ein Haar läßt. Am Monte Subasio
                    finden Neuntöter andere Dornen.

Franziskus schläft, 2021                   foto: Mauricio Acosta via istockphoto.com

*oberhalb von Assisi gelegene Einsiedelei am Monte Subasio in Umbrien, Italien

Vogelpredigt, Giotto di Bondone, um 1295, San Francesco Assisi

Er muss hundemüde sein;

Als Schutzpatron einer Schöpfung, die so laut
um Hilfe schreit, dass Kinder weltweit Schule schwänzen,
Wale taub geworden stranden, millionenfach vergaste Nerze nackt aus ihren Gruben steigen, die lächerlich kleinen Ohren mit Kalk und Erde
zugestopft. In China werden Marderhunde angeblich lebendig gehäutet; Virologen beklagen die potentielle Virenlast ihrer Todesschreie –

 

Franziskus schläft. Im Dunkel meiner Erinnerung leuchtet Gold um seinen Kopf, während er mit Spatzen spricht und selten gewordenen Lerchen predigt, als ob die das nötig hätten. Weder seine Vogelpredigt, noch seine Kirchenburg aus Stein berühren mich wie jener stacheldrahtgesäumte
Weg
zu den versteckten Carceri*, wo so viel Kaugummi von Pilgern klebt, dass keine um ihr Kalb gebrachte Kuh ein Haar läßt. Am Monte Subasio finden Neuntöter andere Dornen.

Franziskus schläft, 2021                                        

foto: Mauricio Acosta via istockphoto.com

*oberhalb von Assisi gelegene Einsiedelei am Monte Subasio in Umbrien, Italien