
Spiel mir das Lied
auf der alten Knochenflöte,
während ich von Tieren träume (Käfer,
Bienen, solche Sachen), bis es staubt und dröhnt —
von Hufen? Die Stampede!? Frage Frauen, die sich öffnen,
wie ein Vogel: Brust und Bauch hervorgewölbt, beide Schenkel hoch-
gezogen; Dort, wo man den Vogel stopft (mit Fett, Kraut, Beeren, was auch
immer), liegt der dunkle Höhleneingang. Dass wir uns von ganz tief drinnen
bald zurück ins Leben träumen? Dass der Traum nicht vorschnell endet! Immer
wieder, Kopf voraus, hinausgepresst: käseweiß, verschleimt und schreiend,
aber ja – wir leben noch! Sind doch gar nicht tot zu kriegen (wie die Pech-vögel von Gaza, von Somalia, der Ukraine). Sitzen hier! Behaglich ein-
gehüllt in Felle; lauschen sanften Flötentönen (aus den Knochen
eines Geiers), wiegen uns in Sicherheit, und dann
kommst du, ein Löwe — ?
Tod, dein altes
Maskenspiel! Dass wir uns so
leicht ergeben, und so willig dem Klischee!
Brust und Bauch hervorgewölbt, beide Schenkel hoch-
gezogen, wie ein Vogel kurz vorm Stopfen! Willst du das? Schreist,
ja, ja, ja!!! Weil du bist, wer du bist: halb Mensch (so warm, die glatte Haut),
halb Tier (Augen schwarz, schmal vor Zorn). Spielst mir hier das alte Lied!?
Fährt so tief in mich hinein, klingt so vertraut zu mir herauf. Jeder, der es hören
kann, kann es sofort verstehen. Auch ich, ein Löwe? Ja, auch du. Auch deine
Krallen, gut gewetzt, gesetzt den Fall; dein Sein, markiert, und dein Haben
sowieso, aber ihn — rührt das nicht. (laut): Brüder, Schwestern,
seht ihn an! Seht, ein Mensch, ein Löwenmensch! (leise:)
Ob er blutet, so wie wir? (zu mir:) Natürlich.
Aber nicht sehr lange —
Ecce Homo (Löwenmensch), 2024
Foto: Löwenkopf, Alexas Fotos, 2019, via pexels.com
Der Text bezieht sich auf die Eiszeitkunst der Schwäbischen Alp, wie den
rätselhaften Löwenmensch vom Hohlenstein-Stadel und die Venus vom Hohle Fels. Zu den Fundstücken von der Alp gehören auch die ältesten (erhaltenen) Musikinstrumente der Menschheitsgeschichte: Bruchstücke von Flöten aus Schwanen- und Gänsegeierknochen. (Vgl. Musikinstrumente aus der Eiszeit, via archaeologie-online.de).

Spiel mir das Lied
auf der alten Knochenflöte,
während ich von Tieren träume (Käfer,
Bienen, solche Sachen), bis es staubt und dröhnt —
von Hufen? Die Stampede!? Frage Frauen, die sich öffnen,
wie ein Vogel: Brust und Bauch hervorgewölbt, beide Schenkel
hochgezogen; dort, wo man den Vogel stopft (mit Fett, Kraut, Beeren,
was auch immer), liegt der dunkle Höhleneingang. Dass wir uns von
ganz tief drinnen bald zurück ins Leben träumen? Dass der Traum nicht
vorschnell endet! Immer wieder, Kopf voraus, hinausgepresst: käseweiß,
verschleimt und schreiend, aber ja – wir leben noch! Sind doch gar nicht
tot zu kriegen (wie die Pechvögel von Gaza, von Somalia, der Ukraine).
Sitzen hier! Behaglich eingehüllt in Felle; lauschen sanften Flöten-
tönen (aus den Knochen eines Geiers), wiegen uns in
Sicherheit, und dann kommst du,
ein Löwe — ?Tod, dein altes
Maskenspiel! Dass wir uns so
leicht ergeben, und so willig dem Klischee!
Brust und Bauch hervorgewölbt, beide Schenkel
hochgezogen, wie ein Vogel kurz vorm Stopfen! Willst du das?
Schreist, ja, ja, ja!!! Weil du bist, wer du bist: halb Mensch (so warm,
die glatte Haut), halb Tier (Augen schwarz, schmal vor Zorn). Spielst mir
hier das alte Lied!? Fährt so tief in mich hinein, klingt so vertraut zu mir
herauf. Jeder, der es hören kann, kann es sofort verstehen. Auch ich,
ein Löwe? Ja, auch du. Auch deine Krallen, gut gewetzt, gesetzt den Fall;
Dein Sein, markiert, und dein Haben sowieso, aber ihn — rührt
das nicht. (laut): Brüder, Schwestern, seht ihn an! Seht, ein Mensch, ein Löwenmensch! (leise:) Ob er blutet,
so wie wir? (zu mir:) Natürlich. Aber
nicht sehr lange —
Ecce Homo (Löwenmensch), 2024
Foto: Löwenkopf, Alexas Fotos, 2019, via pexels.com
Der Text bezieht sich auf die Eiszeitkunst der Schwäbischen Alp, wie den rätselhaften Löwenmensch vom Hohlenstein-Stadel und die Venus vom Hohle Fels. Zu den Fundstücken von der Alp gehören auch die ältesten (erhaltenen) Musikinstrumente der Menschheitsgeschichte: Bruchstücke von Flöten aus Schwanen- und Gänsegeierknochen. (Vgl. Musikinstrumente aus der Eiszeit, via archaeologie-online.de).

Spiel mir das Lied auf der alten Knochenflöte, während ich von Tieren träume (Käfer, Bienen, solche Sachen), bis es staubt und dröhnt — von Hufen? Die Stampede!? Frage Frauen, die sich öffnen, wie ein Vogel: Brust und Bauch hervorgewölbt, beide Schenkel hochgezogen. Dort, wo man den Vogel stopft (mit Fett, Kraut, Beeren, was auch immer), liegt der dunkle Höhleneingang. Dass wir uns von ganz tief drinnen bald zurück ins Leben träumen? Dass der Traum nicht vorschnell endet! Immer wieder, Kopf voraus, hinausgepresst: käseweiß, verschleimt und schreiend, aber ja – wir leben noch! Sind doch gar nicht tot zu kriegen (wie die Pechvögel von Gaza, von Somalia, der Ukraine). Sitzen hier! Behaglich eingehüllt in Felle; lauschen sanften Flötentönen (aus den Knochen eines Geiers), wiegen uns in Sicherheit, und dann kommst du, ein Löwe — ?
Tod, dein altes Maskenspiel! Dass wir uns so leicht ergeben, und so willig dem Klischee! Brust und Bauch hervorgewölbt, beide Schenkel hochgezogen, wie ein Vogel kurz vorm Stopfen! Willst du das? Schreist, ja, ja, ja!!! Weil du bist, wer du bist: halb Mensch (so warm, die glatte Haut), halb Tier (Augen schwarz, schmal vor Zorn). Spielst mir hier das alte Lied!? Fährt so tief in mich hinein, klingt so vertraut zu mir herauf. Jeder, der es hören kann, kann es sofort verstehen. Auch ich, ein Löwe? Ja, auch du. Auch deine Krallen, gut gewetzt, gesetzt den Fall. Dein Sein, markiert, und dein Haben, sowieso, aber ihn — rührt das nicht. (laut): Brüder, Schwestern, seht ihn an! Seht, ein Mensch, ein
Löwenmensch! (leise:) Ob er blutet, so wie wir? (zu mir:) Natürlich. Aber nicht sehr lange —
Ecce Homo (Löwenmensch), 2024
Foto: Löwenkopf, Alexas Fotos, 2019, via pexels.com
Der Text bezieht sich auf die Eiszeitkunst der Schwäbischen Alp, wie den rätselhaften Löwenmensch
und die Venus vom Hohle Fels. Zu den Fundstücken von der Alp gehören auch die ältesten (erhaltenen) Musikinstrumente der Menschheitsgeschichte: Bruchstücke von Flöten aus Schwanen- und Gänsegeierknochen. (Vgl. Musikinstrumente aus der Eiszeit, via archaeologie-online.de).
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