verena laengle

Warten auf (Ach, Godot)

Colin the cuckoo taken at Thursley Common who returned every year for about eight years. Sadly didnt return this year

Pandora, Yvonne Park, Photo of the year, 2019, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Vintery, mintery, cutery, corn, Apple seed and apple thorn/Wire, briar, limber lock, 
Three geese in a flock/One flew east. And one flew west, And one flew over the cuckoo’s nest.
             Abzählreim „Einer flog übers Kuckucksnest“, via Wikipedia

Kommt er oder
kommt er nicht? Sowas von absurd,
die Frage. Angespannt wie Spinnenfäden,
lechzen wir nach mehr, niemals nach weniger, wovon?
Fragen wir die Götter! Wandeln sie doch unter uns in/sündhaft teuren
Tempeln, namens „Krankenhäuser“. Diese schwer gebändigte Stille aus zu
viel Weiß und Erwartung des Schlimmsten. Der Blick stolpert über Beine, langgestreckt, in Gips gehüllt. Querab Quietschen; Gummi-Latschen/verziehen
sich durch lange Gänge (im Gehör). Sauberkeit herrscht dort mit Chlor und was weiß-ich-noch-allem: große Fronten gegen Keime. Der Krieg ist verloren, Leute. Schaut euch die Soldaten an! Mit viel-zu-netten Blicken fahren sie Geschütze auf, wie Mitleid! (Schafft es endlich ab!). Das gegnerische Heer in Bunt und völlig
desolat hinterm Absperrband aus Stimmen. Was faseln sie aus Lautsprechern? Sowas wie Namen? Ich hab’s kapiert, als einer aufsteht und
seinen bandagierten Daumen vor sich her trägt 
             wie ein Geheimnis —

Unverhüllte Körpermacht.
Wer würde sich ihr nicht ergeben? Daumen rauf
oder runter. Einer Mehrheit? Neurotypisch. Den Hormonen?
Geiler Scheiß. Einfach allem, was uns fliegt. Einmal übers Kuckucksnest
und nie mehr zurück (als der, der du mal warst). Wer warst du denn? Warst du
im Krieg? Dafür bist du gemacht, Soldat! Sagt wer? Pandora! Diese böse Hexe,
die uns absichtlich erschreckt mit rot lackierten Krallen und der zweifelhaften
Büchse: die Geschenke unsrer Ahnen. Lange jenseits, aber tot? Schau sie dir an,
mit ihren samtenen Zylindern, ihren/seidenen Gamaschen, völlig aus der Zeit gefallen, aber Klappen ganz weit offen. Sie verreisen in der Blutbahn, zwischen
dir und mir (verborgen), wähnen sie sich unsichtbar. Die Schranke zwischen
Blut und Hirn passieren sie im Pelz, begaffen mit gerafften Röcken/die
neuronalen Feuerwerke unsrer heimlichsten Gedanken,
verschicken davon Ansichtskarten
             in alle Welt —

 

Also schreibe ich zurück:
Sehr verehrte Ahnen, Ihr seid sowas von
gewesen. Ich bin jetzt. Alle hier!! Wir schreiben keine Ansichtskarten,
sondern E-Mails, posten Selfies und vertreiben uns die Zeit mit _____  

             Dichtern? (Ach, Godot).

Warten auf (Ach, Godot), 2024

Foto: Colin the cuckoo, by Rachel Bennett, 2023, via istockphoto.com

Das Beckett-Stück Warten auf Godot dient hier nur als „Ohrenfänger“, weil sich der Titel längst vom Stück gelöst hat. Was Beckett ursprünglich damit wollte? Bei Wikipedia kann man nachlesen, dass Beckett sein „sinnloses Warten“ (auf Godot) nur deshalb auf die Spitze treibt, um die bis heute wirksamen Verdrängungsmechanismen nach dem Holocaust ad absurdum zu führen. 

Noch ein Wort zum Kuckuck (Cuculus canorus), der südlich des Äquators überwintert: Spätestens im April sollte er bei uns wieder zu hören sein. Und dann? Geld im Sack? Schnell berühren, vielleicht wird’s mehr…!

Pandora, Yvonne Park, Photo of the year, 2019, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Vintery, mintery, cutery, corn, Apple seed and apple thorn;/Wire, briar, limber lock, Three geese in a flock/One flew east. And one flew west, And one flew over the cuckoo’s nest.
             Abzählreim „Einer flog übers Kuckucksnest“, via Wikipedia

Kommt er oder
kommt er nicht? Sowas von
absurd, die Frage. Angespannt wie
Spinnenfäden, lechzen wir nach mehr, niemals
nach weniger, wovon? Fragen wir die Götter! Wandeln sie
doch unter uns in/sündhaft teuren Tempeln namens „Krankenhäuser“.
Diese schwer gebändigte Stille aus zu viel Weiß und Erwartung des Schlimmsten. Der Blick stolpert über Beine, langgestreckt, in Gips gehüllt. Querab quietschen Gummi-Latschen, verziehen sich durch lange Gänge
(im Gehör). Sauberkeit herrscht dort, mit Chlor und was weiß-ich-noch-allem: große Fronten gegen Keime. Der Krieg ist verloren, Leute. Schaut euch die Soldaten an, mit viel-zu-netten Blicken fahren sie Geschütze
auf wie Mitleid (schafft es ab). Das gegnerische Heer in Bunt und völlig
desolat hinterm Absperrband aus Stimmen. Was faseln sie aus Laut-sprechern? Sowas wie Namen? Ich hab’s kapiert, als 
einer
aufsteht und seinen bandagierten Daumen vor sich
            her trägt 
wie ein Geheimnis —

Unverhüllte Körpermacht.
Wer würde sich ihr nicht ergeben? Daumen
rauf oder runter? Einer Mehrheit? Neurotypisch? Den 
Hormonen? Geiler Scheiß. Einfach allem, was uns fliegt! Einmal übers Kuckucksnest und nie mehr zurück (als der, der du Mal warst).
Wer warst du denn? Warst du im Krieg? Dafür bist du gemacht, Soldat!
Sagt wer? Pandora? Diese böse Hexe, die uns absichtlich erschreckt mit ihren rot lackierten Krallen und der zweifelhaften Büchse: die Geschenke unsrer Ahnen. Lange jenseits, aber tot? Schau sie dir an, mit ihren samtenen Zylindern, ihren seidenen Gamaschen, völlig aus der Zeit gefallen, aber Klappen ganz weit offen. Sie verreisen in der Blutbahn. Zwischen dir und mir (verborgen) wähnen sie sich unsichtbar. Die
Schranke zwischen 
Blut und Hirn passieren sie im Pelz, begaffen
mit gerafften 
Röcken die neuronalen Feuerwerke unsrer
heimlichsten 
Gedanken, verschicken davon
             Ansichtskarten 
in alle Welt — 

 

Also schreibe ich zurück:
Sehr verehrte Ahnen, Ihr seid sowas von
gewesen. Ich bin jetzt. Alle hier! Wir schreiben keine
Ansichtskarten, sondern E-Mails, posten Selfies und vertreiben uns 
             die Zeit mit _____
Dichtern? (Ach, Godot).

Warten auf (Ach, Godot), 2024

Foto: Colin the cuckoo, by Rachel Bennett, 2023, via istockphoto.com

Das Beckett-Stück Warten auf Godot dient hier nur als „Ohrenfänger“, weil sich der Titel längst vom Stück gelöst hat. Bleibt die Frage, was Beckett ursprünglich wollte? Bei Wikipedia kann man nachlesen, dass Beckett sein „sinnloses Warten“ (auf Godot) auf die Spitze treibt, um die (bis heute wirksamen) Verdrängungsmechanismen nach dem Holocaust ad absurdum zu führen. 

Noch ein Wort zum Kuckuck (Cuculus canorus), der südlich des Äquators überwintert: Spätestens im April sollte er bei uns wieder zu hören sein. Und dann? Geld im Sack? Schnell berühren, vielleicht wird’s mehr…!

Pandora, Yvonne Park, Photo of the year, 2019, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Vintery, mintery, cutery, corn, 
Apple seed and apple thorn; 
Wire, briar, limber lock, Three geese in a flock; One flew east. And one flew west, And one flew over the cuckoo’s nest. 
Abzählreim „Einer flog übers Kuckucksnest“, via Wikipedia

Kommt er oder kommt er nicht?
Sowas von absurd, die Frage. Angespannt wie Spinnenfäden, lechzen wir nach mehr, niemals nach weniger, wovon? Fragen wir die Götter. Wandeln sie doch unter uns in/sündhaft teuren Tempeln namens „Krankenhäuser“. Diese schwer gebändigte Stille aus zu viel Weiß und Erwartung des Schlimmsten. Der Blick stolpert über Beine, langgestreckt, in Gips gehüllt. Querab quietschen Gummi-Latschen, verziehen sich durch lange Gänge (im Gehör). Sauberkeit herrscht dort mit Chlor und was weiß-ich-noch-allem: große Fronten gegen Keime. Der Krieg ist verloren, Leute! Schaut euch die Soldaten an, mit ihren viel-zu-netten Blicken fahren sie Geschütze auf, wie Mitleid (schafft es ab!) Das gegnerische Heer 
in Bunt und völlig desolat hinterm Absperrband aus Stimmen. Was faseln sie aus Lautsprechern? Sowas wie Namen? Ich hab’s kapiert, als einer aufsteht und den bandagierten Daumen vor sich her trägt wie ein Geheimnis —

Unverhüllte Körpermacht. Wer würde sich ihr nicht ergeben? Daumen rauf oder runter? Einer Mehrheit? Neurotypisch? Den Hormonen? Geiler Scheiß. Einfach allem, was uns fliegt! Einmal übers Kuckucksnest und nie mehr zurück, als der, der du mal warst. Wer warst du denn? Warst du im Krieg? Dafür bist du gemacht, Soldat! Sagt wer? Pandora? Diese Hexe, die uns absichtlich erschreckt mit ihren rot lackierten Krallen und der zweifelhaften Büchse: die Geschenke unsrer Ahnen. Lange jenseits, aber tot?  Schau sie dir an, mit ihren samtenen Zylindern, ihren seidenen Gamaschen, völlig aus der Zeit gefallen, aber Klappen ganz weit offen. Sie verreisen in der Blutbahn. Zwischen Thrombozyten wähnen sie sich unsichtbar. Die Schranke zwischen Blut und Hirn passieren sie im Pelz, begaffen mit gerafften Röcken/die neuronalen Feuerwerke unsrer heimlichsten Gedanken, verschicken davon Ansichtskarten in alle Welt — 

 

Also schreibe ich zurück: Sehr verehrte Ahnen, Ihr seid sowas von gewesen. Ich bin jetzt. Alle hier! Wir schreiben keine Ansichtskarten, sondern E-Mails, posten Selfies und vertreiben uns die Zeit mit _____  Dichtern? (Ach, Godot).

Warten auf (Ach, Godot), 2024

Foto:
Colin the cuckoo, by Rachel Bennett, 2023, via istockphoto.com

Das Beckett-Stück Warten auf Godot dient hier nur als „Ohrenfänger“, weil sich der Titel längst vom Stück gelöst hat. Was Beckett ursprünglich damit wollte? Bei Wikipedia kann man nachlesen, dass Beckett sein „sinnloses Warten“ (auf Godot) nur deshalb auf die Spitze treibt, um die bis heute wirksamen Verdrängungsmechanismen nach dem Holocaust ad absurdum zu führen. 

Noch ein Wort noch zum Kuckuck (Cuculus canorus), der südlich des Äquators überwintert: Spätestens im April sollte er bei uns wieder zu hören sein. Und dann? Geld im Sack? Schnell berühren, vielleicht wird’s mehr…! 

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