verena laengle

Nach dem Ende der Welt

Weibliche Blattschmuckzikade (Cicadella viridis), eigenes Bild, Rheindelta, 2022

Nach dem Ende der Welt,
wie wir sie kennen, reißt der Himmel
wieder auf. Räuberische Wasserwanzen schießen
kreuz und quer vorbei, von Schwärmern, die es nicht mehr
gibt, zu Wasserläufern schöngeredet. Er bespringt sie hinterrücks,
hält sie fest umklammert. Das gibt Nachwuchs, klein und fein. Augen,
groß wie Tennisbälle, hier gibt’s schließlich Kannibalen. Sie spüren alles
mit dem letzten Glied der Beine, das Vibrationen auffängt und verstärkt. Eine,
von erstaunlich vielen Arten, lebt draußen auf den Ozeanen. Die Enden ihrer Körperhaare sind gerade so gekrümmt, dass Luft beim Tauchen haften
bleibt und als Atemvorrat dient. So überstehen sie die Stürme. Ihre Eier
legen sie auf Treibgut ab (wie Plastikmüll), damit der Nachwuchs
weit, weit weg von ihresgleichen das Licht  
             der neuen Welt erblickt —

Sie saugen aus,
was das Wasser ihnen bringt;
Den toten Fisch, genauso wie den Nachwuchs
und die grüne Zwergzikade, die grade jetzt im sanft gespannten See
feststeckt und wie eine Irre zappelt. In diesem Augenblick, kein Wasserläufer, 
nirgends. Nur ich und eine Binse, die ich der weit entfernt Verwandten
reiche. Sie singt, auch wenn sie keiner hören kann, nach dem
             Ende der Welt, wie wir sie kennen — 

Nach dem Ende der Welt, 2022

Foto: Blick vom Rheindamm Richtung Pfänder (Rheindelta), eigenes Bild, 2020

Der Text bezieht sich auf zwei sehr unterschiedliche Vertreter der Ordnung der Schnabelkerfen (Hemiptera); zum einen auf die Wasserläufer (Gerridae), die dank regelrechter „Superkräfte“ in fast allen Gewässern der Welt verbreitet sind; zum anderen auf die grüne Zwerg- oder Binsenschmuckzikade, die wie ihre lautstarke Verwandtschaft aus dem Süden, mittels Tymbalorgan kommuniziert, allerdings in einem Frequenzbereich, der sich der menschlichen Wahrnehmung entzieht.

Weibliche Blattschmuckzikade (Cicadella viridis), eigenes Bild, Rheindelta, 2022

Nach dem Ende der Welt,
wie wir sie kennen, reißt der Himmel
wieder auf. Räuberische Wasserwanzen schießen
kreuz und quer vorbei, von Schwärmern, die es nicht mehr
gibt, zu Wasserläufern schöngeredet. Sie trägt ihn auf ihrem Rücken. 
Augen groß wie Tennisbälle, hier gibt’s schließlich Kannibalen. Sie
spüren alles, mit dem letzten Glied der Beine, das Vibrationen auffängt
und verstärkt. Eine, von erstaunlich vielen Arten, lebt draußen auf den Ozeanen. Die Enden ihrer Körperhaare sind gerade so gekrümmt, dass
Luft beim Tauchen haften bleibt und als Atemvorrat dient. So überstehen
sie die Stürme. Ihre Eier legen sie auf Treibgut ab (wie Plastikmüll),
damit der Nachwuchs weit, weit weg von ihresgleichen
            das Licht der neuen Welt erblickt —

Sie saugen aus,
was das Wasser ihnen bringt,
den toten Fisch, genauso wie den Nachwuchs
und die grüne Zwergzikade, die grade jetzt im sanft gespannten
See feststeckt und wie eine Irre zappelt. In diesem Augenblick, kein Wasserläufer, nirgends. Nur ich und eine Binse, die ich der weit entfernt Verwandten reiche. Sie singt, auch wenn sie keiner hören kann,
             nach dem Ende der Welt, wie wir sie kennen —

Nach dem Ende der Welt, 2022

Foto: Blick vom Rheindamm Richtung Pfänder, eigenes Bild, 2020

Der Text bezieht sich auf zwei sehr unterschiedliche Vertreter der Schnabelkerfen (Hemiptera); zum einen auf die Wasserläufer (Gerridae), die dank regelrechter „Superkräfte“ in fast allen Gewässern der Welt verbreitet sind; zum anderen auf die grüne Zwerg- oder Binsenschmuckzikade, die wie ihre lautstarke Verwandtschaft aus dem Süden, mittels Tymbalorgan kommuniziert, allerdings in einem Frequenzbereich, der sich der menschlichen Wahrnehmung entzieht.

Weibliche Blattschmuckzikade (Cicadella viridis), eigenes Bild, Rheindelta, 2022

Nach dem Ende der Welt, wie wir sie kennen, reißt der Himmel wieder auf. Räuberische Wasserwanzen schießen kreuz und quer vorbei, von Schwärmern, die es nicht mehr gibt, zu Wasserläufern  schöngeredet. Sie trägt ihn, auf ihrem Rücken. Augen, groß wie Tennisbälle, hier gibt’s schließlich Kannibalen. Sie spüren alles mit dem letzten Glied der Beine, das Vibrationen auffängt und verstärkt. Eine, von erstaunlich vielen Arten, lebt draußen auf den Ozeanen. Die Enden ihrer Körperhaare sind gerade so gekrümmt, dass Luft beim Tauchen haften bleibt und als Atemvorrat dient. So überstehen sie die Stürme. Ihre Eier legen sie auf Treibgut ab (wie Plastikmüll), damit der Nachwuchs weit, weit weg das Licht der neuen Welt erblickt —

Sie saugen aus, was das Wasser ihnen bringt; den toten Fisch, genauso wie den Nachwuchs und die grüne Zwergzikade, die grade jetzt im sanft gespannten See feststeckt und wie eine Irre zappelt. In diesem Augenblick, kein Wasserläufer, nirgends, nur ich und eine Binse, die ich der weit entfernt Verwandten reiche. Sie singt, auch wenn sie keiner hören kann, nach dem Ende der Welt, wie wir sie kennen —

 

Nach dem Ende der Welt, 2022

Foto: Blick vom Rheindamm Richtung Pfänder, eigenes Bild, 2020

Der Text bezieht sich auf zwei sehr unterschiedliche Vertreter der Schnabelkerfen (Hemiptera); zum einen auf die Wasserläufer (Gerridae), die dank regelrechter „Superkräfte“ in fast allen Gewässern der Welt verbreitet sind; zum anderen auf die grüne Zwerg- oder Binsenschmuckzikade, die wie ihre lautstarke Verwandtschaft aus dem Süden, mittels Tymbalorgan kommuniziert, allerdings in einem Frequenzbereich, der sich der menschlichen Wahrnehmung entzieht.

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