verena laengle

Wohlwissend Wald (Engel)

Tarotkarte „Der Gehängte“, XII, Minchiate Kartendeck, Florenz, 1860-1890, via Wikimedia Commons

Öffnet sich dein Mund —
für Engel? Hinter Schlössern, wie in/Dueno,
wo ein Dichter Engel bannt, mit schief geneigter/Schrift,
bis ihm die Worte fehlen und er wartet, dass sie wiederkommen.
Acht Jahre lang oder achthundert? Immer wieder Wind von Westen
(nicht von Engeln). Obwohl du nicht bestreiten kannst, dass Unbestimmtes
nach uns greift. Du schaust dich um, hörst das Rauschen, findest/Federn, aber
du bist nicht in/Dueno. Nirgends Schlösser, Eichenwälder! Dabei ist dein Baum
gar keine Eiche, eine kleine/Esche nur, vielleicht sechs, vielleicht sieben Jahre alt. Sie steht allein auf einem Fels-Vorsprung. Mutterboden: kaum vorhanden. Licht:
sehr wenig, weil von/Eichen (alt), umstellt. Das ist kein/Ort für Eschen, wie man
sie aus/Sagen kennt, wie Yggdrasil, die/Weltenesche, die Himmel und Erde verbindet; ein Gott hat sich dort aufhängt (vorsätzlich und verkehrt
herum), weil ihre Wurzeln alles das berühren, was es hier
zu wissen gibt; So verschafft er sich
             die/Zeichen —

 

Eines heißt Naudiz.
Es bedeutet Not, den/Zwang, die Not
zu wenden. Odin ist: die Lehrerin. So fein und resolut,
ihr Mund. Die Macht, die Buchstaben zu binden, sie zu beugen,
bis sie wahre/Lügen sind: Nimm dir ein E (für Engel)! Wieder und wieder. 
Mag die Esche auch verdorren, sich ein Wildschwein an ihr reiben, mag sich
eine jener alten/Eichen (blitzgetroffen) auf sie stürzen; Sie ist Wald,
              wohlwissend: Bleiben ist nirgends —

Wohlwissend Wald (Engel), 2023            Foto: Steineichenwald, eigenes Bild, 2023

Bleiben ist nirgends, Zitat R.M. Rilke, Duineser Elegien (1. Elegie)

Naudhiz/Naudiz, die 10. Rune N (=Not)

Der Text bezieht sich auf die Duineser Elegien von Rainer Maria Rilke, die über einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren entstanden sind (1912/14 in Dueno begonnen, 1922 in Muzot vollendet) und als Höhepunkt eines Künstlerlebens gelten, das wie kein Zweites zwischen Schaffenskraft und Schaffenskrisen aufgerieben wird; Hier verknüpft mit dem Mythos der Weltenesche Yggdrasil (wo Odin sich die magischen Runen beschafft) und mit persönlichen Erinnerungen an die frühe Schulzeit.

Vielen Dank, Yvonne Rauch! Danke Birgit, Daniela, Deniz & Deniz, Ilse, Judith, Katja, Maria, Mignon, Ramona, Tanja, Yvonne…

Tarotkarte „Der Gehängte“, XII, Minchiate Kartendeck, Florenz, 1860-1890, via Wikimedia Commons

Öffnet sich dein Mund 
für Engel? Hinter Schlössern, wie in/
Dueno, wo ein Dichter Engel bannt, mit schief
geneigter/Schrift, bis ihm die Worte fehlen und er wartet,
dass sie wiederkommen. Acht Jahre lang oder achthundert? Immer
wieder Wind von Westen (nicht von Engeln). Obwohl du nicht bestreiten kannst, dass Unbestimmtes nach uns greift. Du schaust dich um, hörst
das Rauschen, findest/Federn, aber du bist nicht in/Dueno. Nirgends Schlösser, Eichenwälder! Dabei ist dein Baum gar keine Eiche, eine kleine/Esche nur, vielleicht sechs, vielleicht sieben Jahre alt. Sie steht auf einem/Felsvorsprung. Mutterboden: kaum vorhanden. Licht: sehr wenig,
weil von/Eichen (alt), umstellt. Das ist kein Ort für/Eschen, wie man sie aus/Sagen kennt, wie Yggdrasil, die/Welten-esche, die Himmel und
Erde verbindet; Ein Gott hat sich dort/aufhängt  (vorsätzlich und
verkehrt herum), weil ihre Wurzeln alles das berühren
was es hier zu wissen gibt; So verschafft er sich
             die/Zeichen —

 

Eines heißt Naudiz.
Es bedeutet Not, den/Zwang (die Not
zu wenden). Odin ist: die Lehrerin. So fein und resolut,
ihr Mund; die Macht, die Buchstaben zu binden, sie zu beugen, bis sie
wahre/Lügen sind: Nimm dir ein E (für Engel)! Wieder und wieder. Mag die Esche auch verdorren, sich ein Wildschwein an ihr reiben, mag sich eine jener alten/Eichen (blitzgetroffen) auf sie stürzen; Sie ist Wald,
             wohlwissend: Bleiben ist nirgends —

Wohlwissend Wald (Engel), 2023           Foto: Wald, eigenes Bild, 2023

Bleiben ist nirgends, Zitat R.M. Rilke, Duineser Elegien (1. Elegie)

Naudhiz/Naudiz, die 10. Rune N (=Not)

Der Text bezieht sich auf die Duineser Elegien von Rainer Maria Rilke, die über einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren entstanden sind (1912/14 in Dueno begonnen, 1922 in Muzot vollendet) und als Höhepunkt eines Künstlerlebens gelten, das wie kein Zweites zwischen Schaffenskraft und Schaffenskrisen aufgerieben wird; Hier verknüpft mit dem Mythos der Weltenesche Yggdrasil  (wo Odin sich die magischen Runen beschafft) und mit persönlichen Erinnerungen an die frühe Schulzeit.

Vielen Dank, Yvonne Rauch! Danke Birgit, Daniela, Deniz & Deniz, Ilse, Judith, Katja, Maria, Mignon, Ramona, Tanja, Yvonne…

Tarotkarte „Der Gehängte“, XII, Minchiate Kartendeck, Florenz, 1860-1890, via Wikimedia Commons

Öffnet sich dein Mund 
für Engel? Hinter Schlössern, wie in/Dueno, wo ein Dichter Engel bannt, mit schief geneigter/Schrift, bis ihm alle  Worte fehlen und er wartet, dass sie wiederkommen. Acht Jahre lang oder achthundert? Immer wieder Wind von Westen (nicht von Engeln). Obwohl du nicht bestreiten kannst, dass Unbestimmtes nach dir greift. Du schaust dich um, hörst das Rauschen, findest/Federn, aber du bist nicht in/Dueno. Nirgends Schlösser, Eichenwälder! Dabei ist dein Baum gar keine Eiche, eine kleine/Esche nur, vielleicht sechs, vielleicht sieben Jahre alt. Sie steht allein, auf einem/Fels-Vorsprung. Mutterboden: kaum vorhanden. Licht: sehr wenig, weil von/Eichen (alt), umstellt. Das ist kein Ort für Eschen, wie man sie aus/Sagen kennt, wie Yggdrasil, die/Weltenesche, die Himmel und Erde verbindet; Ein Gott hat sich dort aufhängt (vorsätzlich und verkehrt herum), weil ihre Wurzeln alles das berühren, was es hier zu wissen gibt; So verschafft er sich die/Zeichen —

 

Eines heißt Naudiz. Es bedeutet Not, den/Zwang, die Not zu wenden. Odin ist: die Lehrerin. So fein und resolut, ihr Mund; die Macht, die Buchstaben zu binden, sie zu beugen, bis sie wahre/Lügen sind. Nimm dir ein E (für Engel)! Wieder und wieder. Mag die Esche auch verdorren, sich ein Wildschwein an ihr reiben, mag sich eine jener alten/Eichen (blitzgetroffen) auf sie stürzen; Sie ist Wald, wohlwissend: Bleiben ist nirgends —

Wohlwissend Wald (Engel), 2023

Foto: Steineichenwald, eigenes Bild, 2023

Bleiben ist nirgends, Zitat R.M. Rilke, Duineser Elegien (1. Elegie)

Naudhiz/Naudiz, die 10. Rune N (=Not)

Der Text bezieht sich auf die 
Duineser Elegien von Rainer Maria Rilke, die über einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren entstanden sind (1912/14 in Dueno begonnen, 1922 in Muzot vollendet) und als Höhepunkt eines Künstlerlebens gelten, das wie kein Zweites zwischen Schaffenskraft und Schaffenskrisen aufgerieben wird; Hier verknüpft mit dem Mythos der Weltenesche 
Yggdrasil (wo Odin sich die magischen Runen beschafft) und mit persönlichen Erinnerungen an die frühe Schulzeit.

Vielen Dank, Yvonne Rauch! Danke Birgit, Daniela, Deniz & Deniz, Ilse, Judith, Katja, Maria, Mignon, Ramona, Tanja, Yvonne…

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