verena laengle

Selbstportrait mit Sardellen

Frida Kahlo, Selbstbildnis mit Dornenhalsband und Kolibri, 1940, via schirn.de

Von allen Selfies
vor Kulisse, mit Gegenständen
oder Tieren, sind Selbstportraits mit Fischen
selten. Massig Bildnisse mit Affen, Katzen, Kolibris und
Kleinzeug wie Libellen, während kleine Meerestiere praktisch nie
Erwähnung finden. Dabei mögen wir Sardellen! Am liebsten, fermentiert.
Ah, unvergleichlicher Geschmack! Komm, koste! Nudeln mit Sardellenbutter,
Pinienkernen und Rosinen! Rosinen aus Usbekistan? Dort gibt es weit und
breit kein Meer! Dort gibt’s auch keine Klammeraffen. Trotzdem hattest 
du mal einen, wenn auch nur für einen Tag. Sein Name war Malu.
Indonesisch, für schüchtern und/oder beschämt. Und
die Sardellen? Nur Geduld! Sind im Schwarm 
             gut aufgehoben — 

 

Zunächst du,
kleiner Malu: Schwarze Fäuste,
fest um meinen großen Daumen. Dieser Blick!
Trotz Fellgewand, fast nackt, wo früher mal ein Halsband war,
an einer langen Eisenkette, bis aufs Äußerste gespannt, am glatten Stamm
der Palme, die dir froh entgegen winkt, ja, sowas wie Willkommen säuselt. Ein
kurzer Ruck und rückwärts geht die Reise jenen glatten Stamm hinab und
geradewegs zu dir und mir und allen Menschen, die sich ihre Bäuche halten. Hungrig? Das Gericht und das Gedicht sind fast fertig! Hier, das Ende,
vorgezogen: von allen Affen in Gefangenschaft hat es
nur für ihn gereicht. Seine Name war —
             Essen fertig!

Was!? In dieser
Brühe schwimmen — Fische? Ganz genau. Nicht dein Herz!
             Nein, dein Herz nicht. 

Selbstportrait mit Sardellen, 2026

Foto: Europäische Sardelle, by Jshop, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons 

Frida Kahlo, Selbstbildnis mit Dornenhalsband und Kolibri, 1940, via schirn.de

Von allen Selfies
vor Kulisse, mit Gegenständen
oder Tieren, sind Selbstportraits mit Fischen
selten. Massig Bildnisse mit Affen, Katzen, Kolibris und
Kleinzeug wie Libellen, während kleine Meerestiere praktisch nie
Erwähnung finden. Dabei mögen wir Sardellen! Am liebsten, fermentiert.
Ah, unvergleichlicher Geschmack! Komm, koste! Nudeln mit Sardellenbutter,
Pinienkernen und Rosinen! Rosinen aus Usbekistan? Dort gibt es weit und
breit kein Meer! Dort gibt’s auch keine Klammeraffen. Trotzdem hattest 
du mal einen, wenn auch nur für einen Tag. Sein Name war Malu.
Indonesisch, für schüchtern und/oder beschämt. Und
die Sardelle? Nur Geduld! Ist im Schwarm
             gut aufgehoben — 

 

Zunächst du,
kleiner Malu: Schwarze Fäuste,
fest um meinen großen Daumen. Dieser Blick!
Trotz Fellgewand, fast nackt, wo früher mal ein Halsband war,
an einer langen Eisenkette, bis aufs Äußerste gespannt, am glatten Stamm
der Palme, die dir froh entgegen winkt, ja, sowas wie Willkommen säuselt.
Kurzer Ruck und rückwärts geht die Reise jenen glatten Stamm hinab und
geradewegs zu dir und mir und allen Menschen, die sich ihre Bäuche 
halten. Hungrig? Das Gericht und das Gedicht sind fast fertig! Hier, 
das Ende, vorgezogen: von allen Affen in Gefangenschaft
hat es nur für ihn gereicht. Seine Name war —
             Essen fertig!

Was!? In dieser
Brühe schwimmen — Fische? Ganz genau. Nicht dein Herz!
             Nein, dein Herz nicht. 

Selbstportrait mit Sardelle, 2026

Foto: Europäische Sardelle, by Jshop, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons 

Frida Kahlo, Selbstbildnis mit Dornenhalsband und Kolibri, 1940, via schirn.de

Von allen Selfies vor Kulisse, mit Gegenständen oder Tieren, sind Selbstportraits mit Fischen selten.
Massig Bildnisse mit Affen, Katzen, Kolibris und Kleinzeug wie Libellen, während kleine Meerestiere praktisch nie Erwähnung finden. Dabei mögen  wir Sardellen! Am liebsten, fermentiert. Ah, unvergleichlicher Geschmack! Komm, koste! Nudeln mit Sardellenbutter, Pinienkernen und Rosinen! Rosinen aus  Usbekistan? Dort gibt es weit und breit kein Meer! Dort gibt’s auch 
keine Klammeraffen. Trotzdem  hattest du mal einen, wenn auch 
nur für einen Tag. Sein Name war 
Malu. Indonesisch, für schüchtern 
und/oder beschämt. Und die Sardelle? Nur Geduld! Ist im Schwarm gut aufgehoben — 

Zunächst du, kleiner Malu: 
Schwarze Fäuste, fest um meinen großen Daumen. Dieser Blick! Trotz Fellgewand, fast nackt, wo früher 
mal ein Halsband war, an einer langen Eisenkette, bis aufs Äußerste gespannt, am glatten 
Stamm der Palme, die dir froh entgegen winkt, ja, sowas wie Willkommen säuselt. Kurzer Ruck und rückwärts geht die Reise, jenen glatten Stamm hinab, 
geradewegs zu dir und mir und allen Menschen, die sich ihre 
Bäuche halten. Hungrig?  Das 
Gericht und das Gedicht sind fast 
fertig! Hier, das Ende, vorgezogen: 
von allen Affen in Gefangenschaft hat es nur für ihn gereicht. Seine Name war —
             Essen fertig!

Was!? In dieser Brühe schwimmen Fische? Ganz genau. Nicht dein Herz! Nein, dein Herz nicht. 

Selbstportrait mit Sardelle, 2026

Foto: Europäische Sardelle, by Jshop, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons 

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