
The Countess Batthyany was extremly pleased. (…) The Countess had purchased San San for only $ 20.000 at the Guggenheim dispersal sales. „You know, it’s easy for me to buy a horse for $200,000 but very hard to buy one for only $20, 000 that is so good.” San San captures Arc de Triomphe, by James Brown, New York Times, 9. October 1972
Du sagst, du hast
keine Leichen im Keller, und
dann ausgerechnet Rechnitz? Ist es Zufall?
Oder meinst du, dass uns zufällt, was wir brauchen,
um den nächsten Schritt zu tun, selbst wenn er dich und mich
entzweit? Die Gräfin schweigt. Hat sie gehüstelt? Schon ist sie im Stall
verschwunden, wo die Gäuler freundlich wiehern. In ihren Nüstern, der Ge-
ruch nach, nennen wir es, Liebe…! Die Gräfin und ihr Gutsverwalter!? Stimme
(zackig, aus dem Off): He pleases her extremly well! Nur diesmal heißt es Juden
töten, statt der Rehe und der Hasen! Guess who? Die Gräfin? Als ob versierte
Schützen für Genickschüsse viel übrig hätten! Aber, du kennst sie ja, die Leute! Ihr Bedürfnis nach Geschichten, die Zeitungen sind voll davon! Meet & greet
the Killer-Countess! Und dann? Tanzen, trinken, weitervögeln, weil
uns jetzt das Blut verbindet? Wir sind doch alle
Blutsverwandte —
Sind wir das?
Wir alle? Ohne Unterschied?
Die Gräfin schweigt. Hüstelt sie? So vornehm
sieht man das sonst nie! Ihre letzten Lebensjahre hat sie
im Tessin verbracht. In Rechnitz war sie nur zur Jagd, ach ja, und zur
Erinnerung! So hell die ländlichen Nächte! So würzig-mild (kein bisschen
bitter) der Geschmack des Gutsverwalters und dazu so viel Champagner! So
romantisch diese Jagden in den Ausläufern der Alpen! Und so geduldig der
Schiefer vom Geschriebenstein, der so gewichtig trennt, was immer eins
gewesen ist: Land und Leute! O, wären wir nicht grundverschieden! O,
hätten wir nicht alle Gründe (so persönlich)! Nein, du nicht? Bist
grund- und mittellos allein? Komm her und
lass dich lieben —Still und starr
ruht der See, von Osten her
leicht zugefroren. Was gehen mich die Toten an?
Ob sie hier auf Seegrund liegen, tiefer noch, im Mittelmeer, oder
doch auf Ackerland (ins unbekannte Grab geschossen)? Die Gräfin schweigt.
Sie hüstelt nicht in ihrem Grab (granitgedeckt) direkt am Luganer See.
Guess who is extremly pleased —
Guess who, 2025
Foto: Das Magazin, Nr. 50/2009, Titelstory Meine Tante Margit. Die Geschichte eines Monsters von Sacha Batthyány, via lesefieber.ch, eigenes Bild (2025)
Der Text bezieht sich auf das Massaker von Rechnitz, bei dem in einer Partynacht (vom 24. auf den 25. März 1945) 180 jüdisch-ungarische Zwangsarbeiter ermordet wurden. Zwei der hauptverantwortlichen Täter konnten sich ins Ausland absetzen. Zwei Hauptzeugen der damaligen Ereignisse wurden vor ihrer Einvernahme umgebracht. Die Gastgeberin der Partynacht, Margaretha Batthyány-Thyssen, wurde einmalig in Feldkirch (Vorarlberg) einvernommen, blieb ansonsten unbehelligt. Das Grab der in Rechnitz ermordeten Juden wurde bis heute nicht gefunden (Vgl. Totschweigen, Dokumentartfilm von Margareta Heinrich und Eduard Erne, 1994).
Der 884 m hohe Geschriebenstein ist der höchste Berg zwischen Österreich und Ungarn und der östlichste Ausläufer der Alpen: namentlich markiert er die niedergeschriebene Grenze zwischen den alt-ungarischen Magnatenfamilien Esterházy und Batthyány.
Ab 15. 2. 2025 hat am Vorarlberger Landestheater in Bregenz das Stück Rechnitz (der Würgeengel) von Elfriede Jelinek Premiere. Am 9.2. gibt’s zum Stück ein öffentliches Matinee-Gespräch.
An der Stelle ein herzliches Dankeschön an Walter Reiss vom Verein Refugius!

The Countess Batthyany was extremly pleased. (…) The Countess had purchased San San for only $ 20.000 at the Guggenheim dispersal sales. „You know, it’s easy for me to buy a horse for $200,000 but very hard to buy one for only $20, 000 that is so good.” San San captures Arc de Triomphe, by James Brown, New York Times, 9. October 1972
Du sagst, du hast
keine Leichen im Keller, und
dann ausgerechnet Rechnitz? Ist es Zufall!?
Oder meinst du, dass uns zufällt, was wir brauchen,
um den nächsten Schritt zu tun, selbst wenn er dich und mich
entzweit? Die Gräfin schweigt. Hat sie gehüstelt? Schon ist sie im Stall verschwunden, wo die Gäuler freundlich wiehern. In ihren Nüstern, der
Geruch nach, nennen wir es, Liebe…! Die Gräfin und ihr Gutsverwalter!?
Stimme (zackig, aus dem Off): He pleases her extremly well! Nur diesmal
heißt es Juden töten, statt der Rehe und der Hasen. Guess who? Die Gräfin?
Als ob versierte Schützen für Genickschüsse viel übrig hätten! Aber, du
kennst sie ja, die Leute! Ihr Bedürfnis nach Geschichten, die Zeitungen
sind voll davon! Meet & greet the Killer-Countess! Und dann?
Tanzen, trinken, weitervögeln, weil uns jetzt das
Blut verbindet!? Wir sind doch alle
Blutsverwandte —Sind wir das?
Wir alle? Ohne Unterschied?
Die Gräfin schweigt. Hüstelt sie? So vornehm
sieht man das sonst nie! Ihre letzten Lebensjahre hat sie
im Tessin verbracht. In Rechnitz war sie nur zur Jagd, ach ja, und
zur Erinnerung…! So würzig-mild (kein bisschen bitter) der Geschmack
des Gutsverwalters und dazu so viel Champagner! So romantisch, diese
Jagden in den Ausläufern der Alpen! So geduldig, der Schiefer vom
Geschriebenstein, der so gewichtig trennt, was immer eins gewesen ist:
Land und Leute! O wären wir nicht grundverschieden! O, hätten wir
nicht alle Gründe! (so persönlich!) Nein, du nicht? Bist grund-
und mittellos allein? Komm her, und
lass dich lieben —Still und starr
ruht der See, von Osten her
leicht zugefroren. Was gehen uns die Toten an?
Ob sie hier auf Seegrund liegen, tiefer noch, im Mittelmeer, oder
doch auf Ackerland ins unbekannte Grab geschossen? Die Gräfin schweigt.
Sie hüstelt nicht in ihrem Grab (granitgedeckt), direkt am Luganer See.
Guess who is extremly pleased —
Guess who, 2025
Foto: Das Magazin, Nr. 50/2009, Titelstory Meine Tante Margit. Die Geschichte eines Monsters von Sacha Batthyány, via lesefieber.ch, eigenes Bild (2025)
Der Text bezieht sich auf das Massaker von Rechnitz, bei dem in einer Partynacht (vom 24. auf den 25. März 1945) 180 jüdisch-ungarische Zwangsarbeiter ermordet wurden. Zwei der hauptverantwortlichen Täter konnten sich ins Ausland absetzen. Zwei Hauptzeugen der damaligen Ereignisse wurden vor ihrer Einvernahme umgebracht. Die Gastgeberin der Partynacht, Margaretha Batthyány-Thyssen, wurde einmalig in Feldkirch (Vorarlberg) einvernommen, blieb ansonsten aber unbehelligt. Das Grab der in Rechnitz ermordeten Juden wurde bis heute nicht gefunden. Vgl. Totschweigen, Dokumentarfilm vom Margareta Heinrich und Eduard Erne, 1994.
Der 884 m hohe Geschriebenstein ist der höchste Berg zwischen Österreich und Ungarn und der östlichste Ausläufer der Alpen: namentlich markiert er die niedergeschriebene Grenze zwischen den alt-ungarischen Magnatenfamilien Esterházy und Batthyány.
Ab 15. 2. 2025 hat am Vorarlberger Landestheater in Bregenz das Stück Rechnitz (der Würgeengel) von Elfriede Jelinek Premiere. Am 9.2. gibt’s zum Stück ein öffentliches Matinee-Gespräch.
An der Stelle ein herzliches Dankeschön an Walter Reiss vom Verein Refugius!

The Countess Batthyany was extremly pleased. (…) The Countess had purchased San San for only $ 20.000 at the Guggenheim dispersal sales. „You know, it’s easy for me to buy a horse for $200,000 but very hard to buy one for only $20, 000 that is so good.” San San captures Arc de Triomphe, by James Brown, New York Times, 9. October 1972
Du sagst, du hast keine Leichen im Keller, und dann ausgerechnet Rechnitz? Ist das Zufall? Oder meinst du, dass uns zufällt, was wir brauchen, um den nächsten Schritt zu tun, selbst wenn er dich und mich entzweit? Die Gräfin schweigt. Hat sie gehüstelt? Schon ist sie im Stall verschwunden, wo die Gäuler freundlich wiehern. In ihren Nüstern, der Geruch nach, nennen wir es, Liebe…! Die Gräfin und ihr Gutsverwalter!? Stimme (zackig, aus dem Off): He pleases her extremly well! Nur diesmal heißt es Juden töten, statt der Rehe und der Hasen. Guess who? Die Gräfin? Als ob versierte Schützen für Genickschüsse viel übrig hätten! Aber, du kennst sie ja, die Leute! Ihr Bedürfnis nach Geschichten, die Zeitungen sind voll davon! Meet & greet the Killer-Countess! Und dann? Tanzen, trinken, weitervögeln, weil uns jetzt das Blut verbindet? Wir sind doch alle Blutsverwandte —
Sind wir das? Wir alle? Ohne Unterschied? Die Gräfin schweigt. Hüstelt sie? So vornehm sieht man das sonst nie! Ihre letzten Lebensjahre hat sie im Tessin verbracht. In Rechnitz war sie nur zur Jagd, ach ja, und zur Erinnerung… ! So würzig-mild (kein bisschen bitter) der Geschmack des Gutsverwalters und dazu so viel Champagner! So romantisch diese Jagden in den Ausläufern der Alpen! So geduldig der Schiefer vom Geschriebenstein, der so gewichtig trennt, was immer eins gewesen ist: Land und Leute! O, wären wir nicht grundverschieden! O, hätten wir nicht alle Gründe (so persönlich)! Nein, du nicht? Bist grund- und mittellos allein? Komm her, und lass dich lieben —
Still und starr ruht der See, von Osten her leicht zugefroren. Was gehen uns die Toten an? Ob sie hier auf Seegrund liegen, tiefer noch, im Mittelmeer, oder doch auf Ackerland in ein unbekanntes Grab geschossen? Die Gräfin schweigt. Sie hüstelt nicht, in ihrem Grab (granitgedeckt) direkt am Luganer See. Guess who is extremly pleased —
Guess who, 2025
Foto: Das Magazin, Nr. 50/2009, Titelstory Meine Tante Margit. Die Geschichte eines Monsters von Sacha Batthyány, via lesefieber.ch, eigenes Bild (2025)
Der Text bezieht sich auf das Massaker von Rechnitz, bei dem in einer Partynacht (vom 24. auf den 25. März 1945) 180 jüdisch-ungarische Zwangsarbeiter ermordet wurden. Zwei der hauptverantwortlichen Täter konnten sich ins Ausland absetzen. Zwei Hauptzeugen der damaligen Ereignisse wurden vor ihrer Einvernahme umgebracht. Die Gastgeberin der Partynacht, Margaretha Batthyány-Thyssen, wurde einmalig in Feldkirch (Vorarlberg) einvernommen, blieb ansonsten aber unbehelligt. Das Grab der in Rechnitz ermordeten Juden wurde bis heute nicht gefunden. Vgl. Totschweigen, Dokumentarfilm von Margareta Heinrich und Eduard Erne, 1994.
Der 884 m hohe Geschriebenstein
ist der höchste Berg zwischen Österreich und Ungarn und der östlichste Ausläufer der Alpen: namentlich markiert er die
niedergeschriebene Grenze zwischen den alt-ungarischen Magnatenfamilien Esterházy und Batthyány.
Ab 15. 2. 2025 hat am Vorarlberger Landestheater in Bregenz das Stück Rechnitz (der Würgeengel) von Elfriede Jelinek Premiere. Am 9.2. gibt’s zum Stück ein öffentliches Matinee-Gespräch.
An der Stelle ein herzliches Dankeschön an Walter Reiss vom Verein Refugius!
Teilen mit:
- Auf X teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) X
- Auf Facebook teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Facebook
- Auf Reddit teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Reddit
- Auf WhatsApp teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) WhatsApp
- Auf Telegram teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Telegram
- Auf X teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) X