Winterrosen

Olympia von Édouard Manet, 1863 (Musée d’Orsay, Paris) via Wikimedia Commons

Ihr Knistern im Schlichtkleid
aus Zellophan; grasiger Geruch vom Anschnitt;
Vorfreude, noch unvermischt, bis sie angerichtet sind und draußen

Schnee vom Himmel fällt: mit freundlichen Grüßen einer namenlosen Pflückerin,

die sich in diesem Augenblick ein wenig wundert (aber nicht zu viel),
            
über unsren Drang zu Rosen —

 

Europas größter Rosengarten
liegt am Naivahsa-See, wo
Rosen mit den
Barschen um die Wette wachsen und nachts
Nilpferde ans Ufer
steigen.
Ein Weihnachtsmärchen (all inclusive) mit zwölf Sonnenstunden
täglich und k
ein Tag und keine Nacht kälter als elf Grad und keine hellen, sondern
dunkle Hände,
die bis hinauf zum Ellenbogen in Schutzhandschuhen stecken und damit mehr Mäuler stopfen, als wir das für möglich halten. Ach, die Dornen! Einen Lidschlag
lang betroffen, bis zum Äußersten verschlossen, aber (wie so oft)
nicht anders
können, als
versöhnlich aufzublühen. Na, schon riesig Lust,
Niemandes Schlaf zu sein, unter soviel Lidern?

            
Oh offenes Geheimnis!

Winterrosen, 2021                                     foto: die erste „Weltrose“ Gloria Dei (1939), 2021

Kursiv gesetzt ist hier die (unvollständig zitierte) Grabinschrift des Dichters Rainer Maria Rilke, die vollständig lautet: Rose, oh reiner Widerspruch, Lust, Niemandes Schlaf zu sein, unter soviel Lidern.

Olympia von Édouard Manet, 1863 (Musée d’Orsay, Paris) via Wikimedia Commons

Ihr Knistern im Schlichtkleid
aus Zellophan; grasiger Geruch vom Anschnitt;
Vorfreude, noch unvermischt, bis sie angerichtet sind und draußen

Schnee vom Himmel fällt: mit freundlichen Grüßen einer namenlosen Pflückerin,

die sich in diesem Augenblick ein wenig wundert (aber nicht zu viel),
            
über unsren Drang zu Rosen —

Europas größter Rosengarten
liegt am Naivahsa-See, wo
Rosen mit den
Barschen um die Wette wachsen und nachts Nilpferde
ans Ufer steigen.
Ein Weihnachtsmärchen (all inclusive) mit
zwölf Sonnenstunden täglich und k
ein Tag und keine Nacht kälter als
elf Grad und keine hellen, sondern dunkle Hände,
die bis hinauf zum Ellenbogen in Schutzhandschuhen stecken und damit mehr Mäuler stopfen, als wir das
für möglich halten. Ach, die Dornen! Einen Lidschlag lang betroffen, bis
zum Äußersten verschlossen, aber (wie so oft) nicht anders können,
als
versöhnlich aufzublühen. Na, schon riesig Lust,
Niemandes Schlaf zu sein, unter soviel Lidern?

               Oh offenes Geheimnis!

Winterrosen, 2021                        foto: die erste „Weltrose“ Gloria Dei (1939), 2021

Kursiv gesetzt ist hier die (unvollständig zitierte) Grabinschrift des Dichters Rainer Maria Rilke, die vollständig lautet: Rose, oh reiner Widerspruch, Lust, Niemandes Schlaf zu sein, unter soviel Lidern.

Olympia von Édouard Manet, 1863 (Musée d’Orsay, Paris) via Wikimedia Commons

Ihr Knistern im Schlichtkleid aus Zellophan; grasiger Geruch vom Anschnitt; Vorfreude, noch unvermischt, bis sie angerichtet sind und draußen Schnee vom Himmel fällt: mit freundlichen Grüßen einer namenlosen Pflückerin, die sich in diesem Augenblick ein wenig wundert (aber nicht zu viel), über unsren Drang zu Rosen —

Europas größter Rosengarten
liegt am Naivahsa-See, wo
Rosen mit den Barschen um die Wette wachsen und nachts Nilpferde ans Ufer steigen. Ein Weihnachtsmärchen (all inclusive)
mit zwölf Sonnenstunden täglich und k
ein Tag und keine Nacht kälter als elf Grad und keine hellen, sondern dunkle Hände, die bis hinauf zum Ellenbogen in Schutzhandschuhen stecken und damit mehr Mäuler stopfen, als wir das für möglich halten. Ach, die Dornen! Einen Lidschlag lang betroffen, bis zum Äußersten verschlossen, aber (wie so oft) nicht anders können, als versöhnlich aufzublühen. Na, schon riesig Lust, Niemandes Schlaf zu sein, unter soviel Lidern?  Oh offenes Geheimnis!

Winterrosen, 2021                                    

foto: die erste „Weltrose“ Gloria Dei (1939), 2021

Kursiv gesetzt ist hier die (unvollständig zitierte) Grabinschrift des Dichters Rainer Maria Rilke, die vollständig lautet: Rose, oh reiner Widerspruch, Lust, Niemandes Schlaf zu sein, unter soviel Lidern.